Coup: Wittinger schluckt Herrenhäuser

Auf Expansionskurs: Die Wittinger Brauerei übernimmt ihren Konkurrenten Herrenhäuser aus Hannover.

ap/dpa Wittingen/Hannover. Überraschungs-Coup für die Wittinger Brauerei: Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Hannover gaben Geschäftsführer Holger Bock und der Insolvenzverwalter der Herrenhäuser Brauerei Torsten Gutmann gestern die Übernahme des Hannoveraner Brauhauses durch die Privatbrauerei Wittingen bekannt. Das Wittinger Unternehmen setzte sich damit offenbar gegen die Einbecker Brauerei durch, die nach Medienberichten ebenfalls Kaufinteresse bekundet hatte.

Spekulationen über eine mögliche Übernahme der finanziell angeschlagenen Herrenhäuser Brauerei waren gestern laut geworden, nachdem der Gläubigerausschuss in der Nacht zu Donnerstag einer Verkaufsempfehlung des Insolvenzverwalters zugestimmt hatte. Bis zu 15 Millionen legen die Wittinger Brauer nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa für die Übernahme des Konkurrenzunternehmens auf den Tisch. Diese Summe wurde allerdings vom Geschäftführer der Wittinger Brauerei Holger Bock gegenüber dem IK nicht bestätigt. „Mit dem Insolvenzverwalter ist Stillschweigen über den Preis vereinbart“, so Bock.

Mit der Übernahme verdoppelt sich die Produktionskapazität der Wittinger Brauerei in etwa. Zwar werde in Hannover derzeit nur etwa 100 000 Hektoliter Bier pro Jahr produziert, doch die Kapazität liege ähnlich wie in Wittingen bei rund 400 000 Hektolitern jährlich, erläutert Bock. „Die derzeit 72 Mitarbeiter der Herrenhäuser Brauerei werden nach der Übernahme weiterbeschäftigt“, unterstreicht Geschäftsführer Bock. Insgesamt bleibe die Herrenhäuser Brauerei ein eigenständiges Unternehmen und firmiere künftig als Privatbrauerei Herrenhausen GmbH. „Das Vertriebsgebiet beider Häuser ergänzt sich auf günstige Weise“, sagte Bock.

Die Marken der Herrenhäuser Brauerei sollen vollständig erhalten bleiben. Die Biere werden weiterhin in ihren Stammhäusern in Wittingen und Hannover gebraut. Synergieeffekte verspricht sich Bock indes in der Logistik, im Vertrieb und in der Produktion. So könne beispielsweise künftig Herrenhäuser Bier in Wittingen in Dosen gefüllt werden. Zudem wird das Wittinger Bier im Zuge der Übernahme in der Landeshauptstadt von Herrenhäuser vertrieben.

Die Herrenhäuser Brauerei war laut Medienberichten durch Steuerschulden und eine unterfinanzierte Betriebsrentenkasse in finanzielle Schieflage geraten. Zuletzt hatte es Versuche gegeben, die Eigenständigkeit im Wege einer Planinsolvenz zu erhalten. Um die Unabhängigkeit ihrer Brauerei zu sichern, hatten sich die Beschäftigten auch zu einem Gehaltsverzicht durchgerungen. Mit dem Geld sollte das Eigenkapital von Herrenhäuser gestärkt werden.

Man habe sich gewünscht, die Planinsolvenz durchzuführen und unabhängig zu bleiben, so Unternehmenssprecher Jörg Politze gegenüber dpa. Wegen des angekündigten Job-Erhalts und der weitgehenden Eigenständigkeit der Marke Herrenhäuser gebe es aber keinen Grund für überzogene Skepsis.

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