Wittinger gründet in Frankfurt am Main bundesweite Ärztegemeinschaft mit

„Bis aufs Blut ausgenutzt“

+
(Symbolbild)

Wittingen/Frankfurt am Main. Die „Interessengemeinschaft Medizin“ wurde jetzt in Frankfurt am Main gegründet – mit einem Wittinger als eine der treibenden Kräfte.

Dr. Rolf Mahlke

Zahnarzt Dr. Rolf Mahlke ist Mitbegründer der IG Med, einer Art Notwehr-Gemeinschaft von Ärzten auf Bundesebene. Sie will sich für bessere Arbeitsbedingungen für niedergelassene Ärzte einsetzen.

Aus der IG Med soll später eine „Deutsche Ärztegewerkschaft“ hervorgehen. Sie will „Politik und Krankenkassen die Stirn bieten“, wie die Initiatoren zuvor angekündigt hatten. Die etablierten Ärzteorganisationen hätten „ihren Kampfgeist verloren“.

Die IG Med wurde von 104 anwesenden selbstständigen Ärzten und Zahnärzten gegründet. „Die bereits jetzt vorliegenden etwa 300 Anfragen hinsichtlich einer Mitgliedschaft in der IG Med weisen auf ein hohes Interesse in den selbstständigen Heilberufen hin“, sagt Mahlke, der als einer der Pressesprecher der IG Med fungiert.

In den letzten 20 Jahren sei das deutsche Gesundheitssystem kaputtgespart worden, betont Mahlke in einer Pressemitteilung. In jedem Bereich – sei es die ärztliche Versorgung, sei es die Arzneimittelversorgung durch die Apotheken, sei es die Geburtshilfe oder sei es die Pflege – seien gesetzgeberische Maßnahmen ergriffen worden, um eine „Leistungsausweitung“ zu bekämpfen und „Kostendämpfung“ zu betreiben.

„Die Erfolge dieser rein ökonomisch ausgelegten Gesundheitspolitik sehen wir heute in Form des Personalmangels an jeder Ecke des Gesundheitswesens“, hält Mahlke fest. In spätestens fünf Jahren beginne der Exodus einer „frustrierten, weil bis aufs Blut ausgenutzten Ärzteschaft“ – und zwar sowohl bei den Hausärzten, den Fachärzten als auch bei den Zahnärzten. Selbstständige Hebammen würden ihren Beruf aufgeben, weil sie damit ihren Lebensunterhalt nicht mehr verdienen könnten. „Wir erleben derzeit gerade auf dem Land ein Apothekensterben und die Physiotherapeuten können ebenfalls durch den politisch verordneten Sparwahn der Krankenkassen ihre Behandlung nicht mehr anbieten und schließen teilweise ihre Praxen.“

Aus diesen Gründen beginnt die IG Med, die im medizinischen Bereich tätigen Selbstständigen in einer Bewegung zu vereinen und die Forderungen der selbstständig tätigen Heilberufler zu bündeln. An erster Stelle ihrer Forderungen steht eine der Leistung angemessene Vergütung für die Arbeit am und für den Patienten. Sie wendet sich gegen eine „immer weiter wachsende Kontrollbürokratie“. Das Fünfte Buch Sozialgesetzbuch (SGB V) müsse auf den Prüfstand. Eine grundsätzliche Diskussion um die Gesundheitsversorgung in Deutschland – mit der Durchsetzung einer gleichmäßigen Verteilung von Lasten, Pflichten, Rechten und Ausgleich für die Betroffenen – sei nötig.

Von Paul Gerlach

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.