Neuer Trend gefällt dem Wittinger Ortsrat nicht in jeder Hinsicht

Bushaltestellen ohne Buchten in Wittingen?

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Für die Haltestelle nahe der Nöhre-Kreuzung kann der Ortsrat sich keinen Rückbau der Bucht vorstellen.

Wittingen. Kommt bald das Ende von Bushaltestellen in Buchten? „Nach neuester Lesart werden Buchten zurückgebaut“, sagte Wirtschaftsamtsleiter Günter Kruse in dieser Woche dem Wittinger Ortsrat.

Stephan Heidenreich, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Landkreis Gifhorn (VLG), bestätigt das: „Buchten soll es eigentlich nur noch in Ausnahmefällen geben. “ Diese Ansicht habe sich in der Verkehrspolitik durchgesetzt.

Heidenreich sagt aber auch: Die Entscheidung bleibe bei der jeweiligen Kommune, in der eine Bushaltestelle liegt; einen Zwang zum Umbau gebe es nicht. Gleichwohl begrüße die VLG Bestrebungen zum Rückbau der Buchten. Die Folge: Der Bus hält dann einfach auf der Straße. Solche Haltestellen gibt es schon heute, stehende Busse müssen dort mit Schrittgeschwindigkeit passiert werden.

Für die Stadt Wittingen ist das alles nicht unerheblich, denn sie steht vor der Aufgabe, bis 2022 eine Vielzahl von Bushaltestellen barrierefrei zu gestalten. Das ist kein unmittelbarer Grund für die Abschaffung von Buchten, doch Heidenreich sieht die Barrierefreiheit als eins von mehreren Argumenten gegen Haltebuchten: Wenn für behindertengerechten Einstieg die Bordsteinkanten an Haltestellen von 12 auf 18 Zentimeter erhöht werden, dann bestehe ein erhöhtes Risiko, dass ein einbiegender Bus aufsetzt.

Die weiteren Gründe: Ohne Buchten werde in Fahrtrichtung wie auch seitlich davon weniger Platz verbraucht. Für einen Gelenkbus sehe die Richtlinie eine 50 Meter lange Bucht vor, beim Stopp auf der Straße reichten 18 Meter. Durch den Haltestreifen neben der Fahrbahn sei zudem oft kein Platz für Wartehäuschen – ein Problem, das man in Wittingen von der Haltestelle hinter der Sparkasse am Hindenburgwall nur zu gut kennt. Ein anderer Nachteil laut Heidenreich: „Die Buchten werden oft von Autofahrern zum Parken genutzt.“ Dass ein auf der Straße haltender Bus eine Art Verkehrsberuhigung darstelle, sei hingegen ein aus Sicht der VLG nicht maßgeblicher Nebeneffekt.

Im Wittinger Ortsrat sorgte der Gedanke an buchtenlose Haltestellen für gemischte Gefühle – und mit Blick auf den Bereich Nöhre-Kreuzung/Sparkasse sichtlich für gewisses Haarsträuben: „Kommen nach dem Bus zwei Holzlaster, dann steht der restliche Verkehr auf der Kreuzung“, befürchtete Thomas Lemke (Grüne), und auch Amtsleiter Kruse sah Probleme durch wahrscheinlichen Rückstau auf Wittingens Hauptkreuzung. Jörg Friedrichs (CDU) nannte einen möglichen Wegfall der Haltebucht bei Nöhre einen „Rückschritt“.

Laut Heidenreich sind Haltestellen auf der Fahrbahn dort nicht ratsam, wo Anschlussbusse abgewartet werden müssen oder wo eine „sehr hohe Verkehrsbelastung“ vorliege. Damit sei aber eher nicht der Wittinger Bereich gemeint, da gebe es andernorts ganz andere Verkehrsaufkommen. Die üblichen Stehzeiten zwischen 10 und 20 Sekunden seien dem Verkehrsfluss nicht abträglich. „Und“, so Heidenreich, „so oft kommt der Bus ja auch nicht.“ Im Nordkreis dürfte das stimmen.

Von Holger Boden

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