Tier fast verblutet / Hintergründe unklar / Polizei hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung

Erpensen: Messer-Angriff auf Hündin

Christoph Lührs mit Lucie, die nach der Messer-Attacke einen verängstigten Eindruck macht. Fotos: Boden, privat

Erpensen. Lucie ist sichtlich verängstigt. Die fünfjährige Labrador-Hündin blickt unsicher aus ihrem Korb an der Küche. Ein Vorder- und ein Hinterlauf stecken in dicken blauen Bandagen.

Lucie, bei der Familie Lührs in Erpensen zuhause, ist am Sonnabend Opfer einer Messer-Attacke geworden.

Eine der tiefen Schnittwunden, die der Hündin zugefügt wurden.

„Wer macht so etwas?“, fragt sich Maren Lührs, Lucies „Frauchen“. Sie hat den Vorfall inzwischen bei der Polizei angezeigt. Ihr Sohn Philipp fand die Hündin am Sonnabend gegen 13.45 Uhr stark blutend am Hoftor, an mehreren Stellen standen dort bereits Blutlachen. Zwei Läufe waren regelrecht aufgeschlitzt worden, auch Stichwunden waren dem Tier dort zugefügt worden. Mit einer Notoperation bei einem Tierarzt wurde Lucie vor dem Verbluten gerettet. Den oder die Täter hat offenbar niemand gesehen. Als gegen 13 Uhr der Postbote kam, lief die Hündin noch munter herum – Maren Lührs hat das auf Nachfrage bei der Post in Erfahrung gebracht. Deshalb versucht die Polizei nun zu ermitteln, wer etwa zwischen 13.15 und 13.45 Uhr in der Nähe des Tatortes gesehen worden ist.

Auf dem Hof der Familie Lührs wie auch im Wittinger Polizeikommissariat macht man sich nun Gedanken über mögliche Hintergründe der Tat. Wer sticht am hellichten Tag auf einen Hund ein, der eigentlich als völlig friedfertig gilt? Wer läuft zu solchen Uhrzeiten überhaupt mit einem Messer herum? Für die Ermittler sieht es derzeit so aus, als wenn dieser Jemand offenbar Übung mit dem Gerät hat.

Maren Lührs sagt, mehrere Hunde in Erpensen seien am Sonnabend „sehr unruhig“ gewesen. Lucie selbst habe in dem mutmaßlichen Tatzeitraum „einmal kurz gebellt“. Nichts Ungewöhnliches, deswegen habe auch niemand nachgesehen. Dann war Ruhe. Philipp Lührs fand die Hündin später auf der Hofseite des Tores, der Täter muss es also geöffnet haben und hindurchgegangen sein.

Die Erpensenerin berichtet, in den Tagen zuvor seien Unbekannte „durch den Ort gezogen“, auch an ihrer Haustür hätten sie geklingelt. Die Personen hätten sich vorgeblich über die Bibel unterhalten wollen, aber „eigentlich nicht so ausgesehen“ wie Leute, die so etwas tun wollen.

Ob es einen Zusammenhang zwischen diesen Unbekannten und der verletzten Hündin gibt, ist unklar. Die Polizei hat gestern dennoch eine Personenbeschreibung herausgegeben: zwei Pärchen, eins davon blieb eher im Hintergrund; Wortführer ein etwa 1,70 großer Mann um die 40 mit dunklen Haaren, dunkler Jacke und osteuropäischem Akzent; neben ihm eine blonde Frau mit welligem Haar, zirka 1,80 Meter, 45 Jahre oder älter, langer Rock in grellem Pink.

Bei der Polizei hält man es nicht für ausgeschlossen, dass das Ganze mit der Vorbereitung eines Einschleichdiebstahls zu tun hat. Die Ermittler setzen nun auf Hinweise aus der Bevölkerung. Der Chef des Kommissariats, Rüdiger Elgner, sagt zudem: „Wenn verdächtige Personen im Ort sind, sollte man lieber einmal öfter bei der Polizei anrufen.“

Bei Lucie ist es derweil fraglich, ob sie jemals wieder richtig laufen kann – laut Maren Lührs sind einige Sehnen stark beschädigt: „Wahrscheinlich wird sie humpeln.“

Von Holger Boden

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