Ein letzter Ridder-Schlag

Bockbierfest in Wittingen: 3600 Besucher beim Anstich im Festzelt

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Wo es ging, da wurde natürlich ausgelassen und mit viel guter Laune getanzt.

Wittingen – Bockbier ist immer ein guter Grund zu feiern. Da interessiert keine Jubiläumszahl, das Erscheinen des süffigen Gebräus im Frühjahr reicht aus, so die allgemeine Meinung in der Region.

Und aus der strömten am Samstagabend 3600 Gäste herbei ins Festzelt an der Celler Straße in Wittingen – in (Leder-)Schale und Karohemd oder Dirndl geworfen, und dann waren sie alle gleich.

Gewohnt gekonnt stach Wittingens Bürgermeister Karl Ridder das Fass an.

Der Bundestagsabgeordnete stand neben dem Gastwirt, der Ortsbrandmeister neben dem Musikzugmitglied, die Bürokauffrau neben dem Kfz-Mechatroniker, die Kommunalpolitikerin neben dem Schützenbruder und erhoben gleichermaßen das Glas mit dem goldbraunen Gerstensaft, der wie bisher außer „viel Liebe“ ganze 8 Prozente innehatte.

Christian (l.) und Axel Schulz-Hausbrandt begrüßten die vielen Gäste.

Darauf wies pflichtgemäß Christian Schulz-Hausbrandt bei der Begrüßung und vor dem Fassanstich hin, Bruder Axel betonte die 590-jährige Brautradition des Hauses. „G’scheit o’zapft“ wurde ein letztes Mal durch Karl Ridder. Gekonnt, wie in den vergangenen Jahren mit zwei sicheren Schlägen, stach der O’zapft-Experte, nebenbei Bürgermeister, das erste Fass an, und die Menge drängte zum Freibier. Das erste Fass reichte naturgemäß nicht für alle Gäste, doch war genug für alle da.

Die Münchner Zweitracht zog alle Register.

Um „zünftig die Sau raus zu lassen“, stand die „einzig wahre“ Oktoberfestband auf der Bühne, die Münchner Zwietracht, die zwar den Widerspruch Oktoberfest im April erwähnte, aber wen stört das schon in Zeiten, in denen der Frühling in der Winterszeit seinen Einzug hält? Der Durst war da und die gute Laune auch. Umsichtig hatten diesmal die Organisatoren die Bänke in der Mitte durch einen dritten Fuß verstärkt, um Kleinholz vorzubeugen, denn die Gäste hielt es nicht auf dem Gesäß. Eine Etage höher auf den Bänken hatte man den viel besseren Überblick über die tanzenden und feiernden Mitgäste. Zum Ruder-Lied ging es wiederum zum Sitzen auf die Bank, um bei Major Tom dann wieder im Stehen abzuheben. Eine Partyrakete zündete nach der anderen, Potpourris der unterschiedlichen Genres reihte die Münchner Zwietracht aneinander, nur langweilig wurde es nie.

Die Stimmung unter den Besuchern war hervorragend.

Auch wenn er im kommenden Jahr den Fassanstich nicht vornehmen wird, Ridder ist beim nächsten Bockbierfest wieder mit von der Partie, dann als reiner Trink- und Feiergast. „Davon geh ich mal ganz stark aus“, bestätigte er. Immerhin mindestens zwei der aktuellen Bürgermeisterkandidaten ließen sich auch blicken und konnten somit am Samstag in die theoretische Fassanstich-Lehre gehen. Und auch wenn drinnen „die Sau raus war“, ziemlich langweilig war die Fete aus polizeilicher Sicht. Es blieb alles ruhig.

VON BURKHARD OHSE

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