Drohender Liquiditäts-Engpass: Neef + Stumme schiebt Sanierungsverfahren an

Einschnitte erwartet

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Neef + Stumme in der Wittinger Schillerstraße: Wie viele Angestellte wegen der Sanierung um ihren Arbeitsplatz bangen müssen, ist laut Geschäftsführung und Betriebsrat noch offen.

Wittingen. Umsatzrückgänge und ein Engpass bei der Betriebsmittelfinanzierung haben die Wittinger Druckerei Neef + Stumme in drohende Liquiditätsschwierigkeiten gebracht. Das Unternehmen reagiert mit einer sogenannten Sanierung in Eigenverwaltung.

„Wir spannen damit einen Schutzschirm über das Unternehmen“, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung, Andreas Bauer, der die Ausgangslage strukturell positiv bewertet. Wie viele Arbeitsplätze die erschwerte Marktsituation kosten wird, ist noch offen. Mit rund 250 Mitarbeitern zählt die Firma zu den größten Arbeitgebern im Nordkreis.

Im Unterschied zu einem regulären Insolvenzverfahren behält die Unternehmensführung bei einer Sanierung in Eigenverwaltung die Fäden in der Hand, unter Aufsicht eines Sachwalters. Den Antrag für das Verfahren, dessen Dauer der Geschäftsführer auf „einige Monate“ schätzt, hat Neef + Stumme am Montag beim Amtsgericht Gifhorn gestellt. Das Gericht hat den hannoverschen Anwalt Dr. Rainer Eckert zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Die Geschäftsführung lässt sich von der Kanzlei Brinkmann & Partner in Hannover beraten und begleiten. Rechtsanwalt Manuel Sack wurde für die Dauer des Verfahrens Generalvollmacht erteilt.

Die Ursachen für die wirtschaftlich schwierige Situation skizziert Bauer so: Im ersten Halbjahr habe es einen spürbaren Umsatzrückgang gegeben. Man habe Aufträge nicht an die Konkurrenz verloren, vielmehr seien Auflagen bei einigen Kundenzeitschriften, die an der Schillerstraße gedruckt werden, stark rückläufig. Ein großer Autohersteller habe ein Magazin komplett eingestellt. Die Akquisition von Neukunden könne diese Effekte nicht kompensieren.

Hinzu komme: Für Investitionen hat das Unternehmen in den letzten 18 Monaten problemlos Kredite bekommen – bei der Betriebsmittelfinanzierung hingegen, so Bauer, sähen die Hausbanken den vor neun Jahren eingestiegenen Finanzinvestor in der Pflicht. Der aber habe eine Ausweitung seines Engagements bei Neef + Stumme abgelehnt. Die Konsequenz: „Den Antrag auf eine Sanierung in Eigenverwaltung aufgrund einer drohenden Zahlungsunfähigkeit haben wir zum frühestmöglichen Zeitpunkt gestellt, um das Heft des Handelns in der Hand zu behalten.“

Die Geschäftsführung hat am Montag den Betriebsrat informiert, die Reaktion beschreibt Bauer als „gefasst und professionell“. Kunden und Lieferanten hätten in großem Maße ihre Unterstützung bekundet.

Für die Monate Juli bis September schießt die Arbeitsagentur dem Unternehmen aufgrund des Verfahrens nun die Gehälter vor, was die finanziellen Spielräume erhöhen soll. Dass am Ende auch Arbeitsplätze wegfallen, sieht Bauer angesichts des schwieriger gewordenen Marktes als kaum vermeidbar an, die Kosten müssten den rückläufigen Umsätzen angepasst werden. Die Größenordnung der Kündigungen sei derzeit aber Spekulation.

Der Betriebsratsvorsitzende Henning Strey sagte auf IK-Anfrage, es habe durch die Geschäftsführung eine „sachliche, konstruktive Information“ gegeben. Für die Arbeitnehmervertreter gehe es nun darum, den Prozess „konstruktiv und kritisch im Interesse der Mitarbeiter zu begleiten“. Der Fokus liege darauf, gemeinsam einen Sanierungsplan auszuarbeiten und nach Möglichkeit „Unannehmlichkeiten abzufedern“. Strey weiß: „Es wird Einschnitte geben. Über den Umfang wird man erst in einigen Wochen reden können.“

Von Holger Boden

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