Ende der Gratis-Kultur beim Laden

Wittingen baut Säule mit kostenlosem Strom für E-Autos ab

Zwei Fahrzeuge stehen an der E-Ladesäule an der Wittinger Achterstraße.
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Bisher fließt der Ladestrom an der Achterstraße kostenlos – das soll sich bald ändern. Zum Jahreswechsel wird die Säule abgebaut, für die Zukunft denkt die Stadt über ein Betreibermodell nach.
  • Holger Boden
    VonHolger Boden
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Wittingen – Soll die Stadt weiterhin eine Schnellladesäule betreiben, an der der Strom verschenkt wird? Im Kern ging es vor allem auch um diese Frage, als der Wittinger Verkehrsausschuss darüber diskutierte, ob das Modell auf dem Parkplatz an der Achterstraße durch ein neues ersetzt werden soll. Aus Reihen der Politik kamen mehrere Stimmen, die es nicht für die Aufgabe der Kommune halten, weiterhin als Betreiber von Stromtankstellen tätig zu sein.

Die bestehende Säule an der Achterstraße wird zum 1. Januar 2022 abgebaut. Als sie 2015 mit Hilfe von Fördermitteln installiert wurde, ging es darum, Elektromobilität in den Markt zu bekommen. Das erwies sich zunächst als zäher Prozess, doch inzwischen steigen – wiederum dank gut gefüllter Fördertöpfe – die Zulassungszahlen für E-Autos. Und damit auch die Nutzung der Ladesäule, wie Günter Kruse, Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung, dem Ausschuss sagte: „Die Nachfrage ist enorm.“

Was auch dazu führt, dass die Kosten steigen, denn der Strom wird ja verschenkt. Wie es in der Vorlage für die Beratung hieß, fielen letztes Jahr Stromkosten in Höhe von 5500 Euro an – mehr als im Haushalt eingeplant war, und deutlich mehr als die von der LSW laut Ausschussdokument gezahlte Werbepauschale in Höhe von 450 Euro.

Die naheliegende Idee, die Ladesäule (wie die am Bahnhof) auf ein Bezahlsystem umzustellen, funktioniert nicht – denn eine entsprechende Umrüstung sei nicht möglich, heißt es seitens der Stadtverwaltung. Daher auch der Abschied von der Achterstraßen-Säule zum Jahresende.

Und was kommt dann? Das Rathaus regt an, erneut Fördergelder einzuwerben. Das Bundesprogramm „Ladeinfrastruktur vor Ort“ zielt auf Schnellladesäulen ab. Bis Ende 2022 müsste solch eine Stromtankstelle dann realisiert sein. Von veranschlagten 32 500 Euro Gesamtkosten müsste die Stadt 13 300 Euro selbst tragen.

Die Verwaltung bekam vom Verkehrsausschuss zwar grünes Licht, einen entsprechenden Antrag zu stellen, um erst einmal einen Fuß in der Tür zu haben – doch gab es spürbare Skepsis gegenüber einem Eigenbetrieb der Säule: „Kann man nicht einen Betreiber finden?“, fragte Klaus Palluck (FWG), und Christian Schroeder (Grüne) stieß ins gleiche Horn. Walter Schulze (Ohrdorf, BA) warnte vor der fehlenden Wirtschaftlichkeit eines solchen Projekts: „Wenn wir keinen Betreiber haben, dann wird das für uns ein Zuschussgeschäft.“

Die Verwaltung will nun versuchen, Fördergelder zu sichern – und gleichzeitig sondieren, ob sich ein Betreiber finden lässt.

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