Der Knesebecker Ron-Hendrik Peesel über das Speedrutschen – und wie man schneller wird

„Eincremen ist nicht erlaubt“

Ron-Hendrik Peesel auf Schussfahrt in der Wolfsburger Black-Hole-Rutsche. Foto: Archiv/Badeland

Knesebeck/Wolfsburg. Es geht mit „Vollgas“ auf einem dünnen Wasserfilm durch mehr oder weniger dunkle Röhren – und ein aus Knesebeck stammender 20-Jähriger ist derzeit immer vorn dabei.

Ron-Hendrik Peesel, Student des Wirtschaftsingenieurwesens in Mosbach, ist amtierender deutscher Vizemeister im Speedrutschen, und auch beim deutschen Rennrutsch-Pokal holte er den zweiten Platz.

Peesel, der selbst humorvoll einwirft, dass da vielleicht Parallelen zu „Vizekusen“ – dem „ewigen“ Fußball-Zweiten Bayer Leverkusen – gezogen werden könnten, hat auch durchaus schon Titel vorzuweisen. So holte er jetzt die Stadtmeisterschaften von Hildesheim und Wolfsburg. Am 11. Dezember soll möglichst ein weiterer Sieg her: bei der niedersächsischen Meisterschaft in der Rutsch-Hochburg Wolfsburger Badeland, wo Peesel die 110 Meter lange Black-Hole-Rutsche zuletzt in 14,24 Sekunden schaffte. Im IK-Interview spricht der 20-Jährige über Rutsch-Turniere, Rutsch-Technik und Rutsch-Textilien.

IK: Herr Peesel, haben Sie Ihre Karriere im Knesebecker Strandbad begonnen?

Ron-Hendrik Peesel (schmunzelt): Nein, das war in Celle, wo ich damals wohnte, so vor etwa fünf Jahren. Da gab es im Hallenbad einen Rutschwettbewerb, und da bin ich mit einem Freund aus Jux hingegangen. Damals war ich wohl in der 10. Klasse.

IK: Sie sind amtierender deutscher Vizemeister im Bahnrutschen. Wie ernst nehmen Sie selbst die Wettbewerbe?

Peesel: Ich nehme das schon ernst. Ich übe seit etwa drei Jahren intensiv für den Sport, etwa zweimal pro Monat. Zudem stehen fünf bis sechs Wettkämpfe pro Jahr an. Wenn am 11. Dezember das Finale der Landesmeisterschaft in Wolfsburg ansteht, werde ich eine Woche vorher jeden oder jeden zweiten Tag ins Badeland gehen. Es ist wichtig, dass man die Bahn kennt und weiß, wann welche Kurve kommt.

IK: Da haben Sie ja in Wolfsburg als frischgebackener Stadtmeister so etwas wie einen Heimvorteil ...

Peesel: Das kann man in der Tat so sagen, ja.

IK: Ihr Ziel am 11. Dezember?

Peesel: Ich möchte aufs Treppchen. Aber man ist dann nicht enttäuscht, wenn es nicht klappt – der Spaß steht im Vordergrund.

IK: Ihr härtester Gegner?

Peesel: Andreas Köhnke, der Vorjahressieger.

IK: Sie studieren in Mosbach Wirtschaftsingenieurwesen. Damit nehmen Sie weite Anfahrten zu den Wettbewerben in Norddeutschland in Kauf.

Peesel: Das ist richtig. Letztes Jahr war die deutsche Meisterschaft in Scharbeutz, da fährt man schon mal 700 Kilometer. Überhaupt ist Norddeutschland so etwas wie die Rutsch-Hochburg. Eine Landesmeisterschaft wie bei uns in Niedersachsen gibt es nicht in jedem Bundesland. Und das Wolfsburger Badeland ist hinsichtlich der Rutschwettbewerbe sehr aktiv und startet mit Scharbeutz zusammen die größten Events.

IK: Können Sie die Spitze der Bahnrutscher beschreiben? Ist das eine eher übersichtliche Szene, in der man sich gut kennt?

Peesel: Ja, durchaus. Es sind zirka 30 bundesweit, die diesen Sport etwas ernsthafter betreiben. Der größte Teil, rund 20 Leute, kommt aus Norddeutschland.

IK: Spitzen-Rutscher wie Sie schaffen Bahnen, die von Experten mit 20 Sekunden „Abfahrtzeit“ angegeben werden, mitunter in 17 Sekunden. Welche Technik wenden Sie an?

Peesel: Man versucht, auf nur einem Hacken zu rutschen, schlägt also die die Beine übereinander. Die Arme kommen hinter den Kopf, und das Gesäß wird hochgedrückt, so dass der Oberkörper nur auf den Schulterblättern liegt.

IK: Ist das beim Rutschen nicht schmerzhaft?

Peesel: Das kann es mitunter schon sein. Eine Frau hat sich leider sogar mal das Schlüsselbein gebrochen – wir reden über Geschwindigkeiten von 35 bis 40 Stundenkilometer. Zum Glück sind die neueren Rutschen meist fugenlos. Ansonsten kann es schon mal zu aufgescheuerten Schulterblättern kommen, da haben Sie Recht. Das macht dann keinen Spaß.

IK: Gibt es auch bestimmte Hilfsmittel, um schneller zu werden?

Peesel: Eincremen würde natürlich helfen, falls Sie das meinen. Ist aber verboten.

IK: Und Tuning durch die richtige Kleidung?

Peesel: Tuning durch möglichst wenig Kleidung. Haut hat weniger Reibung als die Badehose. Man klemmt sich die knappe Speedo-Badehose zwischen die Pobacken, wie einen Tanga. Es gibt einen Rutscher aus der Nähe von Hamburg, der beim Training in seinem Bad seine besten Zeiten nackt rutscht. Das ist aber beim Wettbewerb natürlich nicht erlaubt ...

Von Holger Boden

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