Ganztagsbetreuung: Diskussion in Knesebeck – und Kritik in Wittingen

Eine Frage des Alters

Ganztagsschule für Knesebeck? Die Meinungen zwischen Schule und Politik gehen noch auseinander. Foto: Archiv

Wittingen/Knesebeck. Ein Hort scheint kein Thema mehr zu sein – die Wittinger Politik setzt bei der von Eltern seit langem geforderten Ganztagsbetreuung in Knesebeck auf die Ganztagsschule. Das stößt an der Schule selbst bislang aber auf keine Gegenliebe.

Die neue Schulleiterin Gudrun Eckermann legte dem Schulausschuss dar, dass eine Ganztagsschule das kleine Kollegium überfordern würde. Wenn, dann müsse personelle Unterstützung her. Zudem fehle es auch an Räumen und der nötigen Ausstattung: „Wir haben keine Mensa, keine Küche, keinen Spielraum.“

Eckermann zeigte sich irritiert darüber, dass sie zuvor in einer nichtöffentlichen Sitzung des städtischen Arbeitskreises Schulentwicklung ihre Einschätzung darlegen sollte, dass in der Politik aber offenbar ohnehin vorgefasste Absichten zur Einrichtung einer Ganztagsschule existiert hätten. Sie verwies zudem darauf, dass von Elternseite auch Betreuung in Ferienzeiten gewünscht – dies könne die Schule nicht leisten. Und sie erinnerte an schlechte Erfahrungen mit außerschulischen Angeboten: Betreuer hätten kurzfristig abgesagt, Lehrer hätten einspringen müssen: „Da müssen die Kinder dann aufgefangen werden – das geht mit 20 Mann eher als mit 8 Mann.“

Hans-Heinrich Koch (SPD) äußerte Verständnis: „Es geht nicht unter den jetzigen Bedingungen.“ Er staune aber über Raumprobleme, die früher nicht signalisiert worden seien. Jens Schröder (CDU) sagte, man müsse „schauen, wie man aufeinander zugehen kann“ und erinnerte an den Forderungskatalog, den die Wittinger Grundschule auf dem Weg zur Ganztagsschule an die Politik gerichtet hatte. Analog könne es in diesem Fall vielleicht auch laufen. Schröder: „Letztlich geht es nur im Konsens.“

Der Arbeitskreis hatte die Elternbefragung vom Frühjahr dieses Jahres ausgewertet und festgestellt, dass in 26 Prozent der abgegebenen Fragebögen eine Nachmittagsbetreuung gewünscht wurde – schwerpunktmäßig, wie der Erste Stadtrat Peter Rothe erläuterte, von Eltern von 6- bis 10-Jährigen. Handlungsbedarf ist also vor allem im Grundschulalter. Ab Klasse 5 signalisieren nur noch 10 Prozent der Familien einen Betreuungswunsch.

Dass nicht jeder es toll findet, wenn sein Kind den Nachmittag in der Schule verbringt, hat auch die Schulleitung der Oberschule schon erfahren. Beim Elternabend der 5. Klassen habe man sich viel Kritik anhören müssen, dass die Kinder so lange in der Schule sind, berichtete Rektorin Beate Harms. An der Schule gibt es dienstags und donnerstags verpflichtende Schulzeit bis 15.20 Uhr – das gehört zum Oberschul-Konzept des Kultusministeriums. Für die optionale Nachmittagsbetreuung am Mittwoch gibt es laut Harms „nicht eine einzige Anmeldung“. An der Schule weiß man: Lange Nachmittage in der Schule (plus Busfahrzeit) kollidieren mit Vereins- und anderen Interessen der Kinder und ihrer Familien.

Von Holger Boden

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