Eiszeit am Kai

Sperrung des Kanals: Schiffsumschlag im Wittinger Hafen kommt zum Erliegen

Eiswelt gestern am Wittinger Hafen: Ein Schiff liegt noch im Hafenbecken, ab heute findet keine Umschlagstätigkeit mehr statt. Das Wasser- und Schifffahrtsamt riet Binnenschiffern vom kontrollierten Einfrierenlassen der Schiffe ab.
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Eiswelt gestern am Wittinger Hafen: Ein Schiff liegt noch im Hafenbecken, ab heute findet keine Umschlagstätigkeit mehr statt. Das Wasser- und Schifffahrtsamt riet Binnenschiffern vom kontrollierten Einfrierenlassen der Schiffe ab.
  • Holger Boden
    vonHolger Boden
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Der Elbe-Seitenkanal ist seit gestern Abend wegen dicker werdender Eisschollen gesperrt. Damit werden auch viele Aktivitäten im Wittinger Hafengebiet eingefroren – zum Beispiel die Güterverladung der Port Logistics Wittingen (PLW) auf Schiffe.

Wittingen – Eisbrecher haben gestern Binnenschiffer aus den nun gesperrten Bereichen gelotst.

Für die Schiffe im hiesigen Bereich ging es Richtung Elbe. Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) riet nicht dazu, sich an Liegestellen oder in Häfen kontrolliert einfrieren zu lassen – das könne gefährlich werden, weil im erwarteten Dauerfrost der Eisdruck auf die Schiffe wachse. Im WSA rechnet man mit einer 14-tägigen Kälteperiode mit Werten von bis zu minus 20 Grad.

Unter der Ägide der PLW läuft die Umschlagstätigkeit im Hafenbecken. Der harte Winter wird – wenn die jetzige Situation länger anhält – die Bilanz des Unternehmens für 2021 eintrüben, wie Günter Kruse, einer der Geschäftsführer, bestätigt: „Wir leben vom Umschlagsgeschäft. Nun müssen wir sehen, wie lange die Sperrung andauert.“

Zu den Hauptgütern, die aktuell im Wittinger Hafen bewegt werden, gehören Holzhack, Gasöl und Getreide. Die PLW will nun prüfen, welche Lieferketten betroffen sind und wie reagiert wird. Aus dem Hafenbüro hieß es gestern, dass für diese Woche noch die Abholung einer Schiffsladung Getreide angemeldet war, für nächste Woche zudem weitere Schiffe für Getreide sowie die Anlieferung von Gasöl und Holzhack. Ob gegebenenfalls auf den Transport per Lkw ausgewichen wird, entscheide der jeweilige Kunde.

Die PLW, deren Anteile zu je 50 Prozent die Stadt Wittingen und der Logistiker Rhenus halten, beschäftigt im Hafen drei Mitarbeiter, früher waren es mal fünf. Wie jetzt mit dem ruhenden Geschäft umgegangen wird, sei noch zu klären, sagte Kruse. Die Option Kurzarbeit müsse voraussichtlich nicht gezogen werden, bei vergleichbaren früheren Gelegenheiten sei auf Abbau von Resturlaub und Überstunden zurückgegriffen worden. Möglicherweise könne das Personal die Situation auch für Reinigungs- und Instandhaltungsarbeiten in den Lagerhallen nutzen.

Der für die Schifffahrt zuständige Fachbereichsleiter des WSA, Kai Römer, erklärte, man wolle den Schiffsverkehr „schnellstmöglich wieder freigeben“, sobald die Lage sich entspannt.

Der Elektronische Wasserstraßen-Informationsservice (www.elwis.de) wies gestern für den Elbe-Seitenkanal eine aktuelle Eisdicke von fünf Zentimetern aus. Das Betreten des Eises ist lebensgefährlich, zumal nach der gestrigen Durchfahrt der Eisbrecher in Richtung Norden noch einzelne Eisschollen lose im Wasser treiben.

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