Schiffsverkehr gestern nach fünftägiger Zwangspause wieder freigegeben

Dichtung sorgt für leeren Elbe-Seitenkanal

Warten auf die „Reisewelle“ aus Lüneburg: Von der Wittinger Kanalbrücke aus war gestern Mittag noch kein Schiff in Sicht. Foto: Boden

bo Wittingen/Lüneburg. Aufmerksame Angler und Jogger werden die Stille auf dem Wasser registriert haben: Seit Freitag letzter Woche war der Elbe-Seitenkanal für den Schiffsverkehr voll gesperrt – Ursache war ein Dichtungsschaden am Schiffshebewerk Scharnebeck.

Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Uelzen teilte gestern mit, dass die Wasserstraße nun wieder befahrbar ist.

Durch den Defekt an der umlaufenden Dichtung eines Trog-Endes kam es zu Wasserverlusten in dem 38 Meter hohen Schiffsfahrstuhl. Nach Angaben des WSA hatten sich wegen der Vollsperrung bis gestern Mittag 76 Schiffe am Kanal gestaut. Nur Wasserfahrzeuge mit geringem Tiefgang konnten über die Elbe ausweichen. Der zuständige Sachbereichsleiter Kai Römer ging gestern davon aus, dass sich die Verkehrslage auf dem Kanal bis zum Wochenende normalisiert haben werde.

Weil der Osttrog des Schiffshebewerkes schon seit letztem Jahr wegen umfangreicher Instandsetzungsarbeiten gesperrt ist, steht in Scharnebeck derzeit nur der westliche Schiffsfahrstuhl zur Verfügung. So konnte die kaputte Dichtung den Wasserweg komplett lahmlegen. Der Defekt war der zweite innerhalb eines Monats.

Laut WSA wurde seit Freitag „durchgehend im Mehrschichtbetrieb auf die rasche Verkehrsfreigabe hingearbeitet“. Dabei habe man unter anderem das 20 Tonnen schwere Tor des Troges aus- und wieder einbauen müssen, um die umlaufende Dichtung komplett zu wechseln.

Bis 2013 investiert der Bund an dem Schiffshebewerk rund 40 Millionen Euro, um das Bauwerk für die nächsten 35 Jahre betriebsbereit zu halten. Über den Elbe-Seitenkanal transportieren nach Angaben des WSA täglich 60 Schiffe ihre Ladung, das gesamte Güteraufkommen liege bei acht Millionen Tonnen.

Vertreter aus Politik und Wirtschaft fordern vom Bund schon seit längerem den Bau einer zusätzlichen Schleuse bei Scharnebeck. Aus dem Verkehrsministerium kamen zuletzt Signale, dass das Projekt 2015 starten könnte – wenn alles optimal läuft. Geschätzte Bauzeit: drei bis fünf Jahre. In Wittingen würde man das Projekt begrüßen, weil dann potenziell mehr Umschlag für den Wittinger Hafen möglich wäre.

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