„Bauland-Bedürfnisse zeitnah befriedigen“

Die Wittinger Bürgermeisterkandidaten im IK-Interview – Heute: Jörg Bialas (SPD)

Wittingen – Wittingen wählt am 26. Mai einen neuen Stadtbürgermeister. Die Wahlberechtigten können zwischen vier Kandidaten und einer Kandidatin entscheiden. Alle fünf sprechen diese Woche im großen IK-Interview über ihre Ziele.

Den Anfang macht SPD-Kandidat Jörg Bialas. Das Gespräch führte Holger Boden.

Herr Bialas, was ist die Motivation für Ihre Kandidatur für das Bürgermeisteramt in Wittingen?

Der Vorhoper Jörg Bialas will das Amt an der Spitze des Wittinger Rathauses für die SPD erobern.

Als SPD wollen wir einen eigenen Kandidaten für dieses Amt präsentieren. Der Ortsverein hat die Frage der Kandidatur an mich herangetragen – und ich stelle mich gern dieser besonderen Herausforderung. Für mich geht es darum, sozialdemokratische Vorstellungen mit dem Amt des Stadtbürgermeisters zu verbinden und Wittingen voranzubringen. Für Familien, für Ältere, als Wirtschaftsstandort.

Was hat Sie 2011 in die SPD geführt?

Das hat mit meiner Vita zu tun. Ich stamme aus Sachsen-Anhalt, meine Frau und ich leben seit 1998 in Vorhop, 2004 wurde unser Sohn geboren. Dann folgten Fragen rund um Kinderbetreuung, Hort und Schule, das hat mich in die Kommunalpolitik gebracht. Bei all dem habe ich mich stets den Vorstellungen und Idealen der SPD sehr nahe gesehen.

Sie hätten im Stadtrat keine SPD-Mehrheit hinter sich – aus Ihrer Sicht ein Problem?

Grundsätzlich sollte der Stadtbürgermeister für alle Einwohner da sein. Das ist auch mein Anspruch: eine neutrale Amtsführung, ungeachtet politischer Farbenspiele. Mit den geltenden Mehrheiten muss man dann arbeiten und schauen, welche Ziele sich einbringen lassen.

Welches Schwerpunktthema sehen Sie für Wittingen in den nächsten Jahren?

Ich möchte Sorge dafür tragen, dass Wittingen und seine Orte als ein Bereich wahrgenommen werden, wo jeder die Chance hat, seine Vorstellungen vom Leben zu verwirklichen. Es geht um adäquate Daseinsfürsorge, um Wohnqualität, um die Unterstützung der älteren Generation. Das muss alles finanzierbar sein, deshalb sind diese Ziele für mich eng damit verknüpft, Wittingen als Wirtschaftsstandort zu stärken und auszubauen, damit wir gut mit Gewerbesteuern ausgestattet sind.

Welche Entwicklung soll dabei der Hafen nehmen?

Das Hafengebiet muss für jene Unternehmen interessant sein, die einen oder mehrere der drei Transportwege – Bahn, Straße, Wasser – nutzen wollen. Die Frage der Umschlagmengen bestimmt, in welche Richtung wir uns dabei bewegen, also eher landbasiert oder am Wasser. Klar ist aber schon aus ökologischen Gründen, dass wir nicht nur auf den Straßentransport setzen sollten.

Sie werben für den Erhalt des Krankenhauses – wie wollen Sie das als Bürgermeister beeinflussen, wenn die Stadt nur 4 Prozent der Anteile hält?

Die direkten Einflussmöglichkeiten sind freilich gering. Wichtig ist, mit dem Betreiber in Kontakt zu bleiben und ihm die Verantwortung bewusst zu machen, die er in Wittingen hat.

Wie wollen Sie den Engpässen bei der Kinderbetreuung entgegentreten?

Was die Gebäude angeht, haben wir die Hausaufgaben gemacht – das Problem sind angesichts des gestiegenen Bedarfs die verfügbaren Fachkräfte. Da kommt dann wieder ins Spiel, dass wir Wittingen als attraktives Gesamtpaket gestalten und präsentieren müssen – um eben auch für Fachkräfte attraktiv zu sein. Die Betreiberdiskussion sehe ich unabhängig von dieser Problematik als ergebnisoffen an. Die Kirche hat gezeigt, dass sie ein guter Partner ist, aber wir sind verpflichtet, auch andere Anbieter zu hören.

