Der Windpark und der Dorfteich

Von einem schwierigen Geschenk für Boitzenhagen

Vor dem Boitzenhagener Dorfteich steht eine Bank.
+
Bekommt Boitzenhagen einen schöneren Dorfteich? Erste Weichen sind gestellt.
  • Holger Boden
    VonHolger Boden
    schließen

Boitzenhagen – Darf, soll, will die Stadt Wittingen ein Geschenk von der Windkraft-Firma PNE annehmen? Um diese Frage ging es in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung, und die Politiker fanden dazu ein „Ja“. Damit ist der Weg frei für Verbesserungen am Boitzenhagener Dorfteich. Welcher Art die sein werden, ist noch ein Stück weit offen.

PNE hatte im September letzten Jahres angekündigt, dass Boitzenhagen und seine Bürger von dem Windpark profitieren sollen. Neben der Bezuschussung von Stromrechnungen kam vom Unternehmen der Vorschlag, den Dorfteich neu zu gestalten.

Der wird derzeit als Karpfenteich genutzt, mit sinkendem Wasserstand und angrenzenden Kleingewässern, die am Versumpfen sind – so wurde es dem Bauausschuss dargestellt. Die Vorschläge zur Verschönerung reichen von einer Anhebung des Wasserstandes über Sitzgelegenheiten und Gehölzrodung bis hin zu Schilf für die Uferrandbepflanzung und einer Anbindung der Tümpel. Karpfen wären in dem Szenario raus, hieß es, da müsse mit dem Pächter gesprochen werden.

Eine erste grobe Kostenschätzung beläuft sich auf 40 000 Euro, signalisiert wurde von PNE eine etwa 50-prozentige Kostenübernahme.

Ortsvorsteher Klaus Palluck, der für die FWG im Bauausschuss sitzt, sah aus Sicht des Ortes einen Aspekt deutlich im Vordergrund: die Qualität des Wassers. „Das würden wir gern durch PNE gesponsert haben.“ Bänke, Pflanzen, Magerrasen und andere Dinge für den Teich und sein Umfeld könne man später auch in Eigenleistung realisieren.

PNE-Berater Dr. Karsten Ebel sagte dazu nicht nein, betonte aber, man müsse prüfen, was für die Verbesserung der Wasserqualität zu tun wäre und was dafür zu investieren wäre. Er machte gleichzeitig deutlich: „PNE wird sich nicht an Folgekosten beteiligen, der Betrag muss abgrenzbar sein.“

Im Ausschuss wurde die Frage laut, ob die Stadt sich von PNE überhaupt etwas schenken lassen dürfe, oder ob da nicht Korruptionsvorwürfe kommen könnten. Die Unternehmensvertreter betonten, die Leistung für Boitzenhagen sei an keinerlei Gegenleistung geknüpft. Die Genehmigung für den Windpark sei schließlich längst erteilt, die Verträge unterschrieben. Der Erste Stadtrat Holger Schulz stimmte der Einschätzung zu: Die Sache sei gelaufen, von Bestechung könne daher keine Rede sein.

Gleichzeitig gab es aber auch Bedenken anderer Art: „Ich fände es gerecht, wenn in unserer Einheitsgemeinde nicht nur ein einzelner Ort profitiert“, sagte Matthias Rönneberg (BA). Hans-Heinrich Koch (SPD) meinte, er sei ebenfalls „skeptisch“, das Geschenk für Boitzenhagen könne „in anderen Ortschaften Begehrlichkeiten wecken“. Palluck sah die Zuwendung für seinen Ort derweil als gerechtfertigt an, schließlich stelle der Windpark eine „punktuelle Belastung“ für Boitzenhagen dar.

Christian Schroeder (Grüne) ging die Diskussion in die falsche Richtung: „Es geht um die Annahme eines Geschenks, bei dem wir die Folgekosten im Blick haben müssen, nicht mehr und nicht weniger.“ Und Thomas Knöfel (FWG) sagte, er finde es „erschreckend, dass man sich fast schon weigert, eine Spende anzunehmen“. Rönneberg sagte dazu: „Die Annahme wäre ok, aber wir dürfen da nicht noch zusätzliches Geld reinpumpen.“

Bei einer Gegenstimme (Rönneberg) votierte der Ausschuss für die Formulierung, dass der Dorfteich grundsätzlich umgestaltet werden kann, und dass Details – auch hinsichtlich eines etwaigen Eigenanteils – noch zu klären sind.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare