Wittinger Tafel besteht seit zehn Jahren – und bedauert selbst, dass sie für 1300 Kunden nötig ist

Eigentlich kein Grund zum Feiern

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Laura Osterloh-Gailliaert (l.) mit einem Teil ihres ehrenamtlichen Tafel-Teams.

Wittingen. Seit zehn Jahren besteht die Wittinger Tafel – das war jetzt Anlass, das Wirken des Vereins mit seinen rund 30 ehrenamtlichen Helfern in einer Feierstunde zu würdigen.

Eine illustre Reihe von Gästen aus Politik und Gesellschaft kam dafür im Stephanushaus zusammen.

Das Publikum im Stephanushaus lauscht den Beiträgen der Redner.

Die Vorsitzende Laura Osterloh-Gailliaert bemerkte in ihrer Begrüßung, dass der Anlass eher kein Grund zum Feiern sei, da die Tafel vor zehn Jahren einmal mit der Versorgung von 150 bis 200 Bedürftigen angefangen habe und heute mehr als 1300 Menschen aus Wittingen, Hankensbüttel, Brome, Wesendorf und der Altmark mit Lebensmitteln versorge. Sie hinterfragte, wie es angehen könne, dass in einem so reichen Land so viele Menschen nicht satt zu essen bekommen.

Die Vorsitzende, die seit 2009 die Wittinger Tafel leitet, erinnerte an die „Kämpfe“, die geführt werden mussten, um Transportmöglichkeiten und Räumlichkeiten zu beschaffen und immer wieder Geld zu akquirieren. Wiederholt seien dem Verein Knüppel zwischen die Beine geworfen worden – Osterloh-Gailliaert monierte, dass in Wittingen das Wort die Runde gemacht habe, dass man keine Tafel brauche, und dass somit die Not vieler Bürger „einfach ignoriert“ werde.

Enttäuscht zeigte sich Osterloh-Gailliaert von der Entwicklung in Hankensbüttel, wo eine Ausgabestelle eingerichtet werden soll, zu deren geplantem Standort von der Gemeinde nun aber eine Absage kam (das IK berichtete). Dafür werde sie weiterkämpfen, betonte die Vorsitzende und dankte ihrem Team, der Stadt Wittingen und vielen anderen Institutionen, die die Tafel unterstützen.

Der stellvertretende Landrat Siegfried Weiß sagte, es sei „schlimm genug“, dass es hier eine Tafel geben müsse, „und dass wir uns in unserem reichen Land mit einer solchen Problematik zu beschäftigen haben“. Wittingens Stadtbürgermeister Karl Ridder betonte ebenfalls, dass man sich Gedanken darüber machen müsse, warum es in diesem Land derartige Einrichtungen geben muss. Der Rathauschef zeigte sich beeindruckt von der Leistung der Wittinger Tafel, die einen Bereich beliefere, der größer als der Landkreis Peine sei.

Anschließend wurde den Gästen eine Filmdokumentation der Medienwerkstatt Isenhagener Land gezeigt, bei der noch einmal Laura Osterloh-Gailliaert, Josef Meister und Vera Krzykowski-Maler zu Wort kamen und die zehn Jahre der Wittinger Tafel Revue passieren ließen. Zudem hatte die Medienwerkstatt die Tafel einen ganzen Tag begleitet. Dabei wurden die Arbeiten von der Zusammenstellung der Ausgabeportionen über die Anlieferung besonderer Lebensmittel bis hin zur Auslieferung an Bedürftige, die nicht mehr mobil sind, in Bild und Ton festgehalten.

Auch die Gründungsvorsitzende Frieda May meldete sich zu Wort und gratulierte den heutigen Verantwortlichen mit rührenden Worten. Die kleine Feierstunde wurde von Claudia und Martin Kasprzyck musikalisch klangvoll umrahmt und trug zum Gelingen der Feierstunde bei.

Von Hans-Jürgen Ollech

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