Eisheilige haben‘s eilig

Die Luftverschmutzung hatte aber auch ihr Gutes, denn sie zauberte romantische Sonnenauf- und untergänge an den Heidehimmel.

Witingen - Von Reinhard Zakrzewski. Der Frühling legt in der ersten Maiwoche erst einmal eine längere schöpferische Pause ein. Denn ein massiver Vorstoß arktischer Kaltluft zwingt ihn mindestens bis zum Wochenende in die Knie. Nach dem verregneten Wochenauftakt wird es ab Dienstag zwar sonniger und trocken, aber kaum über dreizehn Grad warm. Unter sternklarem Himmel sind in der Nacht zu Mittwoch sogar Minusgrade möglich.

Frostempfindlichen Pflanzen sollte man deshalb einen Ab deckung gönnen. In der zweiten Wochenhälfte gebärdet sich das Wetter wieder unfreundlich und sehr kühl. Bei Regen verweilen die Werte nur im einstelligen Bereich und bei nächtlichem Aufklaren ist immer noch Bodenfrost möglich. Die Heizkörper bleiben also weiter aktiv.

Vom April heißt es: „Der April ist ein launischer Gesell, bald ist er trüb, bald ist er hell.“ In diesem April kam es wieder mal ganz anders. Statt turbulent und wechselhaft, ging es in der Atmosphäre überwiegend ruhig zu. Häufiger Hochdruckeinfluss sorgte nicht nur für üppigen Sonnenschein, sondern auch für große Trockenheit.

Durch die vom nassen Winterhalbjahr noch vorhandene hohe Bodenfeuchte hatte die Vegetation unter dem Niederschlagsmangel nur auf leichten Böden zu leiden.

Positiv in diesem Zusammenhang: Die niedrigen Temperaturen der ersten Monatshälfte, hielten die Verdunstungsraten zunächst noch in Grenzen. Wie nach dem kalten und langen Winter zu erwarten war, machte die Erwärmung im April zunächst nur schleppende Fortschritte, was sich auch an der Entwicklung der Vegetation zeigte. In trockener Polarluft und unter einem oftmals wolkenlosen Himmel, rutschten die Nachtwerte massiv ab. So gab es im nordöstlichen Niedersachsen maximal sechs mal Luftfrost (Messhöhe zwei Meter) und bis zu 17 Nächte mit Bodenfrost, mit den tiefsten Werten am 23. April. Kältepol war wie üblich Faßberg (minus 5,2, am Boden minus 7,0 Grad).

War die erste Aprilhälfte gemessen am Klimamittel (1961 bis 1990) nur geringfügig zu warm, änderte sich das danach deutlich. Warme Winde aus Südwesten sorgten insbesondere in der letzten Aprilwoche für Höchsttemperaturen von teilweise über 20 Grad. Am 29. April, dem wärmsten Tag des Monats, schaffte es das Thermometer örtlich sogar auf einen Sommertag (mindestens 25 Grad). Und in der anschließenden Nacht, wurde in der Südheide mit Werten um 16 Grad (Celle 16,0 Grad) das höchste Minimum seit Beginn der Wetteraufzeichnungen registriert.

Dieser Schlussspurt in Sachen Wärme brachte dem Monat am Ende noch ein ansehnliches Plus von rund 1,5 Grad ein. Nach dem trüben Winterhalbjahr war der viele Sonnenschein mit bis zu 230 Stunden für uns alle ein wahrer Genuss.

Lediglich die Note „mangelhaft“ verdiente der Niederschlag. Nur in der äußersten Westheide (Raum Solltau) kamen 50 Prozent der normalen Menge runter. Östlich und südlich davon blieb es bei rund 40 Prozent oder noch weniger, im Kreis Celle vielfach nur bei einem Viertel des Üblichen.

Bemerkenswert: Seit 2004 war dies der fünfte erheblich zu trockene April im Isenhagener Land. Nur 2006 und 2008 gab es zuviel des Guten. Ein Schelm wer da nicht an den Klimawandel denkt.

Ein riesiger Aufreger war die Aschewolke des islandischen Vulkans Eyjafjallajökulls und das daraus resultierende Flugverbot über großen Teilen Europas. Die Luftverschmutzung hatte aber auch ihr Gutes, denn sie zauberte zwischen dem 16. und 20. April romantische Sonnenauf- und untergänge an den Heidehimmel.

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