Eltern wollen einen Hort

Die Knesebecker Grundschule könnte künftig nachmittags einen Hort beherbergen. Foto: Boden

Knesebeck. Die Mutter muss nachmittags arbeiten, die Oma wohnt weit weg – und wo bleibt das Kind? Diese Frage stellen sich auch mehrere Familien in Knesebeck, und die Antwort ist für sie klar: Der Ort braucht einen Hort.

Doris Schatz, Bettina Gerdau und Kerstin Tepelmann gehören zum harten Kern der Mütter, die sich derzeit für solch eine Einrichtung stark machen. Unterstützung bekommen sie nach eigenem Bekunden von der Elternvertretung des Kindergartens. „Alle Kommunen wollen sich familienfreundlich aufstellen“, sagt Schatz. „Doch das steht und fällt mit den Möglichkeiten einer Rundumbetreuung.“ Und da sei ein Hort nach Auffassung vieler Eltern die beste Alternative für Mütter, die nachmittags arbeiten müssen, mit zum Teil weiten Fahrzeiten.

So hat die Knesebecker Hort-Initiative ihr Anliegen im Rathaus vorgebracht und auch schon im nichtöffentlich tagenden Kindergartenausschuss der Stadt und der Kirche vorgesprochen. Eine Ganztagsschule, so haben die Eltern erfahren, wird von der Knesebecker Grundschule nicht gewollt. Schatz und ihre Mitstreiterinnen halten das auch nur für die zweitbeste Lösung: Die Ferien der Kinder würden schließlich länger dauern als der Urlaub der Eltern.

Um ihre Forderung zu untermauern, hat die Initiative in Knesebeck eine Umfrage gemacht. Befragt wurden die Eltern von Kindern der Grundschule und des Kindergartens. Ergebnis: Allein für das laufende Schuljahr gäbe es einen Bedarf von 36 Plätzen. Für das Schuljahr 2011/2012 läge er sogar bei 54 Plätzen, im Jahr darauf bei 62. Im Schuljahr 2015/2016 würden – Stand heute – immer noch 48 Eltern die Dienste eines Hortes in Anspruch nehmen wollen.

Schatz, Gerdau und Tepelmann sind sich der Tatsache bewusst, dass „manche abspringen werden, wenn es ans Geld geht“. Doch sie gehen auch davon aus, dass ein erst einmal etabliertes Angebot weitere Nachfrage wecken kann. Als Kernbedarfszeit haben sie 13.15 bis 17 Uhr, vielleicht auch bis 18 Uhr, ermittelt.

Klar ist: Anders als eine Ganztagsschule wird eine Hortbetreuung für die Eltern nicht kostenlos sein. Welche Beiträge fällig würden, und welche Kosten bei dem Vorhaben auf die Stadt zukämen, das wird gerade ermittelt. Carsten Smolla, der Chef des Kirchenkreisamtes, will dieser Tage die entsprechenden Berechnungen abschließen und seine Zahlen zur weiteren Beratung an die Stadtverwaltung weiterleiten. „Wenn die Stadt das finanziert, würden wir uns gegen die Einrichtung eines Hortes nicht sperren“, sagt Smolla. Angesichts der Umfragezahlen aus Knesebeck müsse man den Hort-Wunsch ernst nehmen. Die Kirche betreibt im Auftrag der Stadt die drei Kindergärten in Wittingen, Knesebeck und Ohrdorf.

Als möglicher Standort scheint die Knesebecker Grundschule ein heißer Favorit zu sein. Nach Smollas Informationen würde die dortige Raumsituation nachmittags das Vorhaben erlauben. Liegen die Zahlen der Kirche im Rathaus vor, werden Politik und Verwaltung einige Fragen zu klären haben. Welche Zuschüsse lassen sich abgreifen, wie viele Räume werden gebraucht, woher kommt das Fachpersonal?

Auch wenn die ersten Überlegungen für einen Hort schon aus dem Jahr 2009 datieren: Die derzeitigen Signale wertet Schatz als ermutigend. In der letzten Sitzung des Knesebecker Ortsrates gab es viel Zustimmung für das Projekt – was zunächst einmal freilich nichts kostete, denn der Ortsrat muss nicht über die finanziellen Auswirkungen entscheiden.

Doch überhaupt sieht Schatz es positiv, „dass man uns zuhört“. In einem Gespräch vor zwei Monaten sei sogar signalisiert worden, dass die Einrichtung eines Hortes zum 1. August dieses Jahres noch technisch möglich sei.

„Das ist das Ziel“, bestätigt der Erste Stadtrat Peter Rothe. Wenn sich die Umsetzung als machbar herausstelle, könne der Kindergartenausschuss eventuell schon in der ersten Maiwoche eine entsprechende Entscheidung treffen.

Von Holger Boden

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