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Gut oder schlecht für Wittingens Altstadt?

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Von: Pascal Patrick Pfaff

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Ein Baum in Wittingens Kleiner Wallstraße ist bereits in mehrere Einzelteile zerlegt worden.
Ein Baum in der Kleinen Wallstraße ist bereits in mehrere Einzelteile zerlegt worden. © Privat

Wittingen – Friedrich O. Winkelmann ist sauer. Grund sind die Baumfällarbeiten, die in diesen Tagen in der Wittinger Altstadt erfolgen. Eine Aktion, die der Rechtsanwalt nicht nachvollziehen kann – aus seiner Sicht wegen der falschen Schwerpunkte, die von den politisch Verantwortlichen in der Planung gesetzt wurden. Winkelmann sorgt sich, und glaubt, dass es innerorts nun zur großen Ödnis kommt: „Vermutlich werden jetzt vermeintlich einheitlich erscheinende Kugelkopfahorne mit jährlichem Pflegebedarf gepflanzt, zur Aufrechterhaltung des Stadtbildes und ‘gestalterischer Uniformität’.“

Durch Baumfällungen Mikro-Klima gestört?

Der Wittinger sieht durch die Baumfällarbeiten das Mikro-Klima in der Langen Straße und umliegenden Arealen gefährdet – und wirft der Politik vor, die Bäume „unter dem bewusst falschen Vorwand, alt und krank zu sein“, zu beseitigen. Zudem fragt er sich, ob die Aktion auch vorgenommen werden würde, wenn die Bäume unter Schutz gestanden hätten: „Was wäre gewesen, hätte sich die Politik im lichten Augenblick ihrer Verantwortung, genauer im Jahre 2011, ein Baumkataster gegeben und die Bäume im Altstadtbereich als ortsbildprägend aufgenommen?“

Vom IK auf Winkelmanns Einlassungen angesprochen, gibt Wittingens Stadtbürgermeister Andreas Ritter zu Protokoll, dass „ein Kataster lediglich der Bestandsaufnahme dient und hiermit Bäume durchnummeriert sind“. Aus dem Dokument selbst werde keine politische Entscheidung abgeleitet, vielmehr komme diese über die Diskussionen in den Ausschüssen und dem Ortsrat zustande. Und dort sei der Beschluss gefallen, Veränderungen durchzuführen: „Es geht darum, mehr Grün in die Stadt zu bringen. Wir wollen dazu beitragen, die City attraktiver zu machen.“

Teile der Bäume seien abgängig gewesen – aufgrund von Insektenbefall und Fäulnis, wie es von Sabrina Puskeiler und Rick Thaysen aus der Verwaltung heißt. Auch seien die Bäume in viel zu kleine Grünringe gepflanzt worden, weshalb sie Probleme mit dem Wurzel- und Stammwerk sowie der Wasseraufnahme gehabt hätten. „Wir setzen jetzt im gesamten Bereich Säulenhainbuchen ein. Da wächst das Wurzelwerk nach unten. Außerdem sind sie in der Breite nicht so ausladend“, so Thaysen über die Maßnahmen, die bis zum 31. März 2023 umgesetzt sein sollen.

Laut Ortsbürgermeister Lars Dreyer-Winkelmann sind dies alles Schritte, die nötig sind. Winkelmanns Vorwurf, der Politik liege nichts am Mikro-Klima in der Altstadt, weist der Ortsbürgermeister zurück: „Das ist weder mir noch dem restlichen Ortsrat egal. Wenn aber festgestellt wird, dass die Bäume nicht gesund sind, dann haben wir kein Problem damit, sie auszutauschen.“ Entgegen Winkelmanns Vorwurf erkenne er nicht, dass die Ortspolitik verantwortungslos handele. Im Sinne von Ritters Argumentation sieht Dreyer-Winkelmann ein Plus in Sachen Vegetation: „Zudem sorgen wir auf diese Weise für weniger Bodenversiegelung.“

Uneins sind sich Dreyer-Winkelmann und Ritter indes, als was der abzuholzende Baum am Bistro „Cappuccino“ in der Langen Straße zu bezeichnen ist. Empfindet Dreyer-Winkelmann ihn als „am kaputtesten von allen, massiv geschädigt und morsch“, so ist der Baum laut Ritter „gesund“. Gefällt werde er deswegen, weil er klebrig sei und Blüten abwirft.

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