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Drahtseilakt für Gaststätten im Wittinger Stadtgebiet

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Von: Pascal Patrick Pfaff

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Ein Teller wird in Gaststätte serviert. Das Gastgewerbe leidet unter Personalnot, Gas- und Energiekrise sowie hohen Lebensmittelkosten
Die Gas- und Energiekrise hat im Wittinger Gastro-Gewerbe Spuren hinterlassen. Über ihre Probleme haben jetzt Lokal-Inhaberinnen und -Inhaber aus Schneflingen, Gannerwinkel und Glüsingen gesprochen. © Jens Kalaene

Schneflingen/Gannerwinkel/Glüsingen – Die gegenwärtige gesamtgesellschaftliche Situation ist geprägt von Gas- und Energiekrise, erhöhten Lebensmittelpreisen und Corona-Folgen. Dinge, mit denen auch hiesige Gastronomie-Betriebe zu tun haben. Das IK hat bei einigen von ihnen nachgefragt: Wie gehen die Unternehmen aus dem Wittinger Stadtgebiet mit gestiegenen Kosten um? Was haben Gäste zu erwarten?

Warme Gäste-Räume

„Wir haben zwei Mal in der Woche auf – freitags, samstags oder sonntags. Wenn Gäste im Lokal sind, dann heize ich derzeit schon auf 22 Grad.“ Peter Lindwor von der Schneflinger Gaststätte „Zum Dorfkrug“ nutzt dafür Flüssiggas – und er möchte, dass es die Menschen bei ihm warm haben. „Wenn sie uns verlassen, drehe ich die Heizung jedoch wieder runter.“

Dasselbe Vorgehen bei den Übernachtungsgästen: Momentan seien dies Arbeiter, die auf Montage sind. „Sie verlegen Glasfaserkabel und wollen nach Feierabend in ihrem Zimmer nicht frieren“, so Lindwor, der ein Auge auf den Gas- und Stromverbrauch hat und die Heizung auf Stufe 2 reguliert, wenn die Arbeiter nicht im Haus sind. „Ich kontrolliere auch öfter, ob das Licht ausgeschaltet ist.“

Trotz allem hält Lindwor seine Preise konstant – ob in der Gaststätte oder den Zimmern. „Es sind dieselben wie vor den Krisen.“ Es gehe ihm darum, seine Gäste zu halten – auch mittels bewährter deutscher Küche: „Die Leute sehen das. Zum Beispiel werden sie von knuspriger Ente angezogen.“

Mitunter so sehr, dass so mancher Gast bereits vorbucht. Für die anstehenden Konfirmationen, Ostern und einige Geburtstage sei dies der Fall, zeigt sich Lindwor zufrieden. Indes wird die Gaststätte „Zum Dorfkrug“ wohl nicht mehr lange in seiner Hand sein. Der Betreiber möchte sie verkaufen, hat aber noch keinen Nachfolger. „Es ist schwierig, Interessenten zu finden.“

Astrid Schulze hält dagegen an ihrem Gasthaus in Gannerwinkel fest. Die Krisenzeit habe zwar viele Herausforderungen mit sich gebracht, doch die will die Inhaberin annehmen. „Wir werden das Beste aus der Situation machen. Mit unseren Fachkräften haben wir gute Voraussetzungen, um die Gäste zu verwöhnen.“

Anpassung der Preise

Die Menschen kämen unter anderem wegen der Büffets, der mehrgängigen Menus oder der Möglichkeit, Familienfeste feiern zu können. Dass dies alles aber nicht mehr zu den selben Konditionen wie früher zu organisieren sei, liege an der allgemeinen Krisensituation. „Gas, Strom, Lebensmittel, Personalkosten: Alles ist teurer geworden. Wir waren daher in 2022 gezwungen, die Preise anzupassen“, sagt Schulze.

Und die Inhaberin des Gasthauses versetzt sich in ihre Kunden. „Bei den hohen Energiepreisnachzahlungen überlegen sich die Leute, ob sie essen gehen oder nicht.“ Es gehe folglich darum, die Gäste mit einem gezielten Angebot anzusprechen, das für „jeden Anlass den richtigen Rahmen bietet und Geschmack trifft“.

Dass die Buchungssituation angesichts der Krisenlage schwierig ist, musste Schulze indes schon beobachten: „Es zeichnet sich eine Reduktion der Gäste ab. Manche Feste hatten mal 100 Besucher, jetzt aber nur noch 50.“ 20 Personen brauche es indes mindestens für eine private Veranstaltung, um rentabel zu sein. 30 dagegen für ein Themenbüffet.

Kampf um den Erhalt

Für Silvia Lück vom Gasthaus Kluge aus Glüsingen ist zuletzt die Laufkundschaft weggefallen, wie sie es nennt. Aus demselben Grund, den auch Schulze benennt: „Die Leute verdienen trotz Mehrbelastungen nicht mehr Geld. Sie kommen dann auch nicht.“ Für Lück eine schwierige Lage, deren Entwicklung sie nicht vorhersagen kann: „Entweder überlebe ich oder mache zu.“ Sie wolle jedenfalls kämpfen, macht nach einer Pause ihre Gaststätte am kommenden Dienstag wieder auf. Und es gibt Hoffnung: Hat Lück nach eigener Aussage doch schon Buchungen vorliegen.

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