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Drastischer Lehrermangel an Wittinger Grundschulen

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Von: Holger Boden

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Auf einer Schultafel steht, dass die ersten beiden Stunden ausfallen.
Stell dir vor, es ist Schule, und niemand steht vorn: An den Wittinger Grundschulen ist der vielzitierte Lehrermangel immer stärker zu spüren und sorgt für Probleme. © Caroline Seidel / dpa

Wittingen – Die Wittinger Grundschulen schlagen Alarm – und die städtische Politik hört hin, kann aber nichts machen: Der Lehrermangel schlägt voll auf die drei Einrichtungen in Wittingen, Knesebeck und Radenbeck durch, die Unterrichtsversorgung ist offenbar historisch schlecht.

Das ging aus den Berichten der Schulleitungen hervor, die am Mittwochabend in der Stadthalle dem Schulausschuss vorgelegt wurden. Die Grundschule Wittingen meldete da eine Unterrichtsversorgung von 78,3 Prozent. In Knesebeck wird der Wert auf 85,6 Prozent beziffert, die Radenbecker Schule sieht sich bei 81,24 Prozent.

100 Prozent wären ein Wert, der in den letzten Jahren ohnehin Seltenheitswert hatte, aber eine Versorgung um die 95 Prozent wurde meist als üblich angesehen. Da liegt man derzeit deutlich drunter.

Und Besserung ist kaum in Sicht. So berichtete etwa die Knesebecker Schulleiterin Annett Rietz von Stellenausschreibungen, auf die es keine Resonanz gibt. Sie muss nun auf Abordnungen von anderen Schulen hoffen.

An der Grundschule Radenbeck ist derzeit die Stelle der Schulleiterin nicht besetzt, nachdem Sylvia Loesche nach Wittingen gewechselt ist und dort die Leitung übernommen hat. Eine Nachfolgerin wurde gesucht, aber nicht gefunden, nun soll die Stelle zum Halbjahr erneut ausgeschrieben werden. Vorerst übernimmt Christina von Weyhe die Leitung kommissarisch.

Für die Wittinger Grundschule berichtete Loesche, dass derzeit noch nicht der Stundenplan für den Vormittag sichergestellt ist. Man denke darüber nach, Pflichtstunden oder den Ganztag zu kürzen. Loesche: „Wir haben einfach kein Personal.“

Der Ausschussvorsitzende Hermann Lahmann (CDU) nannte die Situation „erschreckend“. Er könne sich an keine schlechtere Unterrichtsversorgung erinnern. Ralf Beyer (Grüne) stimmte dem zu und nannte die Lage „sehr, sehr dramatisch“. Der Erpensener ist selbst Lehrer an der IGS und sagte im Namen seines Berufsstands: „Wir gehen alle auf dem Zahnfleisch. Es fehlen Lehrer an allen Ecken und Enden.“

Den Arbeitsmarkt für Lehrkräfte kann die Stadt nicht beeinflussen, deshalb wird inzwischen mit niederschwelligen Maßnahmen versucht, für Entlastung zu sorgen. Einstimmig befürwortete der Schulausschuss einen Antrag der Grundschulen, in jeder der drei Einrichtungen ab dem Schuljahr 2023/24 eine FSJ-Stelle einzurichten. Dabei geht es im Prinzip um junge Hilfskräfte, die Soforthilfe durch Übernahme einfacher Aufgaben bieten sollen, für die man nicht Lehramt studiert haben muss. Gleichzeitig, so die Hoffnung, soll so auch Nachwuchs für den Lehrerberuf interessiert werden.

Der Antrag war schon am 12. Mai gestellt worden. Eckhard Meyer (BA) sprach sich dafür aus, die Stellen sofort einzurichten, doch Abteilungsleiterin Helene Rausch erläuterte, dass ein freiwilliges soziales Jahr mit begleitenden Seminaren organisatorisch ans Schuljahr geknüpft ist. Ein Einstieg mittendrin sei „suboptimal“.

9000 Euro soll eine FSJ-Stelle pro Jahr kosten, und in der CDU hatte man etwas Bauchschmerzen, weil das Personal und dessen Bezahlung doch eigentlich Landessache sei, wie Joern Wolter zu bedenken gab. Am Ende votierte der Ausschuss aber einstimmig für den Antrag. Das Geld soll nun wohl aus den Schulbudgets kommen, auch wenn Loesche das gern anders gesehen hätte: „Das Budget wird nicht ausreichen, ich plädiere für zusätzliches Geld.“ Mit der Sache wird sich noch der Verwaltungsausschuss befassen.

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