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Bio-Wärme für Wittinger Baugebiete?

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Von: Holger Boden

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Eine Biogasanlage steht hinter einer Wiese, auf der Sommerblüten stehen.
Biogasanlagen können Ökostrom und Wärme liefern – eine Zukunfts-Idee für die Versorgung von Baugebieten in Wittingen, oder ein Angebot, für das es keine Nachfrage mehr geben wird? © Maurizio Gambarini / dpa

Wittingen – Sollen künftige Baugebiete im Wittinger Stadtgebiet mit Nahwärme aus Biogasanlagen versorgt werden? Ein entsprechender Vorstoß der Grünen soll jetzt weiterverfolgt werden, allerdings stieß die Idee im Ausschuss für Stadtentwicklung auch auf gewisse Skepsis.

Thomas Lemke (Grüne) erläuterte den Antrag seiner Fraktion: Man wolle anregen, dass die Stadt rechtzeitig mit potenziellen Anbietern ins Gespräch kommt. Der Politik sollten Informationen vorgelegt werden hinsichtlich etwaiger Fördermöglichkeiten oder Modalitäten von Ausschreibungen.. „Wenn die Häuser erst gebaut sind und die Heizungen drin, dann ist es zu spät.“

Sabrina Puskeiler, Abteilungsleiterin für Stadtentwicklung, wies darauf hin, dass es prinzipiell die Möglichkeit gebe, solche Heizungs-Alternativen im Bebauungsplan festzusetzen. Allerdings könne das rechtlich „auf wackligen Beinen“ stehen, weil in Wittingen noch die Voraussetzungen fehlen. Eine Kommune müsse sich bei solchen Vorgaben in der Regel auf ein Klimaschutzkonzept stützen – so etwas hat Wittingen (noch) nicht.

Klaus Palluck (FWG) und Eckhard Meyer (BA) begrüßten den Vorstoß der Grünen vom Grundsatz her. Der Ausschussvorsitzende Karl-Heinz Brandes (CDU) verwies jedoch darauf, dass sich ein Nahwärmenetz für ein modernes Baugebiet möglicherweise gar nicht wirtschaftlich darstellen lasse – weil am Ende die Abnehmer fehlen: „Wer heute ein Haus baut, der ist doch gezwungen, energiesparend zu bauen. Die Nahwärme-Leitungen in die Erde zu legen, birgt ein gewisses Risiko, wenn die Häuser gar kein Gas mehr brauchen.“ Brandes, der für die LSW arbeitet, berichtete, dass aus diesem Grund schon jetzt bei Baugebieten mitunter überlegt wird, keine Gasleitungen mehr zu verlegen. Nahwärme aus einer Biogasanlage rechne sich nur bei Altbestand.

Stadtbürgermeister Andreas Ritter sah es ebenfalls als wahrscheinlich an, dass in Neubauten eher Wärmepumpen zum Einsatz kommen. Er gab zudem der Befürchtung Ausdruck, dass Wittinger Baugebiete für die Bauherren „umso uninteressanter werden, je mehr wir in den Bebauungsplänen vorschreiben“.

Am Ende entschied sich der Ausschuss aber dafür, die Spur zur Nahwärme-Versorgung zumindest aufzunehmen. Die Verwaltung soll mögliche Nahwärme-Anbieter kontaktieren und der Politik dann im Spätsommer weitere Informationen vorlegen.

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