„... dass ich noch etwas wert bin“

Im Krankenhaus Gonoshasthaya Kendra lernte Muschter viele Mitarbeiter kennen und war beeindruckt von ihrer Freundlichkeit, aber auch von der Kompetenz der einheimischen Fachleute.

Küstorf/Dhaka. – Von André Pohlmann. Zwanzig Jahre arbeitete Reinhard Muschter in der Strahlentherapie, einem Spezialgebiet der Medizintechnik. Berufliche Gründe verschlugen den Küstorfer zwischenzeitlich längere Zeit nach Süddeutschland. Doch eine Erkrankung zwang ihn 1999, beruflich zu pausieren. Arbeit in der Medizintechnik hat er seitdem nicht mehr gefunden.

„Überqualifiziert“ – mit diesem Vermerk sei ein Großteil seiner Bewerbungen zurückgekommen, berichtet Muschter. Inzwischen ist der ehemalige Facharbeiter Hartz IV-Empfänger. Doch mit diesem Schicksal mochte er sich nicht abfinden. Heute lebt der inzwischen 58-Jährige wieder in Küstorf und engagiert sich für den Aufbau moderner Medizintechnik in der so genannten Dritten Welt. Im August flog er nach Bangladesch, um dort die Möglichkeiten seiner Hilfe für den Aufbau einer Strahlentherapie-Klinik für die armen Bevölkerungsschichten auszuloten. Für das IK schilderte er seine Eindrücke aus dem südasiatischen Land.

Bangladesch sei heute ein armes Land, seit der Unabhängigkeit von den brititschen Kolonialherren habe sich dort kaum etwas getan, so Muschter. Was aus westeuropäischer Perspektive selbstverständlich erscheint – zum Beispiel ein funktionierendes Stromnetz, ausgebaute Straßen und moderne Transportmittel – ist in dem Land immerhin mehr als 150 Millionen Einwohner zählenden Staat alles andere als Normalität.

Zu Gast war Muschter bei Dr. Zafrullah Chowdhury am Krankenhaus Gonoshasthaya Kendra in der nahe der Hauptstadt Dhaka gelegenen Stadt Savar. Chowdhury wurde 1992 für sein humanitäres Engagement mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. In Dhaka und im ganzen Land hat er Krankenhäuser und Gesundheitszentren aufgebaut, um der armen Bevölkerung ärztliche Hilfe zu bringen. Dort erhalten Bedürftige, die es sich sonst gar nicht leisten könnten, neben medizinischen Behandlungen auch Tipps und Aufklärung Fragen von Gesundheit und Hygiene.Darüber hinaus organisiert der 70-jährige Bengale die Vergabe von so genannten Mikro-Krediten, die armen Menschen – insbesondere Frauen – den Start in die Selbstständigkeit und damit den Aufbau einer Existenz ermöglichen.

Besonders beeindruckt war Muschter von der Gastfreundlichkeit der Menschen, aber auch von der technischen Kompetenz der einheimischen Fachleute, deren Wissensstand trotz der schwierigen Bedingungen vor Ort den Kenntnissen und Fähigkeiten europäischer Ingenieure vergleichbar sei.

„Wer bereit ist, die örtlich vorhandenen Gegebenheiten zu akzeptieren, und mit den einheimischen Menschen zusammen zu arbeiten, wird in Bangladesch mit offenen Armen aufgenommen“, sagt Muschter. Nach zehn Tagen in Bangladesch stand für ihn fest, dass er seine Fachkenntnisse und sein Engagement für den Aufbau einer Strahlentherapie-Klinik einsetzen wird.

Seine Motivation: „Die Freundlichkeit und auch die Dankbarkeit, die mich in Bangladesch beeindruckte, sind für mich ein sichtbares Zeichen, dass ich noch etwas für andere Menschen tun kann und darf – ein Zeichen, dass ich noch etwas wert bin“, so Muschter. Daran hat er als Hartz-IV-Empfänger in Deutschland schon manches Mal gezweifelt.

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