Das Wittinger Freibad hat zwei neue Schwimmmeister

Bereitschaft, nicht Urlaub

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Zu den Arbeitstellen von Thorsten Sierck und Sascha Weiss gehörten in der Vergangenheit Betriebe in Großstädten wie Hannover, Hamburg oder Frankfurt. Nun haben sie das Freibad in Wittingen voll im Griff.

Wittingen. Es ist zehn Uhr, die Sonne scheint, die Temperaturen klettern langsam in die Höhe. Im Freibad ziehen die ersten Schwimmer gemächlich ihre Bahnen. Sascha Weiss und Thorsten Sierck stehen am Beckenrand, die neuen Schwimmmeister haben alles im Blick.

Für den Sparkensehler Thorsten Sierck ist das Freibad seit Anfang Mai sein neuer Arbeitsplatz, Sascha Weiss aus Uelzen kam vor einer Woche dazu.

Angesprochen auf das luftig lockere T-Shirt und die schwarzen Shorts sowie das idyllische Arbeitsumfeld bricht das Duo im Gespräch mit dem IK für seinen nicht alltäglichen Berufszweig eine Lanze. „Wer uns beobachtet, für den sieht es aus wie im Urlaub. Aber wir sind wie Rettungssanitäter jederzeit in Bereitschaft, wir tragen die Verantwortung“, erklärt der 52-jährige Thorsten Sierck. Dass neben den glücklicherweise seltenen Ernstfällen viel Zeit für den vielseitigen Kontakt mit Badegästen bleibt, macht den Job für die beiden Männer zum Traumberuf.

Nachdem die Pforte zum Wittinger Freibad aufgeschlossen ist, beginnt der Arbeitsalltag allerdings nicht mit einem Kopfsprung ins kühle Nass. Pumpen, Wasserqualität und Technik müssen überprüft werden, auch Dinge zu reinigen fällt in das Aufgabenfeld der Schwimmmeister. Beide gehören nach einer dreijährigen Ausbildung – Sierck machte in Uelzen sogar seinen Meister – und Arbeitsstellen in Großstädten wie Hannover, Hamburg oder Frankfurt schon längst zu den alten Hasen. „Wir sind wirklich froh, dass wir zwei so kompetente Menschen finden konnten. Sie sind schließlich auch Repräsentanten der Stadt“, ist Bauamtsleiter Sascha Liwke angesichts des überschaubaren Angebots an Fachkräften für den Bäderbetrieb froh. Neben der fachlichen Kompetenz ist ihm wichtig, dass die neuen Schwimmmeister eine gewisse Ruhe ausstrahlen. „Das ist entscheidend, so kann Familien vermittelt werden, dass ihre Kinder unter Aufsicht und in Sicherheit sind.“

Haltung und Ruhe bewahren – das gehört auch dazu, wenn Halbstarke ihre Grenzen austesten, auf dem Gelände Bier trinken und verbotenerweise vom Beckenrand springen. „Die 13- bis 18-Jährigen treten da vor allem in Erscheinung. Dass ich aber wirklich ein Badeverbot aussprechen muss, bleibt die Ausnahme“, schmunzelt Sascha Weiss. „Aber gerade jetzt in der Anfangszeit wurde wir schon gerne mal ausgetestet“, fügt der 30-Jährige hinzu. Er hat bei seinem Arbeitskollegen früher teilweise seine Ausbildung absolviert, durch Zufall bewarben sich beide auf die freien Stellen im Wittinger Freibad und arbeiten jetzt wieder zusammen.

Ein weiteres neues Gesicht sitzt an der Kasse. Birgit Boy wird den Badegästen am Eingang ihre Eintrittskarte aushändigen. So können die Wittinger ihren Aufenthalt im Freibad und im Winter in der Knesebecker Schwimmhalle genießen. „Dass sollten die Leute zu schätzen wissen. Ganzjähriger Badebetrieb ist wirklich nicht selbstverständlich“, betont Liwke.

Von Melanie Friedrichs

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