Ehre für einen Ausbeuter?

Carl-Peters-Straße: Wittinger Grüne wollen Diskussion über Straßennamen

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Im Straßennamen der Carl-Peters-Straße sehen die Wittinger Grünen eine Baustelle für die Kommunalpolitik.

Wittingen – Seine Zeitgenossen erlebten ihn als gewalttätig und ausbeuterisch, Historiker weisen ihm Rassismus und Herrenmenschentum nach, für die Nazis war er ein geistiges Vorbild. Seine Konkubine und ihren Geliebten ließ er aufhängen.

Soll man nach solch einem Menschen eine Straße benennen?.

In Wittingen ist das – wie in vielen anderen deutschen Städten – längst passiert: Es gibt hier eine Carl-Peters-Straße. Benannt nach dem Publizisten und Kolonialisten Carl Peters aus Neuhaus/Elbe. Das fragwürdige Gedenken seiner Person, das mit dem Straßennamen verbunden ist, hat seit 30 bis 40 Jahren in vielen deutschen Städten zu Diskussionen geführt – und zu einer Umbenennung oder zumindest Umwidmung.

In Wittingen kam die Debatte um „Hänge-Peters“ in den Nuller Jahren auch schon einmal auf die Agenda – der damalige Ortsrat sah aber keinen Anlass, etwas zu ändern.

Christian Schroeder (l.) und Ottmar von Holtz, Bündnis 90/Die Grünen.

Die Gefahr: Wer eine Person ehrt, ehrt auch deren historisches Handeln. Das kann verfehlte Vorbildwirkung entfalten. Die Wittinger Grünen wollen das Thema daher neu auf die Tagesordnung bringen. Ihr Landesverband hat jüngst die Landesregierung aufgefordert, die Zeit des Kolonialismus stärker aufzuarbeiten, als das bisher geschehen ist – und verweist darauf, dass es nicht zwingend eine Umbenennung sein muss: Straßennamen könnten bei entsprechender Einordnung auch zum Mahnmal umgewidmet werden.

Der Wittinger Grünen-Sprecher Christian Schroeder findet, der anstehende Ausbau der Carl-Peters-Straße könne Anlass sein, auch über den Straßennamen nachzudenken. Ihm ist klar: Eine Umbenennung ist für die Anwohner mit bürokratischem Aufwand verbunden und daher selten willkommen. Die Bürger müsse man in die Diskussion einbeziehen. Schroeder, dem es „in erster Linie um die Aufarbeitung der Geschichte“ geht, kann sich beispielsweise vorstellen, dass eine Art Arbeitsgruppe sich des Themas annimmt und damit dem Ortsrat zuarbeitet, der wohl für weitere Schritte zuständig wäre.

Der Grüne will die Aufmerksamkeit auch nicht nur auf einen einzelnen Straßennamen gelenkt wissen. In einem Schreiben an den Landrat hat er sich dafür stark gemacht, dass kreisweit über problematische Benennungen diskutiert wird.

Unterstützung bekommt Schroeder von Ottmar von Holtz: Der ist Afrika-Experte der Grünen im Bundestag und sitzt im Entwicklungsausschuss. Er betont die „unrühmliche Rolle“, die der Kolonialist Peters gespielt habe, und ruft dazu auf, die „Debatte offensiv zu führen“. Klar sei auch: „Wer in der Straße wohnt, der kann nichts für Carl Peters.“

Manche Städte sparen sich auch den Ärger mit den Anliegern, die sich nicht mit einer Adressenänderung herumschlagen möchten: So hat etwa Kaiserslautern seine Carl-Peters-Straße behalten – und sie per Zusatzschild einem gleichnamigen Astronomen gewidmet.

VON HOLGER BODEN

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