Daumen drauf?

Alte OHE-Trasse: Ein Gesamtkonzept der Anrainer zeichnet sich nicht ab

In Wittingen beginnt die Ohretalbahn in Richtung Rühen. Nach einem gemeinsamen Nutzungskonzept der Anrainer – wenn sie die Strecke denn kaufen – sieht es derzeit nicht aus.
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In Wittingen beginnt die Ohretalbahn in Richtung Rühen. Nach einem gemeinsamen Nutzungskonzept der Anrainer – wenn sie die Strecke denn kaufen – sieht es derzeit nicht aus.
  • Holger Boden
    VonHolger Boden
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Wittingen. Eine gemeinsame Lösung der Anrainerkommunen wird es bei der künftigen Nutzung der OHE-Trasse Wittingen-Rühen nicht geben – das ist die Essenz der Diskussionsrunde, zu der der Förderverein Ohretalbahn am Donnerstagabend ins Wittinger Hotel Bennett’s geladen hatte.

Einem gemeinsamen Ankauf des Schienenstrangs durch die Stadt Wittingen und die Gemeinden Brome und Parsau steht hingegen offenbar nicht mehr viel im Weg: Die Strecke sei „so gut wie gekauft“, ließ die Parsauer Bürgermeisterin Kerstin Keil (CDU) die rund 20 Besucher der Versammlung wissen.

Der Rühener Part der Trasse ist bereits in kommunaler Hand, zum Teil steht dort ein Baugebiet auf der einstigen Bahnstrecke. Von daher war klar, dass in diesem Bereich ohnehin kein gemeinsames Zukunftskonzept zu verwirklichen sein würde. In Wittingen denkt man über touristischen Draisinenverkehr ebenso nach wie über einen Radweg. Politisch beschlossen ist freilich nichts, doch scheint sich hinter den Kulissen eine Mehrheit für solche Pläne abzuzeichnen.

Bliebe die Stadt Wittingen, deren Teilstück bis Radenbeck reichen würde, mit solchen Plänen allein? Ein paar Kilometer weiter in Parsau gibt es jedenfalls andere Pläne, wie Keil berichtete: Auf einem rund 100 Meter langen Abschnitt seien die Schienen bereits geklaut worden, bei Croya sind längst einzelne Garten-Parzellen auf der Bahntrasse entstanden, die Besitzer sind Pächter der OHE. Es gebe, so Keil, zehn Anträge für einen Kauf solcher Teilstücke, und für die Politik sei ein Weiterverkauf durchaus denkbar. Auch wenn „noch nichts in Stein gemeißelt“ sei. Ansonsten denke die Gemeinde auch darüber nach, den Bahndamm als Ausgleichsfläche zu nutzen.

Der Förderverein um seinen Vorsitzenden Manfred Michel befürwortet eine Draisinen- oder Radweg-Lösung – auch mit Blick auf einen Erhalt der Strecke als Ganzes. Michels Grundgedanke ist eine mögliche erneute Nutzung als Bahnverbindung, wenn in Zukunft einmal die Zeit reif dafür sein sollte.

Aus Teilen der Politik kommt Unterstützung für die grobe Stoßrichtung. Draisinenverkehr sei „eine Chance für den Ostkreis“, sagte der Bromer Grünen-Politiker Frank-Markus Warnecke. Friedrich Lührs (FWG), Vorsitzender des Wittinger Verkehrsausschusses, befand, die Kommunen sollten „den Daumen drauf haben“ und die Strecke als Ganzes erhalten. Und Christian Schroeder (Grüne), stellvertretender Sprecher der Gruppe von CDU und Grünen im Stadtrat, betonte: „Wir wollen die Strecke nicht zerschlagen.“ Marion Köllner, für die Linke in der Verbandsversammlung des Regionalverbandes, kündigte an, sich beim Verband für eine Nutzung der Strecke stark zu machen.

Der Wittinger Karl-Heinz Adam, der vor zwei Jahren eine selbstgebaute Draisine präsentiert hatte, mahnte in Richtung aller Entscheidungsträger: „Überlegt, was die Strecke kostet, wenn man sie neu bauen müsste.“ Ein gemeinsames Gesamtkonzept dürfe nicht durch Partikularinteressen torpediert werden.

Von Holger Boden

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