Besucher aus der ganzen Region: Der Finanzkabarettist begeistert Publikum in der Wittinger Stadthalle

Chin Meyer sorgt für viele Lacher

+
Chin Meyer hat viele Seiten: Diese bekamen die Gäste der Wittinger Stadthalle am Wochenende zu Gesicht. Foto: Ohse

Wittingen. Es war ruhig geworden um die Finanzkrise, bis am Samstagabend. In der Stadthalle klärte Chin Meyer, seines Zeichens Finanzkabarettist, über das Malheur auf.

Doch statt panischem Rumoren hatte er die Lacher des Publikums auf seiner Seite, mit dem er sich vorher bekannt gemacht hatte. So erfuhren alle Gäste, wer außer ihnen den Weg zu dem Chin Meyer-eigenen Finanzseminar geschafft hatte.

Besucher aus Ebstorf, Knesebeck oder Bad Bodenteich waren auch dabei, letztere mit einer konspirativen Kartenspielgruppe, wie Meyer feststellte. Die Angabe „Strip-Poker erst nach Mitternacht“ ließ ihn kurz in Erwägung ziehen, das Programm bis zum frühen Sonntagmorgen auszudehnen, aber so weit ging es dann doch nicht. Dass es trotzdem einen semierotischen Faktor am Abend gab, lag an seinem Kompagnon, Pianist Dirk, der dann und wann die Bühne betrat. Er kam entweder als Darth Vader oder eben als Pianist, der sich sogleich für jeden Akkord bezahlen ließ. Oder als Ikone, die den Tanz des europäischen Rettungsschirms aufführte, als Finanzguru U.G. Chinmayananda seine Firma „Protect Profit“ vorstellte. Nicht nur das war eine „Scheinwelt“, wie dem Besucher dämmerte. Auch Meyer zeigte sich sehr wandlungsfähig: Er erschien als fanatischer Steuerfahnder Sigmund von Treiber und persiflierte Mario Draghi. Der Chef der EZB hatte es ihm besonders angetan, die Kombination Italiener und Mafia nutzte Meyer gnadenlos aus. Und er blieb dabei immer dem Motto seines Auftritts, „Macht! Geld! Sexy?“, treu.

Wie es die Natur eines Kabarettisten ist, übertrieb Meyer zwar, doch einen wahren Kern ahnte man im Publikum. Lachen ist wohl auch die beste oder einzige Methode, mit den weitreichenden Problemen fertig zu werden. Auch angesichts der Bankenwerbung von Guthabengebühr und „Superzinsen“ und weiterer Nebelkerzen der Sprache, die den Kunden um die Ohren gehauen werden. Meyer hatte hier Zahlen aus der Realität parat. 0,04 Prozent auf das „Top-Zinskonto“, die nach vier Jahren auf waghalsige 0,7 Prozent angehoben werden. „Eine sichere Art, ein wirklich kleines Vermögen aufzubauen“, so Meyer.

Seine Empfehlung daher: die Hypomatratzensparkasse, die zwar null Prozent Zinsen abwerfe, aber eben auch keine Gebühren koste. Auch außerhalb der Finanzwelt zeigte sich Meyer komisch-kompetent, geißelte mit geschliffenen Worten die neue smarte Welt, die für ihn die Mutter ersetzt. „Mein Smartphone sagt mir nun, wann ich ins Bett zu gehen habe.“ Auch Trump war Thema. „Wir wurden ja damals durch die Amerikaner von einem schlecht gelaunten, ausländerfeindlichen Diktator mit mieser Frisur befreit. Eigentlich schulden wir den Amis noch einen Gefallen.“

Meyers Vorschlag: die deutsche Marine mit zwei Booten, eins im Atlantik mit Helene Fischer, eins im Pazifik mit Xavier Naidoo, positionieren. „Wenn die hören, dass dieser Weg kein leichter sein wird, dann gibt Trump auf.“

Von Burkhard Ohse

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare