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Endlager-Diskussion könnte 2027 richtig spannend werden

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Von: Holger Boden

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Im atomaren Zwischenlager Gorleben stehen Fässer mit hochradioaktivem Müll.
Hochradioaktive Abfälle im Zwischenlager Gorleben: Wenn die Endlagersuche nun deutlich länger dauert, wirft das auch Fragen hinsichtlich der längeren Zwischenlagerung auf. © Sina Schuldt / dpa

Wittingen – Der Suchprozess für ein Atommüll-Endlager gestaltet sich deutlich länger als geplant – das nimmt auch der regionalen Suche für eine Strategie im Umgang mit dem Thema ein bisschen den Zeitdruck. Richtig interessant dürfte es – nach heutigem Stand – im Jahr 2027 werden.

„Das plätschert gerade ein bisschen vor sich hin“, sagt Wittingens Stadtbürgermeister Andreas Ritter mit Blick auf die derzeit nicht vorhandenen unmittelbaren Auswirkungen des Suchverfahrens auf Wittingen und seine Nachbarn. Als 2020 die sogenannten Teilgebiete veröffentlicht wurden, die anhand geologischer Daten eine potenzielle Eignung aufweisen könnten, war das Isenhagener Land mit mehreren Salzstöcken dabei, darunter das benachbarte Waddekath gleich hinter der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt. Auf Ritters Initiative wurde ein Arbeitskreis gegründet, mit Vertretern anderer Kommunen aus dem Nordkreis und der Altmark.

Derzeit ist ein bisschen unklar, was man dort besprechen sollte, denn die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) braucht länger als geplant für den zweiten Schritt der ersten Phase. Schritt eins waren die Teilgebiete, Schritt zwei sollte die weitere Eingrenzung auf Standortregionen sein. Diese sollen vertieft auf ihre Eignung untersucht werden.

Der Vorschlag der Standortregionen war zunächst für 2024 angekündigt worden, soll aber nun, nachdem die BGE ihren Zeitplan überarbeitet hat, erst 2027 vorliegen. Das ist schon ziemlich dicht dran am Jahr 2031, in dem eigentlich feststehen sollte, in welchem Endlager die hochradioaktiven Brennstäbe gelagert werden – doch diese Standortentscheidung wird von der BGE nun gar erst für die Zeitspanne 2046 bis 2068 avisiert.

Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) prüft den BGE-Bericht derzeit und hat die Kommunen per Infobrief über den Stand der Dinge unterrichtet. Die Stadt Wittingen hat dieses Schreiben auf ihrer Homepage zugänglich gemacht.

„Momentan ist nichts geplant“, sagt Ritter, angesichts der schleppenden Suche, mit Blick auf die Aktivitäten des Arbeitskreises. Der Wittinger Rathauschef hat auch den Eindruck, dass das Thema für die meisten Bürger derzeit in den Hintergrund gerückt ist. 2027 werde es freilich „tatsächlich spannend“, und er wolle bis dahin die Entwicklung freilich weiter beobachten. Mit dem neuen Bürgermeister von Diesdorf hat sich Ritter kürzlich ausgetauscht – auch dort plane man derzeit in Sachen Endlager keine Aktionen.

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