Echte Perspektive in Radenbeck

Flüchtling aus der Elfenbeinküste absolviert bei Firma Speckhahn eine Ausbildung

Inhaber Bernd Speckhahn (l.) und Geschäftsführer Sebastian Speckhahn freuen sich über die Leistungsbereitschaft von Yaya Ouattara, der als Flüchtling eine Ausbildung in ihrem Betrieb absolviert.
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Inhaber Bernd Speckhahn (l.) und Geschäftsführer Sebastian Speckhahn freuen sich über die Leistungsbereitschaft von Yaya Ouattara, der als Flüchtling eine Ausbildung in ihrem Betrieb absolviert.
  • Holger Boden
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Radenbeck. Yaya Ouattara hat gerade seine erste Klassenarbeit in Werkstoffkunde geschrieben – eine 1, die beste Arbeit der Klasse. Das macht nicht nur den 28-Jährigen aus der Elfenbeinküste stolz, das freut auch Sebastian Speckhahn.

Der Geschäftsführer des gleichnamigen Radenbecker Stahl- und Maschinenbaubetriebs hält große Stücke auf seinen neuen Auszubildenden, der seit dem 1.  September bei HSR Speckhahn das Handwerk des Zerspanungsmechanikers lernt.

Nach zwei Monaten sieht es so aus, als finde hier in Radenbeck das statt, was viele in Politik und Wirtschaft sich erhoffen: Dass Flüchtlinge den Schritt in den Arbeitsmarkt schaffen, und dass Firmen auf diese Weise erfolgreich neue Wege bei der Suche nach Nachwuchskräften gehen können.

Ouattara ist in der ivorischen Stadt Ferkessedougou aufgewachsen. Als er beim Bürgerkrieg seine Eltern verlor, beschloss er zu fliehen. 2011 landete er zunächst in Mali. Drei Jahre später ging es für ihn weiter – per Pkw durch die Wüste nach Libyen. Von Tripolis gelangte er über das Mittelmeer nach Sizilien, kam in eine Aufnahmestation für Flüchtlinge und wurde 2016 in ein Asylbewerberheim nach Osnabrück gebracht.

Von dort kam er in eine Flüchtlingsunterkunft in Knesebeck. Heute wohnt er in Wittingen und hat eine deutsche Freundin. Zusammen machten sich beide auf die Suche nach einer technisch-handwerklichen Ausbildung für den 28-Jährigen. Bei HSR Speckhahn wurden sie fündig.

„Nachdem Yaya ein Praktikum bei uns absolviert hat, waren wir davon überzeugt, dass er den nötigen Biss hat, sich in die technischen Fragestellungen reinzudenken“, berichtet Inhaber Bernd Speckhahn. Nun läuft die auf dreieinhalb Jahre angelegte Ausbildung.

Und die gefällt dem Ivorer sehr gut, wie Sebastian Speckhahn berichtet. Der Geschäftsführer lobt Ouattaras Herangehensweise: „Er ist immer pünktlich und sehr interessiert, er fragt viel nach.“ Freilich gebe es in sprachlicher Hinsicht noch Nachholbedarf, Ouattara verstehe aber schon recht viel. In der BBS II in Gifhorn werde extra Deutschunterricht angeboten, und auch die Integration klappe gut: „Er hat dort Freunde gefunden.“

Schade findet Sebastian Speckhahn es, dass behördlicherseits in diesem speziellen Fall wenig Unterstützung zu bekommen gewesen sei: Eine Anfrage nach Fördermöglichkeiten sei beim Landkreis wie auch bei der Agentur für Arbeit ergebnislos verlaufen: „Wir haben den ganzen Tag herumtelefoniert. Keine Behörde konnte uns weiterhelfen und war zuständig.“

Nicht zuletzt aufgrund der noch vorhandenen Sprachdefizite bedeutet die Ausbildung für den Betrieb einen Mehraufwand, daraus macht Sebastian Speckhahn keinen Hehl. Doch von einer Förderung mache man Ouattaras Beschäftigung nicht abhängig. Das Familienunternehmen sehe bei dem 28-Jährigen eine „echte Perspektive“, auch für eine Weiterbeschäftigung.

Ouattara müsste dann auch nicht ausreisen. Sein Ziel hat der 28-Jährige fest vor Augen – er möchte bei Speckhahn einmal einer der besten Dreher werden.

Von Holger Boden

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