Welche Pläne hätte ein Bürgermeister Bialas für die Baulandpolitik?

Ich beobachte, dass vielfach der Wunsch da ist, hier vor Ort bauen zu können. Diese Bedürfnisse müssen wir zeitnah befriedigen. Auch den kleineren Orten sollten wir ermöglichen, im Rahmen der Raumordnung den Vor-Ort-Bedarf decken zu dürfen. Schwerpunkte der Entwicklung werden aber freilich die größeren Orte sein, insbesondere Wittingen und Knesebeck. Ich möchte, dass wir auch alternative Wohnprojekte möglich machen, ebenso wie das klassische Einfamilienhaus.

Ihre Haltung zur Hähnchenmast?

Ein Thema, das natürlich polarisiert. Es geht um den Tier- und Umweltschutz auf der einen Seite und die Interessen der Landwirtschaft auf der anderen. Und die Konsumenten wollen gewisse Bedürfnisse befriedigt sehen. Sollen wir uns als Stadt also restriktiv verhalten? Wo kommt das Fleisch dann her, und unter welchen Bedingungen wird es dort produziert? Ich frage mich auch: Muss das eine Kommune vor Ort entscheiden? Oder sollte man vielleicht wie bei der Windkraft lieber einen größeren Bereich betrachten, für den man diese Fragen regelt? Im Ergebnis werden wir unter den gegenwärtigen Bedingungen um einen Kompromiss ringen müssen.

Muss der Bauherr der A 39 – also der Bund – noch mehr für den Lärmschutz der Anwohner tun?

Die Planungen sind weit fortgeschritten und der Bund tut sich mit dem Lärmschutz schwer. Wenn mit der eintretenden Verkehrsbelastung auch Lärmfolgen eintreten, muss man über begleitende Maßnahmen nachdenken, und vielleicht sollte man sich schon im Vorfeld Erfahrungen anschauen, die andernorts gemacht werden. Wenn keine Lärmschutzwand und kein Wall gebaut werden, dann wäre vielleicht Bepflanzung eine Option, um das Problem zu lindern.

Was muss Wittingen tun, um den an- und abfließenden Verkehr der Autobahn zu meistern?

Wir sollten uns hier in der Stadt intensive Gedanken machen, ob eine Südumgehung in eigener Verantwortung nötig ist. Klar ist, dass das nicht ganz billig wird. Auch mit Blick auf die Bahnquerung im Zuge von Bahnhofstraße und Celler Straße und angesichts von zwei Ampeln in der Ortsdurchfahrt sollten wir überlegen, welche Möglichkeiten wir haben. Wir alle wissen ja, dass das Umland schnell verstopft ist, wenn auf der Autobahn mal ein Stau ist.

Welche Pläne haben Sie für die Innenstadt?

Ein Dauerthema, und ein schwieriges dazu. Ich möchte die Immobilien- und Ladenbesitzer einbinden und gemeinsam Wege für eine zukunftsfähige Innenstadt suchen. Auch bei der Städtebauförderung, die für Wittingen erreicht wurde, müssen die Eigentümer mitspielen. Politik stößt da an Grenzen, auch das Kaufverhalten der Menschen hat sich geändert.

Wie wollen Sie die Verwaltung gestalten?

Ich will sie anhand der gesellschaftlichen Erfordernisse gestalten. Das heißt auch: digitaler werden. Aber das ist nicht das Allheilmittel. Auch der persönliche Kontakt im Rathaus muss weiter möglich sein – es gibt genug Menschen, die nicht alles per Smartphone erledigen wollen oder können. Mit Blick auf die Fachkräftesicherung müssen wir die Verwaltung als attraktiven Arbeitgeber darstellen, bei dem sich junge Leute entwickeln können.

Mit welchem Gefühl gehen Sie in die Wahl?

Es ist ein offenes Rennen, keiner tritt als Amtsinhaber an. Ich sehe keinen Favoriten.

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