Europa fliegt wieder

Luftraum freigegeben: Ein Flugzeug der Air Berlin startet gestern am Stuttgarter Airport.

bo/dpa Isenhagener Land. Flugzeuge fliegen wieder, Urlauber und Fußballprofis können ein wenig aufatmen, vor allem natürlich auch die Wirtschaft. Allerdings ist die Luftfahrt vom Normalzustand noch weit entfernt. Gestern gab‘s erst einmal Stau am Boden.

Kenneth Thomas, Manager im Überwachungsraum der europäischen Luftsicherheitsbehörde Eurocontrol, erklärte die Ausnahmesituation mit einem schönen Bild: Der Himmel sei eine fast leere Autobahn und alle drängelten sich an den Auffahrten. Die EU-Kommission rechnete für gestern damit, dass 20 000 Flüge starten – das würde etwa 80 Prozent entsprechen. „Am Donnerstag könnten 90 Prozent erreicht werden“, sagte eine Sprecherin. „Die Lage ist weiterhin sehr kritisch, aber wir sind zu einem pragmatischen Modell zurückgekehrt.“

Auch im Isenhagener Land hat das isländische Naturereignis in den letzten Tagen mitunter Auswirkungen gehabt – mal mehr, mal weniger. So heißt es etwa aus der Kommunikationsabteilung der global agierenden Firma Butting, die Folgen für die Logistik seien „nicht wesentlich“. Über Lufttransporte wickele das Knesebecker Unternehmen nur sehr wenig ab, die meisten Lieferungen erfolgten per Straße oder Wasserweg. Nur eine sehr kleine Zahl von geschäftlichen Meetings habe mangels Flugverbindung verschoben werden müssen.

Auch die Logistik der Wittinger Privatbrauerei ist nicht beeinträchtigt worden. Jörg Karabinski von der EDV-Abteilung sagte gestern, lediglich ein paar Ersatzteile, die per Paketdienst kommen sollten, würden sich verspäten. Die Produktion sei nicht von Lieferschwierigkeiten betroffen.

Hoch her ging es dagegen in den letzten Tagen im Wittinger TUI-Reisebüro. Bis gestern Mittag habe man „vier Tage lang ohne Pause zu tun gehabt“, berichtet Mitarbeiter Dieter Krewega. Das Telefon stand selten still, Reisen wurden storniert, fielen aus oder mussten durch Alternativen ersetzt werden. „Wir haben versucht, die Reisenden umzubuchen, zum Beispiel auf Schiffe“, erzählt Krewega. Mit einigen Kunden hatte er bis zu zehn Mal täglich Kontakt.

Gestern um 15 Uhr dann so etwas wie ein Sonnenstrahl durchs Fenster: In Hannover ging der erste Flieger Richtung Faro, Portugal. Für heute erwartete Krewega wieder „100 Prozent“ auf dem Flughafen Langenhagen – aber man weiß ja nie. Für die Reisebüros, so der Touristikfachmann, sei die Vulkan asche ebenso einschneidend wie für die Fluglinien: „Wir haben dadurch hohe Verluste. Für das, was storniert worden ist, bekommen wir keinen Cent.“

Umbuchungen und Stornierungen gehörten auch bei Brio-Tours zum täglichen Brot. Laut Inhaberin Sabine Brinkmann werden Umbuchungen in der Regel langfristig vorgenommen – schließlich sei jetzt noch unsicher, wie die Lage nächste Woche sein wird.

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