Chancen durch Jade-Weser-Port?

Der SPD-Arbeitskreis mit Klaus Schneck (3. v.r.).

Wittingen - Von Holger Boden. Kann der Wittinger Hafen vom Jade-Weser-Port profitieren? Der Gifhorner Landtagsabgeordnete Klaus Schneck zumindest ist davon überzeugt, dass das Großprojekt bei Wilhelmshaven ins Blickfeld der hiesigen Entscheidungsträger gehört: „Durch den neuen Tiefwasserhafen ergeben sich auch Chancen für unsere Region“, erklärte Schneck nach einem Besuch des Arbeitskreises Wirtschaft und Verkehr der SPD-Landtagsfraktion auf der Baustelle des Jade-Weser-Ports.

Schneck sagte, das Großprojekt werde Auswirkungen auf die gesamte niedersächsische Güterverkehrsstruktur haben. „Mit diesem neuen Tiefwasserhafen werden große neue Güterströme entstehen. Dies bedeutet, dass auch der Wittinger Hafen darauf vorbereitet werden muss, damit der Güterverkehr zukünftig nicht an unserer Region vorbeifließt“, so der Knesebecker.

Eine entscheidende Frage sei auch, ob es gelingt, über Umladevorgänge hinaus möglicherweise Wertschöpfung durch Veredelung oder Weiterverarbeitung in den Wittinger Hafen zu holen. Schneck: „Da muss man mit der Industrie reden. Ich möchte nur frühzeitig dazu auffordern, sich mit dieser Chance auseinanderzusetzen.“ Der Wittinger Hafen als künftiger Knotenpunkt von Bahn, Straße und Kanal biete beste Voraussetzungen.

In ziemlich genau zwei Jahren, am 5. August 2012, soll der erste Abschnitt des Jade-Weser-Ports eröffnet werden, ein Jahr später soll der Vollbetrieb beginnen. Dort sollen auch so genannte Jumbo Carrier mit einem Tiefgang von bis zu 16,5 Metern anlegen können. Weltweit gibt es nur 12 Häfen, die wie der Jade-Weser-Port Containerschiffe von 400 Metern Länge und 60 Metern Breite aufnehmen können.

Vom Jade-Weser-Port, so die Planung, werden die dort angelandeten Güter mit so genannten Feederschiffen zu anderen Seehäfen und Binnenhäfen weitertransportiert. Schneck ist überzeugt: „Was im Jade-Weser-Port ankommt, kann auch per Schiff im Elbe-Seitenkanal landen.“

Laut Stadtbürgermeister Karl Ridder hatte die Stadt mit dem noch im Bau begriffenen Tiefseehafen noch keinen Kontakt. Schnecks Anregung steht er aber offen gegenüber: Wenn der Jade-Weser-Port Chancen biete, könne man den Vorstoß „nur unterstützen“.

Die Stadt Wittingen setzt für die Ansiedlung neuer Unternehmen und die Schaffung weiterer Arbeitsplätze ohnehin auf den Hafen und hat eine Ausweitung des Geländes fest im Visier. Für die Erweiterungsflächen südlich der OHE-Linie muss noch ein Bebauungsplan her, dies ist laut Ridder allerdings eher ein Thema für das kommende Jahr.

Nicht nur per Schiff, auch per Bahn und Straße muss der Tiefseehafen weiträumig angebunden werden. Aus Wittinger Perspektive könnte dabei die vom heutigen Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) schon vor Jahren angestoßene Diskussion über einen Weiterbau der A 27 von Walsrode in südöstliche Richtung von besonderem Interesse sein – würde die Trasse doch eine direkte Verbindung in den Raum Jade-Weser bedeuten. Laut Christian Budde, Sprecher des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums, handelt es sich allerdings nach wie vor lediglich um eine „grundsätzliche Idee“. Planungsschritte seien noch nicht eingeleitet, und angesichts der begrenzten Mittel für Bundesfernstraßen sei auch nicht mit einer schnellen Umsetzung der Idee zu rechnen – wenn überhaupt.

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