Schauimkerei an Rader Streuobstwiese geplant / Projekt soll für wichtige Rolle der Insekten sensibilisieren

Bienen in den Blickpunkt

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Dieser Bienenwagen soll einmal das Herzstück der geplanten Schauimkerei an der Rader Streuobstwiese sein. Zuvor muss das Gefährt, das früher in der DDR zum Vollerwerb gedient hat, restauriert werden. 

Rade. Bienensterben, Verlust von Artenvielfalt, Nachwuchsprobleme bei Imkern – der Trägerverein der Streuobstwiese in Rade will angesichts dieser Trends ein Zeichen setzen und mit dem Aufbau einer Schauimkerei auf die wichtige Rolle aufmerksam machen, die die Honigbiene im Ökosystem spielt.

Christian Schroeder im Inneren des Bienenwagens – eine ausfahrbare Arbeitsbühne erlaubt den Zugriff auf die oberen Kästen.

Die Eröffnung ist für das Frühjahr 2019 geplant. Kernstück der Schauimkerei soll ein großer Bauwagen werden, der früher in der DDR zu einem Bienenwagen umgebaut wurde. „Der wurde zu LPG-Zeiten sogar im Vollerwerb genutzt“, weiß Christian Schroeder vom Trägerverein. Nach mehr als einem Jahr Suche haben er und seine Mitstreiter das Gefährt in Mecklenburg-Vorpommern ausfindig gemacht und per Tieflader nach Rade bringen lassen – der Wagen dämmerte in der Nähe der A 20 unweit von Rügen vor sich hin.

In dem Holzbau auf Rädern ist Platz für rund 70 Beuten. Diese Bienenbehausungen können von einem Mittelgang aus bedient werden. „Das ist Imkerei vom alten Schlag, ein Stück Kulturgut“, weiß Schroeder. In der modernen Imkerei werde eher mit Kästen gearbeitet, die auf Felder gestellt werden.

Zudem beinhaltet der Wagen einen Raum zum Honigschleudern. Dort soll Besuchern der Schauimkerei die Honigverarbeitung erläutert werden. Der Trägerverein hat bereits einen Imker gewinnen können, der das Projekt betreuen wird. Schroeder selbst will sich als Back-Up auch in der Imkerei ausbilden lassen.

Der Rader verweist auf die essenzielle Funktion der Biene bei der Bestäubung von Obstblüten. „Damit ergibt sich eine nahezu zwingende Notwendigkeit, die Honigbiene und die Imkerei als eine Grundlage unserer Land- und damit Nahrungswirtschaft zu erhalten“, sagt Schroeder. Pestizide, Monokulturen und Verlust von Artenvielfalt würden die Bienen ebenso bedrohen wie die aus Asien eingeschleppte Varroa-Milbe und andere Parasiten. Und: Der größte Teil der 90 000 Hobby-Imker in Deutschland sei über 60 Jahre alt – die Verbände hätten also ein Nachwuchsproblem. Doch letztlich seien es die Imker, die das Überleben der Honigbiene und ihre Bestäubungsleistung sichern.

Vor allem Kinder und Familien sollen in der Schauimkerei für solche Zusammenhänge sensibilisiert werden – bis hin zum Erlernen von Fertigkeiten im Zusammenhang mit der Hobby-Imkerei. Gleichzeitig erhofft sich der Trägerverein natürlich Synergieeffekte für die Streuobstwiese, wo man jetzt bereits einen Rückgang bei der Bestäubung der zirka 120 Bäume registriert. Schroeder: „Wir hatten dieses Jahr viel Blüte, aber wenig Bienen.“

Bis zur Eröffnung im nächsten Frühjahr – zunächst sollen dann sechs Bienenvölker einziehen – ist noch viel zu tun. Der Bienenwagen muss restauriert werden, und Geldgeber für das Projekt sind noch willkommen. Schroeder rechnet mit Gesamtkosten von rund 10 000 Euro. Von der Concordia-Stiftung und der Wittinger Bürgerstiftung gebe es bereits Unterstützung bzw. eine Förderzusage.

Von Holger Boden

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