Erschwerte Bedingungen: Wittinger Wehren löschten 2011 fünf Brände auf Übungsplatz Ehra-Lessien

Einsatz bis an die Leistungsgrenze

Wittingen/Ehra-Lessien. Ein solches Jahr hat Wittingens Stadtbrandmeister Heinrich Kruse schon lange nicht mehr erlebt. „Unsere Kameraden waren in den Einsätzen sehr gefordert.

Heinrich Kruse

Sie gingen zum Teil bis an ihre Leistungsgrenze heran“, lässt Kruse im IK-Gespräch das Jahr 2011 Revue passieren. Der oberste Chef der 16 Wittinger Ortswehren meint damit die Löscheinsätze auf dem Truppenübungsplatz Ehra-Lessien, der zu etwa einem Viertel auf Wittinger Gebiet liegt. Zwischen dem 13. April und dem 6. August mussten die Wehren insgesamt fünfmal ausrücken und Feuer auf dem Gelände löschen. Doch die Brandbekämpfung sei aufgrund mehrerer unglücklicher Faktoren zu einer besonderen Herausforderung geworden, erklärt Kruse.

Probleme verursachte vor allem das extrem trockene Frühjahr. So konnten sich die Brände auf dem ausgedörrten Boden sehr schnell ausbreiten. Zudem wurden die Wittinger Wehren nach Ansicht von Kruse oft zu spät alarmiert. „Vermutlich hat die Platzfeuerwehr versucht, die Brände zunächst mit eigenen Kräften zu löschen“, glaubt er.

Erschwerend kam hinzu, dass vier der fünf Brände auf dem Gelände zwischen Freitagnachmittag und Sonntagmorgen ausbrachen. Doch gerade am Wochenende sei die Platz-Feuerwehr personell nur gering besetzt, so Kruse. „Deshalb mussten Einsatzkräfte von außerhalb zur Unterstützung angefordert werden.“ So seien Ortswehren mit wasserführenden Fahrzeugen wie Knesebeck, Ohrdorf, Radenbeck, Vorhop und Wittingen regelmäßig im Einsatz gewesen, ebenso Wehren aus anderen Samtgemeinden. Die Löscheinsätze hätten zum Teil mehrere Stunden gedauert, entsprechend erschöpft seien die Kameraden gewesen.

Zu allem Überfluss seien 2011 auch noch zwei Fahrzeuge der Platz-Feuerwehr wegen Reparaturen nicht einsatzfähig gewesen. „Es kam eben alles zusammen“, schildert Kruse.

Dabei ist das Gefahrenpotenzial auf dem Übungsplatz Ehra-Lessien seiner Ansicht nach nicht zu unterschätzen. Denn auf dem Gelände werde unter anderem mit Nebelgranaten geschossen. „Wenn die in trockenes Gras fallen, kann sich das entzünden und Brände verursachen“, erläutert der Stadtbrandmeister.

Besonders gefährdet ist nach den Worten von Kruse das südlich von Knesebeck gelegene Malloh. Dabei handelt es sich um ein großes Waldgebiet mit Sandboden und hoher Kieferndichte – einer Baumart, die besonders schnell brennt. „Wegen der großen Entfernungen gibt es dort keine Möglichkeit, Wasser zur Brandbekämpfung von außen zu holen“, weiß Kruse. Die Versorgung sei nur über einen Brunnen und mehrere Zisternen möglich. So erinnert sich Kruse noch immer an den großen Waldbrand aus dem Jahr 1983. Damals verbrannten im Malloh etwa 260 Hektar Wald, das Feuer wurde dabei durch den Wind stark angefacht.

Von den Verantwortlichen des Übungsplatzes Ehra-Lessien gab es gestern keine Stellungnahme zum Einsatzgeschehen 2011. Uwe Casjens, Leiter der Platz-Feuerwehr, wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Oberst Gerd Ahrens, Kommandant der Truppenübungsplatzkommandantur Bergen und Vorgesetzter des Übungsplatzes Ehra-Lessien, war für ein Gespräch nicht zu erreichen.

Kruse versteht seinen Jahresrückblick aber nicht als Kritik an der Feuerwehr des Truppenübungsplatzes. „Wir sind froh, dass wir die Kameraden dort haben, denn sie unterstützen auch uns, wenn es bei uns brennt“, betont er. „Doch so ein Jahr wie 2011 wünschen wir uns nicht mehr. Wir hoffen, dass 2012 ruhiger wird.“

Von Bernd Schossadowski

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare