Die ersten Tage nach dem Neustart

IGS und Oberschule in Wittingen: „Diese Schüler haben ein Ziel“

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Schule in Corona-Zeiten: ein Teil der 9a der IGS am Mittwoch beim Unterricht; Richtungspfeile zur Vermeidung zu enger Begegnungen; Aushang am WC; Schulleiter Stefan Krauß und die pädagogische Leiterin Heike Hartmann in der Lehrerstation, wo auch auf Abstand der Tische geachtet wird; abgedeckter Tischkicker.

Wittingen – Die Atmosphäre im Wittinger Schulzentrum an der Spittastraße ist derzeit ein bisschen unwirklich: In dem Gebäudekomplex, der sonst von mehreren hundert Schülern bevölkert wird, ist es auch nach dem Neustart sehr still.

Schwarz-gelbe Pfeile auf Gängen und Treppen, hier und da rot-weißes Absperrband. Irgendwo hinter der Stille – links, Treppe hoch, rechts – ist Leben, eine Schulklasse beim Unterricht.

Eine halbe Schulklasse, genauer gesagt. Anders geht es derzeit nicht, wenn die Abstandsregeln eingehalten werden sollen.

25 Neuntklässler der IGS sind derzeit wieder im Haus, dazu pro Tag etwa die Hälfte der 98 Zehntklässler der Oberschule. Auf den Fluren sollen die Pfeile für Begegnungen mit Abstand sorgen, teilweise gelten „Einbahnstraßenregelungen“. Bei den WCs soll man einzeln eintreten, eine Aufsicht wacht über die Einhaltung dieser Regel. Die Schüler sind zum häufigen Händewaschen angehalten. Verlassen sie in der Pause den Klassenraum, dann rücken Reinigungskräfte ein, die die Tische desinfizieren. Nicht genutzte Tische sind beiseitegeschoben und abgedeckt, um unnötigen Mehraufwand zu vermeiden.

Klappt das alles? Nach den ersten drei Tagen hat man in der Schulleitung das Gefühl, dass es funktioniert. „Wir haben noch einmal das Bewusstsein der Schüler für die neue Situation geschärft“, sagt die pädagogische Leiterin Heike Hartmann. Die Jugendlichen, so ihr Eindruck, setzen die neue Achtsamkeit durchaus gut um.

Die Schule ist wieder angelaufen, doch die Zeit, die Schüler und Lehrer in dieser Phase eines hybriden Präsenz- und Online-Unterrichts mit einander verbringen, ist knapper und damit kostbarer. Machen die Schüler gut mit? Ja, sagt Schulleiter Stefan Krauß: „Diese Schüler peilen eine Prüfung an, sie haben ein Ziel.“

Noch sind alle Beteiligten dabei, sich unter den neuen Gegebenheiten einzuspielen. Zu den Fragen, die geklärt werden müssen, gehört auch die, ob jeder Schüler zu Hause ein geeignetes Endgerät für den digitalen Unterricht hat. Nicht in allen Fällen ist bisher die Antwort positiv ausgefallen. Die Schule selbst hat keine Leihgeräte, doch Krauß und sein Team versuchen, Lösungen zu finden. Da wird dann auch schon mal im Kollegium herumgefragt, ob nicht noch jemand einen Laptop zu Hause übrig hat.

Ein Mundschutz muss im Unterricht selbst nicht getragen werden, das gilt auch für die Oberschule und die ihr angegliederte Grundschule, die am Montag mit Klasse 4 startet. Im Bus ist eine Maske Pflicht, in den Pausen soll sie ebenfalls getragen werden.

Auch die Oberschule setzt die Hygieneregeln um, auch in ihren Unterrichtsräumen wird in der Pause gereinigt. Schulleiter Georg Ebener sieht bisher, dass die neuen Abläufe funktionieren: „Ich kenne keine gegenteilige Rückmeldung.“

An der Oberschule liegt der Fokus auf den anstehenden Abschlussprüfungen. Mathe, Deutsch und Englisch stehen deshalb auf dem Stundenplan ganz oben. Ihre Abschlusszeugnisse werden die Zehntklässler dann im Frühsommer voraussichtlich mit der Post erhalten: „Wir können keine Abschlussfeier machen“, sagt Ebener, „das ist untersagt.“ Für die Schüler wie auch für die Oberschule (es ist ihr letzter Jahrgang!) eine traurige Situation. Ihre geplante Fahrt nach Barcelona haben die Absolventen auch schon absagen müssen.

VON HOLGER BODEN

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