Ambitioniertes Gewächshaus-Projekt an L 286 zielt auch auf Integration und berufliche Qualifizierung ab

Essen und Energie aus Knesebeck?

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Große Gewächshäuser mit Solarmodulen auf dem Dach: So ähnlich darf man sich einen Teil der Anlage vorstellen, die die Sunfarming GmbH in Knesebeck, an der Bahnlinie gegenüber dem Butting-Betriebsgelände, plant.

Knesebeck. Mit einem spannenden Ansiedlungsvorhaben befasst sich am nächsten Mittwoch der Knesebecker Ortsrat.

In der Sitzung, die um 19 Uhr im Rathaus beginnt, geht es um ein Projekt der Sunfarming GmbH, die an der Gifhorner Straße Solarenergie und regionale Lebensmittel produzieren will. Damit verbunden ist auch das Ziel, Arbeits-Chancen für Menschen zu schaffen, die es auf dem Arbeitsmarkt nicht so leicht haben. Es soll voraussichtlich die erste Anlage dieser Art in Deutschland werden.

Das Unternehmen hat für seine Pläne eine Fläche gegenüber dem Butting-Werksgelände ins Auge gefasst, das zirka 3 Hektar große Areal soll über einen Wirtschaftsweg und einen Waldweg erschlossen werden. Kernstück des Vorhabens, so wird es in der Vorlage für den Ortsrat erläutert, sind sogenannte „Food & Energy Gewächshäuser“: obendrauf Photovoltaik, im Innern Anbau von Früchten, Gemüse und Blumen.

Der erzeugte grüne Strom soll laut Holger Schönherr, Projektentwickler bei Sunfarming, von der Firma Butting abgenommen werden. Schönherr bezeichnet das Unternehmen als „optimalen Projektpartner“. Kontakte nach Knesebeck seien über die Flüchtlingshilfe Ostniedersachsen geknüpft worden.

Bei der Bewirtschaftung des geplanten Gewächshauses werden auch Integrations- und Qualifizierungsziele verfolgt: Menschen aus Krisengebieten, Langzeitarbeitslose und Menschen mit Behinderungen sollen bei dieser Arbeit eine Chance bekommen und für den ersten Arbeitsmarkt fit gemacht werden, laut Schönherr gibt bis zu 20 Plätze pro Jahr.

In dem Betrieb werden Kenntnisse und Fertigkeiten bei der Planung der Gemüsesorten, bei der Wasserbereitstellung und anderen Tätigkeiten vermittelt. Darüber hinaus sollen auch Führungskräfte ausgebildet werden, die sich um die Steuerung des Betriebs und die Vermarktung kümmern. Partner des Unternehmens sind nach Angaben der Stadt die Oskar-Kämmer-Schule und die Bundesagentur für Arbeit.

Die Sunfarming GmbH ist im brandenburgischen Erkner, vor den Toren Berlins, zu Hause und gibt an, in Europa und Afrika mehr als 100 Mitarbeiter in technischen und kaufmännischen Führungspositionen zu beschäftigen. Weltweit seien zudem bis zu 320 Menschen projektbezogen in Bauleitung und Montage tätig. Zu den Geschäftsbereichen des Unternehmens gehören auch Solarparks und Stromversorgungskonzepte für Industrie und Landwirtschaft. 2017 wurde Sunfarming mit dem Intersolar-Award für wegweisende Konzepte ausgezeichnet.

Die Aufgabe der Stadt Wittingen ist es nun, die bauleitplanerischen Voraussetzungen für das Vorhaben zu schaffen – wenn die Politik es denn befürwortet. Aus dem Rathaus kommt, so steht es in der Vorlage für den Ortsrat, Zustimmung für das Projekt. Die Kosten für die Änderung des Flächennutzungsplans und für die Aufstellung eines Bebauungsplanes soll dabei der Vorhabenträger übernehmen. Laut Schönherr würde Sunfarming gern im Sommer 2019 mit den Bauarbeiten beginnen.

Von Holger Boden

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