Stadt will Flächen in Wittingen und Knesebeck / Eigene Erschließungsgesellschaft derzeit kein Thema

Bauland händeringend gesucht

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Wittingen von oben, links im Vordergrund der fast vollständig bebaute erste Abschnitt des Steinhaufenackers. Die Politik sucht in Wittingen wie auch in Knesebeck nach neuen Flächen, die sich als Bauland eignen. 

Wittingen. Wahrenholz ist inzwischen beim Baugebiet „Im Syke III“ angekommen, Hankensbüttel will beim Lehmkuhlenweg und in Emmen nachlegen, und in Rühen wird sowieso dauernd Bauland ausgewiesen.

Und Wittingen? Schon lange kommt aus der Politik der Ruf nach neuen Baugebieten, Wittingens Ortsbürgermeister Matthias Rönneberg (CDU) hat jüngst noch einmal die Forderung nach Wachstum erneuert. 2018 soll nun das Jahr werden, in dem die Brauereistadt für Bauwillige wieder etwas zu bieten hat.

An der Kakerbecker Straße sollen 20 Grundstücke ausgewiesen werden, noch steht aber der Bebauungsplan nicht.

Die unmittelbaren Hoffnungen ruhen auf dem neuen Baugebiet an der Kakerbecker Straße. Die Beratungs- und Erschließungsgesellschaft Baureif aus Braunschweig will die geplanten 20 Parzellen vermarkten, allerdings muss der Bebauungsplan erst noch Rechtskraft erlangen, damit die Erschließung beginnen kann: „Wir warten auf den Satzungsbeschluss“, sagt Christine Rogiers von Baureif. „Wir hoffen, dass dieser zeitnah erfolgt.“ Mit anderen Worten: Dieses Jahr soll es losgehen, am Besten, sobald die warme Jahreszeit naht. „Interessenten“, so Rogiers, „können sich schon melden.“

Die Zinsen weiter auf Sinkflug, die Nachfrage in der Region ungebrochen – in der Wittinger Politik geht man davon aus, dass die 20 Grundstücke schnell weg sein werden. Darum soll schon jetzt Nachschub her. Laut Stadtbürgermeister Karl Ridder laufen in Wittingen und Knesebeck Gespräche über Grunderwerb. In beiden Fällen werde das über die NLG abgewickelt – die Niedersächsische Landgesellschaft, die unter anderem bei der Baulandentwicklung als Dienstleister für Kommunen agiert.

Nach Ridders Informationen sind die Gespräche „auf einem guten Weg“. Eine Herausforderung beim Flächenkauf sei, dass die Eigentümer – meist Landwirte – für ihr Land in erster Linie kein Geld sehen wollen, sondern lieber Ersatzflächen, die für sie in zumutbarer Entfernung liegen. Das erfordere einige Gespräche. Immerhin könne die NLG dabei aber auf einen Flächenpool zurückgreifen, auch im Wittinger Bereich.

In Knesebeck hat man laut Ortsbürgermeister Heinz-Ulrich Kabrodt (SPD) potenzielles Bauland im Bereich Feldstraße im Visier. „Die Plätze werden schnell weg sein“, glaubt Kabrodt, der „viele Anfragen“ registriert. Auch in Knesebeck müsse man sich deshalb „schon Gedanken über das nächste Baugebiet machen“.

Weil es eilt, ist die Frage nach dem künftigen Vorgehen bei der Bauland-Erschließung derzeit in den Hintergrund getreten. Schon lange gibt es Überlegungen zur Gründung einer stadteigenen Erschließungsgesellschaft – bislang ohne Ergebnis. Rathauschef Ridder sieht dabei mit Blick auf Rechtsform und mögliche Partner noch zu viele offene Fragen und stellt sich zudem die Frage nach dem Nutzen: „Ich halte es für den besseren Weg, weiterzumachen wie bisher. So geht es schneller.“

„Die Bauplätze werden schnell weg sein.“

Heinz-Ulrich Kabrodt

Diese Auffassung teilt SPD-Fraktionschef Hans-Heinrich Koch. Die Gespräche über eine Erschließungsgesellschaft lägen seit zirka einem Jahr auf Eis, er persönlich halte den Ansatz für nicht zielführend: „Das lohnt sich für Wittingen nicht, der Aufwand ist da größer als der Nutzen.“ Koch will weiter auf Partner wie die NLG setzen.

Weil derzeit im Rathaus die personellen Kapazitäten fehlen – unter anderem sind der Erste Stadtrat Peter Rothe und Bauamtsleiter Sascha Liwke längerfristig ausgefallen –, kommt auch von den entschiedenen Befürwortern einer eigenen Erschließungsgesellschaft derzeit in dieser Hinsicht kein Druck: „Es muss schnellstens neues Bauland geben, auf welche Weise auch immer“, sagt der Chef der Gruppe CDU/Grüne im Stadtrat, Uwe Hoppmann. Angesichts der Situation im Rathaus sei Pragmatismus angebracht – die technischen Modalitäten bei der Suche nach Baugebieten seien derzeit zweitrangig.

Bei der FWG bleibt man derweil bei der Auffassung, dass die Nutzung von Baulücken und leerstehender Innenstadt-Bebauung Vorrang vor der Ausweisung neuer Baugebiete haben sollte. „Das sollte die Politik propagieren“, findet Fraktionschef Dr. Thomas Weiland. Für eine Erschließungsgesellschaft sieht er keinen Bedarf.

Von Holger Boden

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