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Celle-Wittingen: Erhalt weiter unsicher

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Von: Holger Boden

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Die OHE-Strecke quert südlich von Wittingen die Trasse der Regionalbahn, an die sie im Bahnhofsbereich angebunden ist.
Die OHE-Strecke quert südlich von Wittingen die Trasse der Regionalbahn, an die sie im Bahnhofsbereich angebunden ist. © Boden

Wittingen – Hat die Eisenbahnstrecke Wittingen-Celle eine Zukunft? Bei der OHE, die die Trasse betreibt, geht man davon aus, dass 2021 eine Entscheidung dazu fallen wird. Das sagte Geschäftsführer Sebastian Schülke auf IK-Anfrage.

Hoher Investitionsbedarf, wenig Verkehr, geringe Einnahmen: Diese Mischung hatte die OHE dazu gebracht, über eine Stilllegung nachzudenken. Als Möglichkeit für einen Erhalt gilt eine Infrastrukturgesellschaft, in der die Strecke – wie auch andere OHE-Trassen – aufgefangen werden könnte (das IK berichtete mehrfach). Keine Abwicklung also – vielmehr geht Schülke davon aus, dass er selbst und das übrige Personal dann mit in die neue Gesellschaft wechseln.

Die Gespräche mit dem Land Niedersachsen über eine solche Lösung laufen seit Jahren, auch der Landkreis hat sich eingeschaltet. Kommendes Jahr könnte es nun ein Resultat geben, glaubt Schülke. Ob eine Auffanggesellschaft auch gleichbedeutend mit dem Erhalt von Celle-Wittingen ist, ist allerdings noch gar nicht mal ausgemacht. Der OHE-Geschäftsführer hält die Strecke für nach wie vor gefährdet. Darauf laufe „nur wenig Verkehr“.

Wenig Zugverkehr im Wittinger Hafen

Die Stadt Wittingen hat stets Wert auf einen Erhalt der Verbindung Celle-Wittingen gelegt, weil damit der Hafen angebunden wird, und weil man sich künftig eine für Unternehmen attraktive Trimodalität – Wasser, Schiene, A 39 – erhofft. Schülke sagt nun: „Der Wittinger Hafen könnte Eisenbahn-affiner sein.“

Einer der Gründe dafür, dass im Hafen derzeit wenig Umschlag über die Schiene abgewickelt wird: Der Rundholz-Transport ist eingebrochen, seit in Südniedersachsen die Wälder vom Borkenkäfer gelichtet werden und das Holz per Lkw zu den Abnehmern in der Region gebracht wird.

Vor einigen Jahren wurde am Wittinger Bahnhof eigens eine leistungsfähigere Anbindung der Strecke zum Hafen geschaffen. Im Zuge seiner Bauleitplanung für das ehemalige OHE-Gelände muss die Stadt derzeit ihre Flächen so kalkulieren, dass Platz für eine potenzielle Erweiterung der Schienen-Anlagen bleibt – weil irgendwann einmal ein drittes Gleis ein Thema werden könnte.

Der Hinweis hierzu kam im Bauleitplanverfahren vom Regionalverband Braunschweig. Dessen Sprecherin Gisela Noske betont: Für ein drittes Gleis gebe es „keine konkreten Planungen und keinen Zeitplan“. Man wolle aber die Option dafür sichern.

Drittes Gleis gegen Engpässe?

Der Hintergrund ist auch der an diesem Wochenende anlaufende Stundentakt auf der Regionalbahn-Strecke Uelzen-Braunschweig. Wenn sich Personenzüge in Wittingen begegnen würden, so erläutert Schülke, dann wären die zwei vorhandenen Gleise ausgelastet, und Güterverkehr funktioniere dann nicht. Das sei aber in dem nun startenden Fahrplan noch nicht der Fall.

Gleichwohl hat man das latente Problem beim Regionalverband auf dem Schirm: Ein drittes Gleis würde perspektivisch mehr „betriebliche Spielräume“ schaffen, heißt es, eben mit Blick auf Begegnungsverkehr von Personenzügen und Rangierarbeiten im Güterverkehr.

Gleichzeitig prüft der Verband laut Noske bei den Überlegungen für die Zukunft der OHE-Strecke auch schon „touristischen Gelegenheitsverkehr zwischen Wittingen und Hankensbüttel“. Eine Option, die für alle, die sich eine echte wirtschaftliche Nutzung der Trasse erhoffen, nur die zweitbeste sein dürfte. Und in ein drittes Gleis würde dafür wohl keiner investieren.

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