Wittingen im Jahr 1955 auf Schmalfilm: Heimatverein zeigt digitalisierte Version

Bilder, die wieder laufen lernten

„Bei uns zu Haus“: Der Film aus dem Jahr zeigt längst verschwundene Gebäude ebenso wie Wittinger Menschen, Straßen (unten rechts die Lange Straße), Neubaugebiete (links die Goethestraße) und vieles mehr.

Wittingen. Das dürfte viele bewegen, die damals dabei waren: Der Wittinger Heimatverein hat einen Film aus dem Jahr 1955 vor dem Verfall gerettet und digitalisiert, den holländische Studenten 1955 in der Stadt per Schmalfilmkamera auf Zelluloid gebannt haben.

„Bei uns zu Haus“, so der Name des Streifens, wird am Mittwoch, 9. November, um 15 Uhr im Junkerhof auf großer Leinwand gezeigt.

Die schwarz-weißen Bilder des filmischen Frühwerks könnten für die 50er Jahre kaum typischer sein und zeigen ein Wittingen, das zehn Jahre nach dem Krieg wieder einen relativ geregelten Alltag gefunden hat. Vereine präsentieren ihr Können, es wird musiziert, geturnt, geritten, gegärtnert, am Stadtrand wachsen Siedlungsstraßen.

Zu verdanken hat die Stadt das Dokument den „Musikfreunden“. Dieser inzwischen aufgelöste Zusammenschluss gab nach Kenntnis von Hans Messerschmidt damals den Auftrag für den Film. „Wer den Kontakt hergestellt hat, weiß keiner mehr“, sagt Messerschmidt, der bei der Restaurierung des Films federführend war.

Nicht das einzige Geheimnis, das den einstündigen Stummfilm umgibt. So ist das Original verschwunden, und die Vorlage für die Digitalisierung ist die Kopie einer Super-8-Kopie. Und die musste erst einmal aus der Nähe von Wolfsburg zurückgekauft werden, weiß Messerschmidt. Der Heimatverein habe diesen Kauf getätigt, als er noch unter der Ägide der inzwischen verstorbenen Barbara Berger stand. Wie der Streifen überhaupt nach Wolfsburg kam, ist unbekannt.

Für Messerschmidt war es ein Anliegen, das Filmmaterial jetzt an die Öffentlichkeit zu bringen: „Noch leben viele, die in dem Film zu sehen sind.“ Das Heimatvereins-Team hat sich auch die Mühe gemacht, mit Hilfe von Bürgern die Namen von gezeigten Personen und Firmen herauszufinden und diese Informationen in die digitalisierte Version einzuarbeiten. Dafür wurden aus den rund 110 000 Einzelbildern des Films 1100 Postkartenbilder erstellt, um eine detaillierte Betrachtung zu ermöglichen.

Auf dem Sommerfest wurde der Streifen bereits am Stand des Heimatvereins gezeigt, DVDs davon gingen, so Messerschmidt, „weg wie warme Semmeln“. Wer die Gelegenheit im Sommer verpasst hat, kann nun am 9. November sich selbst, die eigenen Eltern oder auch die Großeltern auf der Junkerhof-Leinwand wiederentdecken.

Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Tickets für die Uraufführung am 18. Dezember 1955 im Hotel Nöhre kosteten noch 1,30 Mark im Vorverkauf und 1,40 Mark an der Abendkasse. Eine besondere Kindervorstellung gab es damals auch – für 40 Pfennig pro Nase.

Von Holger Boden

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