Flammen am Geburtstag

Brand in Wittinger Spörkenstraße: Wie Retter und Gerettete die Nacht erlebt haben

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Gerettete und ihre Retter (v.l.): Thomas, Dennis und Anja Schulz mit Wioletta und Bernd Lampe sowie Jalal Yari vor dem ausgebrannten Haus an der Spörkenstraße.  

Wittingen – Dem Wittinger Thomas Schulz, seiner Frau Anja und ihrem Sohn Dennis steckt die Nacht zu Sonntag noch immer in den Knochen, aber so langsam lichtet sich für sie der Staub, nachdem ihr Wohnhaus in der Spörkenstraße abgebrannt ist (das IK berichtete).

Die Familie erfährt von vielen Menschen Hilfe, und in den Trümmern ihres Hauses haben sie immerhin einen Schlüssel ihres Autos wiedergefunden – es hilft gerade jetzt ungemein, mobil sein zu können.

Die Familie hat sich inzwischen auch bei ihren Rettern bedankt. Wioletta Lampe und ihr Ehemann Bernd sowie Jalal Yari, der mit dem Ehepaar befreundet ist, hatten nach eigenen Angaben am Samstag ein paar Häuser weiter bis spät in die Nacht Möbel aufgebaut. Yari fuhr seine beiden Helfer gegen 1.45 Uhr zu deren Wohnung in einem anderen Teil Wittingens, dabei passierten sie das Haus der Familie Schulz.

„Ich sah dann etwas Helles leuchten“, erzählt Wioletta Lampe. Sie hielten den Wagen an, um genauer nachzusehen – und Bernd Lampe entdeckte das Feuer auf der überdachten Terrasse auf der Rückseite des Hauses. Daraufhin alarmierte er die Feuerwehr, gleichzeitig versuchte das Trio, die Bewohner zu wecken. Doch die Klingel schien nicht zu funktionieren: Drinnen reagierte niemand, und auch vor der Tür war kein Läuten zu hören.

Die Familie hatte in den Sonntag hineingefeiert – für Thomas Schulz war es sein 51. Geburtstag! Gegen 1 Uhr seien sie ins Bett gegangen, berichtet er. Als es dann gegen 1.45 Uhr draußen laut hupte, wurde er wach und glaubte zunächst an Ruhestörung. „Dann ging ich zum Wohnzimmer und sah die Flammen. Dann klirrte es.“

Dann musste alles ganz schnell gehen. Entsprechend verschwommen sind die Erinnerungen an diese Momente der Panik. „Als ich hörte, dass es brennt, habe ich Handy und Schlüssel gegriffen und bin schnell raus“, berichtet Dennis Schulz. Barfuß und notdürftig bekleidet ging es nach draußen. Die 79-jährige Mutter von Thomas Schulz musste unterstützt werden, auch Bernd Lampe half ihr aus dem Haus. „Nachbarn haben uns dann Decken gebracht“, sagt Thomas Schulz. Und Nachbarn waren es auch, die der Familie erzählten, wer ihre Retter waren.

Mit den vier Bewohnern flüchtete auch ein Cousin von Dennis, der in der Nacht zu Gast war, aus dem Gebäude – er war die fünfte Person, von der im ersten Polizeibericht nach dem Brand die Rede war. Eddy Schulz, Bruder von Thomas, der am Montag für die Familie mit der Presse sprach, wusste von diesem Besuch nichts und war deshalb von vier Personen ausgegangen – was auch zeigt, wie chaotisch die Situation für die obdachlos gewordene Familie und ihre Helfer zunächst war.

Jetzt hoffen sie alle, dass sie an der Spörkenstraße bald neu aufbauen können, wenn die Ruine irgendwann abgetragen ist. „Ich möchte hier wieder her“, sagt der 23-jährige Dennis.

VON HOLGER BODEN

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