„Klage wird kommen“

Boitzenhagener Windkraft-Kritiker haben Grundsatzfragen

Abendsonne über dem Windpark Boitzenhagen, von Wiswedel aus gesehen: Die Windkraft-Kritiker haben diese Simulation anfertigen lassen.
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Abendsonne über dem Windpark Boitzenhagen, von Wiswedel aus gesehen: Die Windkraft-Kritiker haben diese Simulation anfertigen lassen.

Boitzenhagen – Im Süden des Wittinger Stadtgebiets formiert sich der Widerstand gegen die geplanten neuen Windparks.

Auch wenn zuletzt viel über Teschendorf gesprochen wurde – in Boitzenhagen ist das Thema seit der Bürgerversammlung im letzten August alles andere als ad acta gelegt. 16 Familien haben sich zu einer BI zusammengeschlossen und sich bereits einen Rechtsanwalt genommen.

„Eine Klage wird kommen“, sagt Bettina Stehr. Sie ist überzeugt: „Wir haben da sehr gute Argumente.“ Mit ihre Mann Jürgen sowie Christina Matte und Rebecca Wulfert hat sie an diesem Februar-Abend zu einem Pressegespräch geladen, in dem es vor allem um grundsätzliche Dinge gehen wird. Und gar nicht so sehr um die konkreten Planungsdetails des Boitzenhagener Windparks, der seit fast zehn Jahren geplant wird.

Sie seien, so betont Bettina Stehr, keine Windkraft-Gegner, sondern Windkraft-Kritiker, die von einer anfangs positiven Haltung nun bei vielen Fragen angekommen seien. Für Jürgen Stehr ist solch eine Frage der Infraschall: Der werde, so sein Vorwurf, vom Gesetzgeber in der Planung völlig vernachlässigt, während eine Reihe von Medizinern auf Gesundheitsgefahren durch die tiefen Frequenzen hinweisen. Auch Krankenkassen hätten inzwischen die Diagnose „Schwindel durch Infraschall“ anerkannt. Der Boitzenhagener verweist auch auf Quellen wie energiwatch.dk oder windwahn.com.

Eine andere Frage ist für Christina Matte, warum funktionierende Anlagen – die nach dem EEG subventioniert wurden – nach 20 Jahren ausgemustert werden, obwohl sie noch funktionieren. Und ob diese Anlagen den seinerzeit erwarteten Mindest-Stromertrag überhaupt erreicht haben. Die Kritiker vermissen darüber hinaus Referenzwerte bestehender Anlagen für die neuen geplanten Windräder. Ihr Eindruck ist, dass „nur anhand von Nennleistung“ entschieden wird.

Bettina Stehr, die sich mit Quellen wie „Vernunftkraft“ beschäftigt hat, verweist zudem auf die Netzstabilität, die durch Zuschalten konventioneller Kraftwerke gewährleistet werden muss. Leider seien die vergangenen 20 Jahre nicht genutzt worden, Speichertechniken für erneuerbare Energien zu entwickeln.

Im letzten September war beim Landkreis in Gifhorn ein Erörterungs-Termin zum laufenden Verfahren zum Boitzenhagener Windpark nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. „Auf das Protokoll warten wir immer noch“, sagt Jürgen Stehr. Dass Bürgerwindparks oder Stiftungen die Akzeptanz vor Ort erhöhen können, glaubt er nicht – das sei eher „moderner Ablasshandel“.

VON HOLGER BODEN

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