Nach Plünderung der Rader Kapelle: Entsetzen auf kirchlicher Seite / Wohl fünfstelliger Schaden

„Das ist mehr als pietätlos“

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Wie ein Mahnmal gegen Diebstähle: Der Glockenstuhl steht verwaist auf dem Kapellengelände.

Rade. Nach dem Diebstahl der Glocke, des Kreuzes und diverser anderer Gegenstände von und aus der Rader Kapelle hat gestern für die Stadt Wittingen als Eigentümerin das „Aufräumen“ begonnen.

Wo bis letzte Woche das Metallkreuz an der Außenwand der Kapelle hing, sind nur ein paar Bohrlöcher zurückgeblieben.

Das ist nicht nur physischer Art, sondern besteht vor allem im Wälzen alter Aktenordner. Denn zunächst einmal muss die Schadenshöhe festgestellt werden. Die war gestern noch nicht genau zu benennen – im Bauamt schätzt man aber, dass sie zwischen 15- und 20 000 Euro liegen könnte, vielleicht sogar noch darüber. Jedenfalls herrscht im Rathaus dieselbe Fassungslosigkeit wie am Wochenende schon bei den Rader Bürgern. „Kaum zu glauben“, sagt Stadtbürgermeister Karl Ridder, „wie weit mancher heutzutage bereit ist zu gehen.“

Damit meint das Stadtoberhaupt die Chuzpe der Täter, die nicht nur ein geweihtes Gebäude geplündert haben, sondern auch mal eben in fünf Metern Höhe von einem im Freien stehenden Glockenstuhl die Glocke stehlen.

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Aber gesehen hat das vermutlich niemand: Der Polizei lagen gestern noch keine Hinweise zu der Tat vor. Anzeige gegen Unbekannt – mehr geht zurzeit nicht. Immerhin: Im Bauamt geht man davon aus, dass die gestohlenen Gegenstände versichert sind. Um den Wert der 42 Jahre alten Glocke zu ermitteln, müssen Bauamtsleiter Albert Soltau und sein Team die Bücher der ehemaligen Samtgemeinde Wittingen studieren, zu der Rade damals gehörte – die Stadt gibt es erst seit 1974.

Kleingartenkolonie Goldgrube: Hier ist immer noch nicht klar, wie viele Pächter von Diebstählen betroffen sind.

Die interessantere Frage wird ohnehin sein, was es kostet, eine neue Glocke zu beschaffen. „Wir müssen das alles noch genau prüfen“, sagt Soltau. Nach einem Gespräch mit Ortsvorsteher Wilfried Korth glaubt er, dass sich der Schaden allein durch den Diebstahl auf über 10 000 Euro summieren könnte, zudem dürfte einiges an Kosten für Reparaturen zusammenkommen. „Das ist ärgerlich ohne Ende“, meint Soltau. Betroffenheit auch auf kirchlicher Seite: Meike Drude ist die für Rade zuständige Pastorin. Für die Dorfbewohner, so hat sie beobachtet, ist die Kapelle „unsere kleine Kirche“. Dort finden nicht nur Beerdigungen statt, dort ist auch vier Mal im Jahr Gottesdienst, und es hat dort auch schon Taufen und Trauungen gegeben.

„Ich bin völlig entsetzt“, sagt Drude mit Blick auf die Tat. Empfindet sie den Vorfall auch als „Schändung“, wie eine Raderin es am Sonnabend ausgedrückt hatte? Drude: „Ich weiß kein anderes Wort. Wenn man ein Kreuz aus der Wand reißt – das ist mehr als pietätlos, das kann ich nicht begreifen.“

Unterdessen gibt es noch keine neuen Informationen über die Einbrüche beim Kleingartenverein Goldgrube. Seitens der Polizei hieß es, die Besitzer der betroffenen Hütten würden sich derzeit „nach und nach“ melden. Vereinssprecher Klaus-Dieter Leidecker sprach gestern von sieben gesicherten Aufbrüchen, dabei sei „erheblicher Schaden“ entstanden. Zur Beute gehören Elektro- und Gartengeräte.

Hinweise zu den Vorfällen bei Rade und in der Goldgrube nimmt die Polizei in Wittingen unter (05831) 252880 entgegen.

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