Stadt Wittingen will Bemühungen um Verbesserungen an Bahnhöfen forcieren

„Das ist Nachkriegszeit“

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Der Wittinger Bahnhof macht seit vielen Jahren keinen guten Eindruck. Die Stadt will nun versuchen, ein Maßnahmenpaket für Verbesserungen zu schnüren.

Wittingen. Die Stadt Wittingen will weiterhin Verbesserungen auf dem Gelände der DB-Bahnhöfe Wittingen und Knesebeck forcieren – die Frage ist allerdings, welches finanzielle Engagement die Politik dabei mittragen kann und will.

Dem Wittinger Ortsrat wurde jetzt deutlich gemacht: Schon erste Maßnahmen für mehr Fahrgastfreundlichkeit können leicht fünf- bis sechsstellige Kosten verursachen.

Die Ausgangslage ist klar: Ab Ende 2014 soll das neue Regionalbahn-Konzept greifen, mit erhöhtem Takt und moderneren Zügen. Vorher – das haben DB-Vertreter bei einem Ortstermin bereits durchblicken lassen – wird es seitens der Bahn keine Investitionen in die Infrastruktur vor Ort geben. Und in der Wittinger Politik herrscht verbreitet die Vermutung, dass es auch nach dem Fahrplanwechsel noch eine Weile dauern könnte, bis Verbesserungen eingeleitet werden.

Dass die nötig sind, sehen wohl auch die meisten Bürger so. In der Wittinger Ortsratssitzung kam aus den Reihen der Zuschauer, die während der Beratung in gewohnt kritischer Manier und oft viel zu laut Parallelgespräche führten, mit Blick auf den Zustand des Wittinger Bahnhofs die Bemerkung: „Das ist Nachkriegszeit.“

Die bestehenden Bahnsteige bieten für das Ein- und Aussteigen zu große Höhenunterschiede, die Übergänge bieten Stolperfallen, Unterstände öffnen sich zur Hauptwindrichtung, Karten zieht man ohne Wetterschutz, das Automaten-Handling überfordert Senioren. Hinzu kommt ein teils erbärmlicher optischer Zustand, der durch „Baumschulen“ zwischen ungenutzten Gleisen noch verstärkt wird.

Handlungsbedarf an allen Ecken also – und in Wittingen will man die Sache gern beschleunigen. Die Verwaltung hat erste Kostenangebote für Ingenieurleistungen eingeholt, für folgendes Maßnahmenpaket: Neubau eines beleuchteten und barrierefreien Doppelbahnsteigs mit 90 Metern Länge, Schaffung von 80 Park&Ride-Parkplätzen (inklusive Bike& Ride), Umgestaltung des Bahnhofsgebäudes mit öffentlichem WC. Allein die Planungsleistung hierfür liegt schon im Bereich über 25 000 Euro.

Die Stadt ist mit der DB auch in Gesprächen darüber, die Wartehalle im Bahnhofsgebäude, die letzten Herbst geschlossen wurde, anzumieten. Grundsätzlich ist das offenbar möglich, allerdings liegen beide Seiten bei den Konditionen nach Angaben der Stadtverwaltung noch weit auseinander.

Zu den anderen Punkten laufen Gespräche mit der DB und dem ZGB als Träger der Nahverkehrsplanung. Das Thema wird sich in Kürze in den Fachausschüssen des Stadtrates wiederfinden. Dort dürfte es dann auch darum gehen, ob und wie das OHE-Gelände in die Planungen für die Bahnhofs-Zukunft eingebunden wird. Das Areal könnte – so hatte es die OHE angedeutet – frei werden, wenn eine leistungsfähige Verbindung zwischen DB-Strecke und OHE-Linie entsteht.

Von Holger Boden

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