Wittinger Nordkreis-Börse: Viele Unternehmen suchen händeringend Mitarbeiter

Betriebe brauchen Bewerber

Diskutierten in der Stadthalle über den Arbeitsmarkt: der künftige Landtagsabgeordnete Tobias Heilmann (v.l.), Silke Babiel (Bereichsleiterin bei der Agentur für Arbeit), Stadtbürgermeister Karl Ridder, Torsten Wrede (Mitorganisator der Börse, Arbeitgeber-Service Gifhorn), Jobcenter-Geschäftsführer Andreas Standop und Jobcenter-Teamleiter Thomas Steinborn, federführend zuständig für die Börse.
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Diskutierten in der Stadthalle über den Arbeitsmarkt: der künftige Landtagsabgeordnete Tobias Heilmann (v.l.), Silke Babiel (Bereichsleiterin bei der Agentur für Arbeit), Stadtbürgermeister Karl Ridder, Torsten Wrede (Mitorganisator der Börse, Arbeitgeber-Service Gifhorn), Jobcenter-Geschäftsführer Andreas Standop und Jobcenter-Teamleiter Thomas Steinborn, federführend zuständig für die Börse.
  • Holger Boden
    VonHolger Boden
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Wittingen. Bis 11 Uhr hatten Hartmut Zschumme und sein Sohn David schon drei interessante Bewerber kennengelernt – es lief bei der Arbeitsmarktbörse in der Stadthalle also ganz gut für den Wittinger Dackdeckereibetrieb.

„Das ist hier ein prima Forum, sich kennenzulernen“, sagte der Unternehmer, der nach Verstärkung für sein Team Ausschau hielt.

David Zschumme (v.l.), Hartmut Zschumme und Arbeitsvermittlerin Meike Kluge im Gespräch mit dem Hankensbütteler Henry Ock. Fotos: Boden

Bei 4,3 Prozent liegt derzeit die Arbeitslosenquote im Landkreis Gifhorn, 4108 Menschen sind als arbeitslos gemeldet. Mancher Experte sieht das als Vollbeschäftigung. Börsen wie die gestrige in Wittingen, zu der das Jobcenter und die Agentur für Arbeit Gifhorn in Kooperation mit der Stadt Wittingen eingeladen hatten, geraten damit zu einem für viele Unternehmen unverzichtbaren Baustein des Personalmarketings.

Der Nordkreis bietet eine Vielfalt an Arbeitgebern.

Andreas Standop

Denn Bedarf gibt es in Zeiten boomender Wirtschaft allenthalben: „Wir suchen alles, vom Helfer bis zur Fachkraft, vom Lehrling bis zum Meister“, erklärte Hartmut Zschumme.

Nico Franke (v.l.) erläuterte Catharina Boller und Corinna Brunner (beide Lorenz Snack World) sowie der Arbeitsvermittlerin Astrid Schulz sein Interesse an einer Stelle im Hankensbütteler Chipswerk.

Richtig gute Jobchancen, das lernte man am Stand von Bischof Reisen, gibt es derzeit auch für Busfahrer. „Die sind schwer zu finden, die suchen wir immer“, erläuterte Lisa-Marie Scheller. Und die Situation werde für die Unternehmen wohl noch schwieriger, weil viele Fahrer schon älter als 55 seien. Da die Arbeitszeit flexibel gestaltet sei, könnten gerade auch Frauen den Beruf gut mit der Familie vereinbaren. 23 Unternehmen präsentierten sich gestern in der Stadthalle. Eigentlich hätten es 27 sein sollen, doch vier sagten kurzfristig ab. „Das kann einem ein bisschen die Stimmung verderben“, sagte Thomas Steinborn, Teamleiter beim Jobcenter. Schließlich seien auch für diese vier Firmen Termine mit Arbeitsuchenden vereinbart gewesen. So schauten einige Bewerber in die Röhre – oder spontan bei einem anderen Stand vorbei.

Die Wittinger Stadthalle wurde gestern zum Gesprächsforum für 23 Unternehmen und mehr als 400 Bewerber.

328 Gesprächstermine waren im Vorfeld vergeben worden, immer begleitet von einem Arbeitsvermittler, der Hinweise zu Förder- oder zusätzlichen Qualifikationsmöglichkeiten geben konnte. Auch unangemeldete Besucher waren durchaus eingeplant, die Gesamtzahl der Interessenten schätzte Steinborn gestern auf 400 bis 500. Stadtbürgermeister Karl Ridder sah den Vorteil der Börse im direkten Gespräch von Betrieb und Bewerber – die Papierform einer schriftlichen Bewerbung könne den ersten Eindruck verfälschen.

Jobcenter-Geschäftsführer Andreas Standop lobte das Format der Nordkreis-Börse als „niederschwellig“. Das sieht man auch beim Wittinger E-Center als großes Plus. Im Alltag spaziere niemand mal eben mit einer Bewerbung ins Haus, die Börse baue Hemmschwellen ab und sei eine gute Gelegenheit zum Kennenlernen, sagte Inhaber Walter Bock-Lühmann, dem die junge Wittingerin Catalina Hobel gerade eine Bewerbung für einen Ausbildungsplatz überreicht hatte. „Etwas mit Lebensmitteln zu machen, wäre super“, sagte Hobel, die gerne eine Lehrstelle in Wittingen finden würde.

Am Stand von Lorenz Snack-World saß derweil Nico Franke, der sich das Chipswerk als Arbeitgeber seiner Wahl ausgeguckt hatte. Catharina Boller und Corinna Brunner aus der Personalabteilung hatten zwar aktuell nur ein bis zwei Stellen anzubieten, sahen die Börse aber auch als Gelegenheit, Kontakte für künftige Vakanzen zu knüpfen – es gebe derzeit eben nicht viele Bewerber.

Von Holger Boden

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