Beim Anschluss der schwarzen Flecken dürfte es spannend werden

Wittingen: Die Sache mit der 60-Prozent-Hürde

Glasfaser-Ausbau in Niedersachsen – derzeit hoffen Bürger in praktisch jedem Ort der Stadt Wittingen, dass auch sie zum Zuge kommen.
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Glasfaser-Ausbau in Niedersachsen – derzeit hoffen Bürger in praktisch jedem Ort der Stadt Wittingen, dass auch sie zum Zuge kommen.
  • Holger Boden
    vonHolger Boden
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Während die Arbeiten für den Breitband-Anschluss der weißen Flecken laufen, wird in Wittingen derzeit vor allem über den nächsten Schritt bei der Glasfaser-Versorgung diskutiert: die Anbindung der schwarzen Flecken.

Wittingen – Für die gibt es, anders als bei den offiziell unterversorgten Gebieten, keine staatliche Förderung – das wäre Wettbewerbsverzerrung. Daher könnte es in manchen Orten, die derzeit über 30 MBit/s liegen, zum Kraftakt werden, das Giffinet-Kabel ins Dorf zu holen.

Ganz zu schweigen von Orten, die dafür gar nicht vorgesehen sind, weil das Unternehmen net services einen eigenwirtschaftlichen Ausbau als unrentabel bewertet. Das trifft im Stadtgebiet Rade, Ohrdorf und Suderwittingen. Der Kreistagsabgeordnete Walter Schulze (CDU) hat deshalb einen Vorstoß auf den Weg gebracht, wonach der Landkreis hier seine Ausgleichsfunktion wahrnehmen solle. Kreistagsmitglied Friedrich Lührs (FDP) hat dafür Unterstützung signalisiert und ein gemeinsames Vorgehen der Nordkreis-Abgeordneten angeregt.

Christian Schroeder (Grüne), der als Kreistagsabgeordneter dem Wirtschaftsausschuss vorsitzt, hat jetzt betont, dass es nicht um den Einsatz finanzieller Mittel aus dem Kreishaushalt gehen könne. Er unterstütze Schulzes Anliegen grundsätzlich, sagte Schroeder. Im Wirtschaftsausschuss sei seitens der Verwaltung jedoch erläutert worden, dass der Landkreis bei den schwarzen Flecken ein Mitwirkungsverbot habe. Mitbewerber von Giffinet könnten sonst Wettbewerbsverzerrung geltend machen. Analog gelte dies vermutlich auch für die Stadt Wittingen. Die Frage sei, ob die Kommune eventuell eine vertragliche Regelung durchsetzen kann, die auch die drei betroffenen Orte ans Breitband-Netz bringt. Freilich sei eine damit verbundene „Alles-oder-nichts“-Taktik nicht ohne Tücken.

Ohnehin schwant bereits vielen Ortsvorstehern von Dörfern, die beim Schwarze-Flecken-Ausbau berücksichtigt werden können, dass es nicht leicht werden dürfte, die Hürde von 60 Prozent Beteiligung zu meistern. Das ist von Giffinet als Bedingung für einen lohnenden eigenwirtschaftlichen Ausbau genannt worden.

„Das ist eine Herausforderung“, sagt etwa Karl-Heinz Brandes (CDU), Ortsbürgermeister von Radenbeck. Angesichts der Altersstruktur in vielen Orten werde es nötig sein, viel Überzeugungsarbeit zu leisten, damit auch jene Bürger einen Glasfaseranschluss buchen, die vielleicht keinen unmittelbaren Bedarf sehen.

Der Blick müsse dabei in die Zukunft gehen. In Radenbeck habe man derzeit 45 bis 60 MBit/s: „Da kann man mit arbeiten“, sagt Brandes. „Aber das kann in fünf Jahren anders aussehen.“ Und ein Breitbandanschluss bestimme mit über den künftigen Wert einer Immobilie. Im Ortsrat habe man das bereits thematisiert, man werde wohl viele Haustürgespräche führen – zumal es mit Dorfversammlungen ja vorerst ohnehin schwierig wird.

Auch Stadtbürgermeister Andreas Ritter hält 60 Prozent für „eine Hausnummer“. Eine direkte Förderung durch die Stadt hält auch er für problematisch, schon aus Gleichbehandlungsgründen. Was sei denn beispielsweise, wenn man Ohrdorf finanziell zum Anschluss verhilft, gleichzeitig aber ein anderer Ort an der 60-Prozent-Hürde scheitert? Man werde viele Gespräche zu dem Thema führen, sagt Ritter – der sich als Königsweg neue Fördermittel erhofft, die in einigen Jahren vielleicht auch für jetzt noch ausreichend versorgte Orte fließen könnten.

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