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Bürgerstiftung soll sich neu ausrichten

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Von: Holger Boden

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Ein Schild voller Grünspan weist auf der Aufnahme von 2006 auf das alte städtische Krankenhaus in Wittingen hin.
Aus dem Verkauf des städtischen Krankenhauses stammt das Kapital für die Bürgerstiftung. Die soll nun nach knapp 16 Jahren ganz anders arbeiten als bisher. © Boden

Wittingen – 16 Jahre nach ihrer Gründung soll sich die Wittinger Bürgerstiftung in ihrer Arbeit neu ausrichten – und dem Namen „Bürgerstiftung“ auch tatsächlich gerecht werden. Dieses Ziel haben jetzt Carsten Dreblow als Kuratoriumsvorsitzender und Andreas Ritter als Vorsitzender des Vorstands gegenüber dem IK formuliert.

Die Stiftung war 2006 mit dem Erlös aus dem Verkauf des städtischen Krankenhauses gegründet worden. Mit knapp 1 Million Euro Stiftungskapital ging man damals an den Start, zudem gab es eine Zustiftung der Volksbank, viel mehr kam dann aber nicht mehr hinzu, eine letzte Zustiftung gab es offenbar 2015.

Nun, so das erklärte Ziel, sollen ein paar Defizite behoben und der Charakter der Stiftung geändert werden. „Wir sind damit nicht richtig aufgestellt“, sagt Ritter, „die Stiftung ist relativ eng an die Stadt gekoppelt und wird als städtische Stiftung wahrgenommen.“ Zudem, so räumt er ein, sei die Öffentlichkeitsarbeit ausbaufähig.

Eine der Folgen der eher geringen öffentlichen Präsenz in den letzten Jahren: Es kommen kaum Anträge, wie auch Dreblow feststellen muss. Dabei ist die Bürgerstiftung eine potenzielle Anlaufstelle für Vereine, die Zuschüsse für gemeinnützige Vorhaben brauchen. Zwar kämpft sie wie jede Stiftung mit dem seit Jahren niedrigen Zinsniveau, doch unter engen Vorgaben darf das Kapital inzwischen auch in Fonds angelegt werden, so dass laut Dreblow jährlich Erträge von 15- bis 20 000 Euro zur Verfügung stehen. Zum Inflationsausgleich sind zudem Rücklagen aufgebaut worden. Verwaltet wird die Bürgerstiftung von einer Stiftungsverwaltung in Braunschweig.

Doch was soll sich nun ändern? An der grundsätzlichen Struktur mit Stiftungsvorstand, Kuratorium und Stifterversammlung soll laut Ritter nicht gerüttelt werden. Aber: „Wir müssen die Satzung ändern und eine Strategie für einen Veränderungsprozess entwickeln.“ Die enge Bindung an die Kommune und ein Finanzinstitut soll es dann künftig nicht mehr geben, sondern: „Die Stiftung soll von Bürgern für Bürger geführt werden.“

Für Ritter und Dreblow ist klar: Der Erfolg eines neuen Weges steht und fällt mit den Personen, die sich für eine Mitarbeit in der Bürgerstiftung gewinnen lassen. Mit solchen Bürgern will man ins Gespräch kommen.

Im Ergebnis, so Ritter, solle die Bürgerstiftung dann „ganz anders auftreten“. Ihm und Dreblow schwebt vor, die Institution als „Dreh- und Angelpunkt für bürgerschaftliches Engagement“ neu aufzustellen, das Gemeinwesen damit zu stärken, eigene Aktivitäten zu entwickeln und nicht nur als „Geldausgabe-Verein“ zu funktionieren – und damit auch attraktiver für Zustiftungen oder Spenden zu werden. Ritter kann sich vorstellen, dass auch der in Wittingen bereits diskutierte Kinderfonds ein Teil der Stiftungsarbeit sein könnte. Darüber hinaus soll die Stiftung in allen 25 Orten des Stadtgebiets als Bürgerstiftung wahrgenommen werden. Dreblow: „Auch in Lüben oder Boitzenhagen soll man sagen: Das ist unsere Stiftung.“

Wie viel politische Arbeit für den Wandlungsprozess nötig wird, bleibt abzuwarten. Erklärtes Ziel ist es ja gerade, die Stadt und damit die Politik aus der Stiftung herauszuhalten, allerdings sitzen Ratsvertreter als Emissäre der Stadt in der Stifterversammlung, denn die Kommune hat ja 2006 das Gros des Kapitals eingezahlt. Laut Ritter sind aber die Fraktionen bereits über die neuen Ziele informiert worden, und man sei da auf breiten Konsens gestoßen.

Die Stiftung, so die Devise, soll sich aus sich selbst heraus verändern. Ein guter Zeitpunkt, auf diesem Weg die Ziellinie zu überschreiten (oder sie vielleicht schon überschritten zu haben), könnte 2024 sein – dann wird die Stadt 50 Jahre alt, und das könnte dem Gemeinschaftssinn im Stadtgebiet ohnehin ein neues Momentum verleihen.

Und wenn das alles nicht so klappt wie vorgesehen? „Dann“, sagt Ritter, „müssen wir die Stiftung umbenennen.“ Bürgerstiftung, so die Botschaft, soll demnächst nur noch draufstehen, wo auch Bürgerstiftung drin ist.

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