Arbeitskreis aufgelöst

Streit um Wittinger Bauland

Baugebiet in Ummendorf
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Streit um mögliches Bauland in Wittingen.
  • Holger Boden
    vonHolger Boden
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Wittingen – Die Suche nach Bauland in der Stadt Wittingen ist zum Politikum geworden. Stadtbürgermeister Andreas Ritter hat den städtischen Arbeitskreis, der sich mit diesem Thema beschäftigte, aufgelöst. Auslöser war die Tatsache, dass Ortsbürgermeister Matthias Rönneberg (BA) am 6. März im IK eine potenzielle Bauland-Fläche am westlichen Ortsrand präsentierte.

„So funktioniert das nicht“, meint Ritter zu Rönnebergs Vorstoß. „Dieses Vorpreschen ist nicht förderlich.“ Die Vereinbarung sei gewesen, fraktionsübergreifend im Arbeitskreis Lösungen zu erarbeiten. Er erwarte, dass mit den Inhalten, die dort besprochen werden, auch vertraulich umgegangen wird.

Rönneberg selbst sagt, er sei „sprachlos und entsetzt“ darüber, dass „etwas Positives nicht publik gemacht werden soll“: „Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Ich habe keinen Preis genannt, ich habe nur gesagt, dass die drei Besitzer der Grundstücke verkaufsbereit sind.“ Aus dem Rathaus seien zuvor in Sachen Baulandsuche nur Negativ-Meldungen gekommen.

Ritter stört sich derweil auch daran, dass Rönneberg angedeutet hatte, dass der Arbeitskreis (in dem neben der Verwaltung Vertreter der Ratsfraktionen saßen) in seinen Augen zu wenig bringe. In der konkreten Sache sei es zudem wenig zielführend, Grundstücke als potenzielles neues Baugebiet zu präsentieren, über deren Eignung noch gar nicht gesprochen worden sei: Es muss ja städtebaulich auch Sinn machen.“

Rönneberg bleibt derweil bei seiner Haltung mit Blick auf den Arbeitskreis: „Ich habe das Gefühl, dass sich nichts bewegt. Und wenn wir hier in Wittingen nichts mehr bewegen können oder wollen, dann wird mir persönlich schlecht.“

Unterstützung bekommt Rönneberg aus den Reihen der Grünen. Deren Sprecher Christian Schroeder hat in einer Mail an „Kolleginnen und Kollegen“ aus der Stadtpolitik geschrieben, er verstehe „die ganze Aufregung nicht“. Es sei legitim, dass der Ortsbürgermeister seiner Forderung Nachdruck verleiht, das würden „andere genauso“ machen: „Da sollten und können wir alle gut mit umgehen.“ Er persönlich bedauere, dass die Gespräche nun vorerst ohne die Politik geführt werden sollen, und er erwarte entsprechend regelmäßige Informationen der Verwaltung zum Stand der Dinge. An den Stadtbürgermeister gerichtet, schreibt Schroeder: „Bitte nimm die Fraktionen mit.“

FWG-Fraktionschef Dr. Thomas Weiland springt hingegen dem Rathauschef zur Seite: „Matthias Rönneberg hätte die Informationen aus den Gesprächen mit den Eigentümern in den Arbeitskreis zurücktragen müssen. Sonst torpediert man die Bemühungen – wenn man das alles öffentlich diskutiert, dann geht es los mit der Preisspirale.“ Wer in einem Gremium mitarbeite, solle diesem „eine gewisse Loyalität“ entgegenbringen. Weiland teilt auch Ritters Auffassung zum generellen Vorgehen bei der Akquise von Bauland: „Wir können nicht die städtebauliche Entwicklung danach richten, wer gerade verkaufen will.“ Es sei im konkreten Fall fraglich, ob die Ausweisung neuer Flächen am Westrand das richtige Signal sei, wenn nicht weit davon künftig die A 39 verläuft.

Rönneberg sagt derweil, er habe aus der Bevölkerung nur positive Rückmeldungen zu den Flächen an der Lessingstraße bekommen. Und er finde es fragwürdig, dass als Reaktion auf seinen Schritt an die Öffentlichkeit der Arbeitskreis aufgelöst wird: „Dessen Arbeit betrifft ja noch 24 weitere Orte.“

Ritter sagt dazu, er selbst habe seinerzeit den Arbeitskreis einberufen, der Impuls dafür sei nicht aus der Politik gekommen. Er habe aber vertrauensvoll arbeiten wollen, das gehe offenbar nicht. Am Thema selbst werde das Rathaus weiterhin arbeiten und die Politik darüber informieren, das sei selbstverständlich: „Es gibt Ortstermine und Gespräche, es gibt Fortschritte. Wir sind an der Sache dran.“

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