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Erfolgloser Kampf gegen das Wittinger Krähenproblem

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Von: Holger Boden

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In einem Baum neben der Wittinger Kirche sind mehrere Saatkrähen-Nester zu sehen.
Nördlich der St. Stephanuskirche liegt einer der Saatkrähen-Hotspots der Wittinger Kernstadt. Unter dem Baum wird ungern geparkt. © Boden, Holger

Wittingen – Für alle, die sich in Wittingen durch das laute Gekrächze von Saatkrähen gestört fühlen, gibt es schlechte Nachrichten: Das seit sechs Jahren laufende Monitoring mit kurzen Vergrämungsphasen im Frühjahr war im Prinzip ein Schlag ins Wasser. Die Gesamtzahl der Nester ist höher als je zuvor, die Zahl der registrierten Bruten ist fast doppelt so hoch wie 2016, als das Monitoring startete. Nun stellt sich die Frage, wie es weitergeht. Darüber soll am Dienstag, 14. Juni (18 Uhr, Stadthalle), der Ausschuss für Bauangelegenheiten und Umwelt diskutieren. Denn Ende März ist das Saatkrähenmonitoring ausgelaufen.

Das Resultat ist ernüchternd. Haben zu wenige Wittinger die Krähenklappen bedient, die im Frühjahr an neuralgischen Punkten aufgehängt werden? Wurde diese Möglichkeit nicht offensiv genug angepriesen? Waren die Phasen zu kurz? Oder beeindruckt das Geklapper die Vögel nicht sonderlich?

„Diese Maßnahmen haben nur bedingt Erfolg gehabt“, schreibt die Verwaltung in der Vorlage für den Ausschuss. Eine höfliche Untertreibung, denn die Zahl der besetzten Nester, in denen auch gebrütet wird, lag 2016 bei 87 – und bei der letzten Zählung im April 2022 waren es 154. Zwischenzeitlich (2018/2019) lag die Summe mit 167 noch höher, doch nach 105 Brutnestern im Jahr 2021 zeigt die Tendenz derzeit steil nach oben.

Der von der Stadt beauftragte Ornithologe hat 2016 insgesamt 10 aktive Beststandorte gezählt, nun sind es 20. An diesen Standorten waren es damals 182 Nester, nun sind es 209.

Innerörtliche Hotspots – das zeigt der nun vorliegende finale Monitoring-Bericht – sind die Nachtweide (36 aktive Nester), der Bereich Junkerpark (34), die Nordseite der St. Stephanus-Kirche (13), der Ortsausgang Richtung Suderwittingen (15) und die Südstraße (20).

Eine Verlagerung in Bereiche außerhalb der Kernstadt sei „bedingt eingetreten“, resümiert die Stadtverwaltung, für die sich zudem „grundsätzlich die Frage“ stellt, ob das Monitoring angesichts der „beschränkten Erfolgsaussichten“ weitergeführt werden soll. Eine neue Genehmigung des Landkreises Gifhorn wäre erforderlich, dafür müsste ein Gutachten her. Da die Politik das Thema bislang mit übersichtlichem Enthusiasmus angegangen hat, müssten betroffene Bürger möglicherweise wie vor sieben Jahren erneut Unterschriften sammeln, damit die Sache auf der Agenda bleibt.

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