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Dedelstorfer gibt 1200 Euro für die Tafel – und denkt über Mitarbeit nach

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Von: Pascal Patrick Pfaff

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Thomas Finnern (l.) und Kerstin Gaillaert (r.) von der Wittinger Tafel nahmen die 1200-Euro-Spende von Harry Hennig-Grenke mit Freude entgegen.
Thomas Finnern (l.) und Kerstin Gaillaert (r.) nahmen die 1200-Euro-Spende von Harry Hennig-Grenke mit Freude entgegen. © Pfaff, Pascal Patrick

Wittingen – 1200 Euro! Die zwölf grünen Scheine liegen fein säuberlich drapiert auf dem Tisch. Sie lugen aus dem Umschlag hervor – ein Dutzend 100er. „Das ist ein Glücksfall für uns“, freut sich Thomas Finnern. Als ehemaliges Vorstandsmitglied der Wittinger Tafel weiß er, wovon er spricht. Bei 500 Euro Unterdeckung pro Monat, hohen Energiepreisen und dünner Personaldecke (rund 20 Ehrenamtliche auf über 1000 Bedürftige) zählt für die Wittinger Tafel jeder Euro. Und davon gab es jetzt deren 1200. Der Spender: Harry Hennig-Grenke.

Spender könnte bei Tafel mitarbeiten

„Ich habe in einem Fernseh-Beitrag gesehen, dass die Tafeln Geld brauchen. Da dachte ich mir: Spende doch was!“ Er mache so etwas öfter, hilft auch Tierschutzvereinen oder Menschen, die auf der Straße wohnen. Hennig-Grenke erzählt von einem Obdachlosen, dem er zu D-Mark-Zeiten mal eine vierstellige Summe gegeben hat. Er sei damals sehr reich gewesen. Und heute? „Da bin ich ein ganz normaler Mensch. Mit meiner Schlumperhose denken alle doch: ‘Wer ist das denn?’“ Er habe einst in der Stadt gelebt, wohne nun aber in Dedelstorf. Und von dort entstand der Kontakt nach Wittingen.

„Harry hat bestimmt zehnmal hier angerufen. Er wollte sein Geld unbedingt loswerden“, so Kerstin Gaillaert augenzwinkernd. Möglich, dass die Chefin der Tafel in Hennig-Grenke bald nicht nur einen Spender hat. Dieser kann sich eine Mitarbeit bei der Tafel nämlich durchaus vorstellen: „Warum nicht?“

Der Dedelstorfer kommt zu einer Zeit, in der es für die Hilfsorganisation nicht rosig aussieht. „Ich habe gehört, dass die Inflation 2023 bei 11 Prozent liegen könnte. Dazu die Kosten für Kraftstoff und Strom. Das haut richtig bei uns rein“, so Finnern über die derzeitige Situation bei der Tafel. Eine Sachlage, die aus seiner Sicht noch schlechter geworden ist, als zu Beginn der Energiekrise.

Entsprechend habe man versucht, bestimmte Abläufe im Haus zu optimieren. „Etwa dort, wo viel Zeit draufgeht. Siehe die Kasse: Posten wie die Abrechnung oder die An- und Abmeldung von Kunden. Wir sind dabei, dies via EDV-Technik besser hinzubekommen.“ Auch seien bei der Haftpflicht und der Versicherung für Elektrogeräte 20 Prozent eingespart worden. Während der Corona-Pandemie konnte die Tafel laut Finnern auch auf einen Förderfonds zurückgreifen, aus dem neue Telefone und Tablets zu finanzieren waren.

Neues Personal über die sozialen Medien?

Die Probleme löst dies freilich nicht. Es gibt zu wenig Personal und Lebensmittel für zu viele Hilfesuchende – in Wittingen durchschnittlich 300 bis 400 Familien (das IK berichtete). Zu den regelmäßigen Spendern gehören die örtlichen Discounter, Landwirte und Bäckereien, so Finnern. Da dies allein aber nicht reicht, sind sie bei der Tafel nun auf die Idee gekommen, die sozialen Medien für sich zu nutzen. „Der Bundes- oder Landesverband schickt dann einen Profi vorbei, der weiß, wie man dort richtig für seine Sache wirbt.“

Finnern hofft auf einen Effekt – auch bei den jungen Leuten. „Sie nutzen solche Kanäle. Vielleicht kommt ja mal ein 18-jähriger Student vorbei, wenn er gerade keine Vorlesung hat.“ Bevor die Tafel in den sozialen Medien loslegen kann, vergeht aber noch etwas Zeit. Laut Finnern ist das Projekt nämlich noch in der Schwebe: „Nächstes Jahr wird es aber soweit sein.“

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