Krippen-Engpass in Knesebeck: Aktuell keine Lösung in Sicht

Einige Eltern in Knesebeck bangen um den Job

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Der sogenannte „Gemeinsame Ausschuss“ tagte am Dienstag ausnahmsweise wieder einmal öffentlich.

Knesebeck – Für die Eltern der Knesebecker Kita St. Katharinen II gab es am Dienstagabend im Wesentlichen eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Zum neuen Kita-Jahr soll das Betreuungspersonal wieder vollzählig sein.

Die schlechte: Am aktuellen Engpass ändert sich nichts, die Ganztagsgruppe der Krippe endet weiterhin um 14 Uhr.

Rund ein Dutzend Erziehungsberechtigte waren zu Gast in der Sitzung des sogenannten „Gemeinsamen Ausschusses“ der Stadt Wittingen und des kirchlichen Kita-Dachverbandes. Der tagte – nach der Premiere im Februar 2019 – ausnahmsweise wieder einmal öffentlich. Und die Knesebecker Betreuungssituation wurde zum dominierenden Thema.

Vor dem Job-Verlust

Welche Folgen der Wegfall nachmittäglicher Krippen-Stunden für die Familien hat, schilderte eine Mutter: Sie habe für ihr Kind einen Betreuungsvertrag über neun Stunden, auf dieser Grundlage habe sie wie andere Eltern ihre berufliche Tätigkeit geplant. Die aktuelle Situation könne dazu führen, dass zwei der betroffenen Elternteile „im Sommer auf der Straße stehen“, weil sie keine Betreuungs-Alternative finden.

Ein zwei Jahre altes Bild von St. Katharinen II: Die Kita-Politik wird für die Stadt derzeit zur Dauerbaustelle. Archiv

Eine andere Erziehungsberechtigte kritisierte die Kurzfristigkeit der Mitteilung über die gekürzte Betreuungszeit. Das habe die Familien vor das Problem gestellt, schnell Lösungen finden zu müssen. Elternsprecher Stefan Killmer sagte, er und die anderen Eltern seien zur Sitzung gekommen, weil „wir darauf hinweisen wollen, dass es so nicht weitergeht“. Die Situation wirke sich inzwischen auch negativ auf die Kinder aus.

„Sind nicht untätig“

Elisabeth Schulze als Vorsitzende des Dachverbandes und die pädagogische Leiterin Stefanie Pagel-Bosker beteuerten, dass das Problem auch sie nicht kalt lasse. Schulze: „Es ist nicht so, dass wir untätig sind.“ Die Ganztagsbetreuung könne nach jetzigem Stand dank neuer Erzieherinnen ab August wieder aufgenommen werden, sagte Pagel-Bosker. Die aktuelle Lücke könne man leider nicht beseitigen, trotz aller Bemühungen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt.

Im Sommer 2019, so Pagel-Bosker, sei man „bei 100 Prozent gewesen“. Dann kamen Kündigungen. Nachbesetzungen im Laufe eines Jahres seien äußerst schwierig – es gebe schlicht zu wenig Fachkräfte. Die fünf Kitas versuchten, Engpässe untereinander zu kompensieren, das stoße aber an Grenzen. Der Dachverband sei auch aktiv bei der Akquise von Quereinsteigerinnen. Das helfe nur leider nicht kurzfristig – und auch nicht die Tatsache, dass sich auf den jüngsten IK-Artikel über den Betreuungsengpass spontan Bewerberinnen gemeldet hätten.

Eltern suchen Lösung

Zur von den Eltern monierten Kurzfristigkeit der Mitteilung sagte die Dachverbands-Vorsitzende Schulze, dass man bei der Frage nach dem richtigen Zeitpunkt in einem Spannungsfeld agiere, solange noch mögliche Lösungen im Raum stehen. Nach zusätzlichen Überstunden für Erzieherinnen gefragt, sagte Schulze: „Das haben wir vorher schon ausgereizt.“

Die Knesebecker Eltern haben inzwischen mit einem Katalog aus Fragen und Vorschlägen zur Gewinnung und Bindung von Personal reagiert. Und sie wollen aktiv helfen, die Probleme zu lösen oder zu mildern. Eine geplante Bürgerinitiative könnte laut Killmer nicht nur die Aufgabe haben, weiterhin im Gespräch mit den Verantwortlichen zu bleiben. Zudem könne es auch darum gehen, ein zusätzliches Betreuungssystem aufzubauen: „Dabei hoffen wir auf Unterstützung von Stadt und Kirche. Wir wollen nicht allein gelassen werden.“

VON HOLGER BODEN

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