Touristische Perspektive? Schienenfahrräder und mehr am Sonntag

Bahn frei für die Draisinen in Wittingen

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Hans-Joachim Michaelis und Kurt-Ulrich Blomberg befreien gestern Vormittag die Schienen auf dem alten OHE-Gelände in Wittingen von Unkraut und größeren Gewächsen.

Wittingen. Mit drei oder vier Rädern, mit Pedalen, mit Handhebel, sogar mit Motor: Sieben Draisinen verschiedenster Bauart rollen am Sonntag über die alten Gleise des ehemaligen OHE-Bahnhofs in Wittingen.

Das „Draisinenfest“, zu dem Draisinenfreunde aus Wittingen, Brome, Celle und Lüchow einladen, soll plastisch veranschaulichen, dass ein touristischer Draisinenbetrieb eine Zwischenlösung für die von Entwidmung bedrohte Bahnstrecke von Wittingen nach Rühen sein könnte. Damit sich am Sonntag von 11 bis 18 auf den vernachlässigten Gleisen überhaupt etwas bewegen kann, sind die beiden Wittinger Hans-Joachim Michaelis und Kurt-Ulrich Blomberg gestern Vormittag erst einmal mit Gartenschere und anderen Utensilien angerückt. Seit dem QiN-Prozess stehen beide für bürgerschaftliches Engagement in Wittingen, und in der Bahnstrecke sehen sie Entwicklungspotenzial für das Stadtgebiet. Gestern musste deshalb Unkraut weichen.

Draisinen-Fahrten könnten Tagesausflügler in die Region locken, glaubt Blomberg, entsprechend könne auch Gastronomie davon profitieren. Michaelis, der in Orten entlang der Strecke mit Bürgern gesprochen hat, berichtet von vielen zustimmenden Reaktionen, aber auch von mitunter blanker Ablehnung.

Mut, so Michaelis, machten Beispiele wie im Saarland, wo es in knapp 30-jähriger Arbeit gelungen sei, eine Strecke für den Personenverkehr zu reaktivieren. Das ist für Schienenbefürworter auch bei der Trasse nach Rühen das Ziel – die Draisinen-Fahrten sollen dabei eine sinnstiftende Zwischenetappe sein. Blomberg hofft, dass der Tourismus stärker in den Fokus gerückt werden kann: „Das setzt politischen Willen und Begeisterungsfähigkeit voraus.“

Wie es gehen kann, ist seit 2007 südlich von Celle zu erleben. Dort führt eine „Kalibahn“ auf ehemals industriell genutzten Gleisen nach Ehlershausen oder Hänigsen. Fahrraddraisinen, einen Großdraisine für bis zu 20 Personen und eine ungarische Motordraisine, die auf den Namen „Piroschka“ hört, sind dort auf der „Industrie-Kultur-Tour“ im Einsatz. Vertreter aus Wathlingen werden am Sonntag für Fragen zur Verfügung stehen.

Zudem können Besucher die in Wittingen schon bekannte Draisine des Wittingers Karl-Heinz Adam besteigen können. Das Fahrzeug sieht Michaelis als „Prototyp“ für spätere Exemplare, die in Leichtbauweise für die OHE-Strecke produziert werden könnten. Zum Wittinger Event trägt auch eisenbahnerisches Know how aus dem Wendland bei: Die Lüchower Ostheide-Elbe-Bahn bringt drei aktive Modelle mit.

Für Imbiss und Getränke wird am Sonntag gesorgt, das Hotel Bennetts steht mit seinem Restaurant zur Verfügung. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei.

Von Holger Boden

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