Eiswinter? Wohl nicht

Ob es einen Eiswinter geben wird, darüber sind sich die Experten noch uneins. Auch IK-Wettermann Zaki kann noch nicht voraussagen, ob der Elbe-Seitenkanal in diesem Winter wieder zufrieren wird.

Isenhagener Land - Von Reinhard Zakrzewski. Seit einiger Zeit geistern Horrormeldungen über einen bevorstehenden Jahrhundert- oder sogar Jahrtausendwinter durchs Internet und einige Gazetten. Auslöser dieser Unruhe sind russische Meteorologen, die für Ost- und Mitteleuropa vor einem extrem kalten Winter warnen oder gar den Ausbruch einer neuen Eiszeit befürchten.

Als Grund wird eine deutliche Abschwächung beziehungsweise der völlige Zusammenbruch des Golfstromes genannt. Letzteres wäre tatsächlich der klimatische Supergau für Europa, denn die Warmwasserheizung aus dem Golf von Mexiko macht unseren Winter erst erträglich. Als möglichen Auslöser haben die Russen die Chemikalie Corexit im Visier, von der in diesem Sommer über dem Golf von Mexiko rund sieben Millionen Liter zur Bekämpfung der Ölpest versprüht wurden. Über einen möglichen Einfluss auf die Meeresströmungen gibt es allerdings keinerlei wissenschaftliche Erkenntnisse.

Aktuell verhält sich der Golfstrom völlig normal. Weder dem Deutschen Wetterdienst (DWD), noch dem Max-Plack-Institut für Meteorologie in Hamburg (MPI), an dem eine Wissenschaftlergruppe das Verhalten des Golfstroms beobachtet, liegen Daten über eine Abschwächung oder Verlagerung der Strömung vor.

Abgesehen von solchen Sensationsmeldungen stellt sich die Frage, was an langfristigen Vorhersagen über eine bevorstehende Jahreszeit überhaupt möglich ist. Gute Ansätze liefert die Statistik. Dabei spielt die Vorwitterung im Herbst (wie war der Winter nach einem Oktober, der so ähnlich verlief wie der aktuelle?) eine Rolle.

Um eine Trefferquote von etwa 70 Prozent zu erreichen, sind die klimatischen Randbedingungen jedoch eng gefasst. Für einen überdurchschnittlich kalten Winter in Deutschland lauten diese: Ist der Oktober westlich der Oder um mindesten 1,5 Grad Celsius zu warm und gleichzeitig auch zu trocken oder normal feucht, dann ist mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent mit einem strengen Januar und mit 65-prozentiger Sicherheit auch einem zu kalten Februar zu rechnen.

Einschlägige Bauernregeln unterstützen diese Aussage: „Ist der Oktober warm und fein, kommt ein kalter Winter drein, ist er aber nass und kühl, mild der Winter werden will.“ Diesmal lässt die Oktoberwitterung keinerlei Rückschlüsse auf das Winterwetter zu, denn in ganz Deutschland war der Monat zwar überwiegend zu trocken, doch auch etwas zu kühl.

So lassen die monatlichen Jahreszeitentrends des Deutschen Wetterdienstes, die auch witterungsrelevante Faktoren wie Temperaturabweichungen großer Meeresgebiete und -strömungen berücksichtigen, einen eher durchschnittlichen bis leicht zu milden mitteleuropäischen Winter erwarten. Ähnliches meldet auch der amerikanische Wetterdienst, dessen Modellrechnungen nur den Dezember etwas unterkühlt sehen.

Gegen einen Eiswinter spricht zudem, dass mehrere zu kalte Winter in Folge selten sind. Seit 1900 war dies vor allem in den drei Kriegswintern 1940 bis 1943 der Fall und in abgeschwächter Form zwischen 1984 und 1987. Im Isenhagener Land brachte zuletzt der Winter 2008/09 normale Temperaturen, während der letzte mit einem Minus von 2,3 Grad Celsius ungewöhnlich kalt ausfiel.

Einziger Hinweis auf große Winterkälte sind die seit dem vergangenen Herbst über dem Nordatlantik schwächelnden Westwinde, was den Aufbau von Hochdruckgebieten über Nordeuropa begünstigt. Hielte dieser Zustand an, könnten uns – wie im letzten Winter – nördliche bis östliche Winde aus arktischen Breiten noch viel bittere Kälte bringen. Umgekehrt hätte eine sich straffende Westwindströmung einen atlantisch milden Winter zur Folge.

Fazit: Wie der kommende Winter tatsächlich wird, weiß letztlich niemand. Und was die russischen Meteorologen anbetrifft: Bange machen gilt nicht!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare