Nun doch: Hort soll kommen

Als Hort-Standort ist die Grundschule vorgesehen. Foto: Boden

Knesebeck. Der bisherige Verlauf der Diskussion war geeignet, den Eindruck zu erwecken, dass es mit einem Hort in Knesebeck nichts wird. Unter Eltern im Ort machte sich in den letzten Tagen schon Frustration breit. Die Spitzen der beiden Regierungsfraktionen im Stadtrat, Hans-Heinrich Koch (SPD) und Dr. Thomas Weiland (FWG), sind diesem Eindruck nun entgegen getreten: Man wolle die Einrichtung eines Hortes in Knesebeck anschieben und nach den Sommerferien „zügig“ realisieren. „Das Projekt ist nicht in der Warteschleife“, betont Weiland.

Knesebecker Eltern hatten die neue Betreuungsmöglichkeit gefordert, weil in vielen Fällen beide Ehepartner berufstätig sind und Großeltern nicht vor Ort wohnen. Mit einer Umfrage hatten sie dokumentiert, dass schon jetzt ein Bedarf an 36 Plätzen bestünde, der im kommenden Schuljahr auf 54 anwächst. 2012/2013 sollen es sogar 62 Kinder sein, die eine Nachmittagsbetreuung brauchen.

In der Politik hatte es Hoffnungen gegeben, den Wünschen durch eine Ganztagsschule gerecht werden zu können. Allerdings: Eltern hatten dies wegen mangelnder Ferienbetreuung als „zweitbeste“ Lösung bezeichnet. In der Stadtverwaltung gab es daher Überlegungen, wie mit Mitteln der Jugendförderung eine Betreuung in den Ferien geschaffen werden könnte, die das Ganztagsschul-Angebot ergänzt.

Ein solches Konzept steht laut Koch mittlerweile, doch inzwischen ist nach seinen Angaben ohnehin klar: Eine Ganztagsschule wird von der Grundschule nicht mitgetragen. Der SPD-Fraktionschef bedauert das: „Für die Eltern würde dies die geringste finanzielle Belastung bedeuten.“

Für die Finanzierung einer Ganztagsschule wäre in erster Linie das Land Niedersachsen gefordert. Ein Hort hingegen kommt nicht nur die Eltern, sondern auch die Stadt teurer. „Wir wollen da dran bleiben“, sagt Koch deshalb über die Bemühungen um eine Ganztagssschule. Eine alleinerziehende Mutter solle sich die Nachmittagsbetreuung für ihr Kind ebenso leisten können wie ein Doppelverdiener-Haushalt.

Man wolle den Eltern aber „schnell helfen“, so Weiland, daher nun der Anlauf für einen Hort. Beschlossen werden könnte das Ganze in der nächsten Sitzung des Verwaltungsausschusses, die für den 16. Juni terminiert ist.

Offen ist noch, wie viel Geld die Stadt zuschießen will. Eine Gebührenberechnung auf Grundlage der Kita-Beiträge hat einen jährlichen Zuschussbedarf von 40 000 Euro ergeben. Das hält man bei SPD und FWG für zu viel: „Wir wollen den Zuschuss auf 20 000 Euro deckeln“, sagt Weiland, betont aber auch: „Es ist Teil unserer Philosophie, in diesem Bereich auch mal Geld in die Hand zu nehmen, sofern es machbar ist.“

Das Gebührensystem solle, so Koch, sozialen Gesichtspunkten Rechnung tragen. Die Gebühren für die Eltern werden dennoch höher ausfallen als im Kita-Bereich, was Koch und Weiland allerdings auch für gerechtfertigt halten: „Es ist eine andere Art von Betreuung“, sagt Koch. Hinzu kommt: Für die Stadt sind Kita-Plätze Pflicht, ein Hort ist die Kür.

Auch die CDU will nach Angaben ihres Fraktionsvorsitzenden Walter Schulze einen Hort mittragen: „Es muss auf jeden Fall was passieren, der Bedarf ist da“, sagt Schulze. Und: „Wir müssen etwas für die kinderfreundliche Stadt Wittingen tun.“ Für die CDU sei aber ebenfalls klar, dass die Gebühren höher liegen müssten als für den Kindergarten.

Als „enttäuschend“ betrachtet Schulze die Ablehnung einer Ganztagsschule durch die Schule selbst. „Da müssen wir mit der Schule noch mal ins Gespräch kommen.“ Ein Modell aus Ganztagsangebot und städtischer Ergänzungsbetreuung halte man bei der CDU eigentlich für das Beste.

Von Holger Boden

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